Priester in der Fokolar-Bewegung

Wilfried Hagemann

Bis Juni 2009 Geistlicher Rektor des Exerzitienhauses des Bistums Münster Gertrudenstift und Beauftragter für die ausländischen Priester im Bistum, heute verantwortlich für das Zentrum für Spiritualität (ZSP) Ottmaring bei Augsburg

Meine erste Begegnung mit den Fokolaren liegt lange zurück und doch kann ich mich ganz genau an den Tag und die Gesichter erinnern. Ich arbeitete an meiner Dissertation in Rom, es war der 31. Dezember 1964. Wir befanden uns nach dem Konzil in einer Zeit großer Aufbrüche, aber auch tiefer Verunsicherung. Ich besuchte auf den Hinweis eines Professors hin das damalige Begegnungszentrum der Fokolar-Bewegung in Rocca di Papa. Der Fokolarin, die mich führte, sagte ich spontan: "Ich habe Gott studiert, aber Sie sind innerlich von ihm berührt. Können auch Priester in dieser Laienbewegung mitmachen?"

Fokolarpriester Wilfried Hagemann im Porträt

Von da an habe ich mich regelmäßig mit anderen Priestern und Theologen getroffen und ausgetauscht. In unserem Miteinander fand ich einen Zugang zur gelebten Theologie. Denn, wo die gegenseitige Liebe ist, wird ein Raum frei für die Gegenwart Gottes. Hatte ich vorher gegen alle Zweifel in mir - Gibt es Gott? Ist das Wort Gottes verlässlich? Hat Jesus die Kirche wirklich gegründet? - "angeglaubt", so fand ich nun im Licht des Auferstandenen unter uns die Antworten.

Ich brenne für die Ökumene und habe wunderbare Erfahrungen des gemeinsamen Betens und Lebens mit Pastoren der evangelischen und anderer Kirchen machen dürfen. Mein langjähriger Weggefährte, der frühere Aachener Bischof Klaus Hemmerle, hat mich "das Sehen" gelehrt. Wir haben fast täglich telefoniert, zumindest kurz und manchmal erst knapp vor Mitternacht, um uns für unsere Arbeit, unsere Kontakte, unser inneres Leben oder unsere Visionen "die Augen Jesu" zu eigen zu machen: sehen, wie Er an unserer Stelle sehen würde.

Mein Elternhaus in Wilhelmshaven, der Diaspora im Oldenburger Land, und meine vier Geschwister haben mich sehr geprägt und geformt. Dankbar bin ich aber vor allem dem Heiligen Geist, der mich auf die Fokolar-Bewegung gestoßen hat. Denn ohne sie könnte ich mir ein Leben für die Einheit der Kirchen und der Menschen nicht vorstellen. Äußerlich entspanne ich mich im Fitness-Studio, beim Lesen der griechischen Bibel oder beim Cello-Spiel. Innerlich entspanne ich dort, wo Jesus unter den Menschen lebendig ist.

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Impressum · Webmaster · Letzte Aktualisierung: 28. Juli 2010