Priester in der Fokolar-Bewegung

Ewald Gnatzy

Lebt im Priesterseminar Hildesheim "in Ruhe"

"Ich habe mich gemütlich aufs Sofa gelegt, du kannst mich alles fragen". So richtig vorstellen kann sich Ewald Gnatzy (73) nicht, dass sich jemand für das interessiert, was er tut. Es ist doch alles ganz normal.

"Ich stehe morgens auf, suche in der Zeitung nach den besten Angeboten bei Aldi oder Lidl, stelle eine Waschmaschine an, gehe einkaufen und koche," so hatte er aufs Geradewohl allen, die den Kopf über seine Zukunftspläne schüttelten, sein kommendes neues Lebensgefühl als Pensionär beschrieben. Er wusste ja selbst nicht so recht, was auf ihn zukommen würde, als er auf den Wunsch von Christian Hennecke, Regens im Hildesheimer Priesterseminar und wie er Fokolarpriester, einging, eine vita communis zu gründen. Eins war und ist ihm jedoch klar: diese Entscheidung ist richtig.

Fokolarpriester Ewald Gnatzy im Porträt

"Ich habe die Fokolar-Bewegung ein Jahr vor meiner Priesterweihe kennen gelernt", so Gnatzy. "Anfangs hatte ich Start-Schwierigkeiten, aber nach einigen Jahren habe ich mit großer Überzeugung den Schritt in diese Gemeinschaft getan. Das drückte sich für mich besonders in der Gütergemeinschaft aus". Von den 40 Jahren als Priester lebte der gebürtige Schlesier 33 Jahre mit anderen Priestern in vita communis. "Wie kann man erklären, weswegen man mit andern zusammen wohnt? Es gibt Reibungspunkte, aber auch viel Gutes und Schönes. Es ist vor allen Dingen eine Gemeinschaft, die sich um die Gegenwart von Jesus im Alltag bemüht".

Von was Ewald Gnatzy über viele Jahre profitiert hat, nämlich vom brüderlichen Miteinander, wollte er in das gemeinsame Leben mit Christian Hennecke einbringen. Der Preis war hoch.

"Für mich waren ein Pfarrhaus voller Leben, meine pastorale Tätigkeit etwas Selbstverständliches. Es gehörte zu mir. Mit einem Mal wurde das alles anders". Ewald Gnatzy bezog eine Wohnung im Priesterseminar von Hildesheim, wo auch Christian Hennecke und zwei weitere Diözesanpriester über 70 Jahre wohnen. Seine Wohnung unterscheidet sich von den übrigen durch eine moderne Küche, die dem Hobbykoch jeden Komfort bietet.

"Ich koche jeden Tag. Wenn Christian da ist, essen wir gemeinsam. Er hatte gerade eine anstrengende Woche, und ich dachte, jetzt braucht er etwas Besonderes. So habe ich mich erstmals an Wild gewagt. Ich probiere Rezepte aus. Wenn er nicht da ist, koche ich für mich allein".

Es war für Ewald Gnatzy erst einmal ein "Lassen". Sich einlassen auf Ungewohntes, aber auch loslassen von Beziehungen, Tätigkeiten, Befriedigungen aus seiner 21-jährigen Pfarrerstätigkeit in Hamburg -Neugraben; denn "ich war und bleibe Pfarrer mit Leib und Seele". Durch die Krankheit des Hamburger Spirituals ist er einmal die Woche in Hamburg, um Seminaristen mit Impulsen und Gesprächsangeboten zu begleiten. Er hält Exerzitien, unterstützt die Erstkommunion-Katechese in einer Hildesheimer Gemeinde.

"Das alles ist für mich kein Opfer. Richtig einschneidend ist es für mich, in der Advents- und Fastenzeit keine Karten zu spielen. Ich lege nämlich täglich eine oder zwei Patiencen. Das fällt dann weg".

Die Tonlage seiner Stimme verändert sich schon beim Gedanken daran. Könnte es nicht mal etwas anderes sein? "Nein, das habe ich immer gemacht und so auch dieses Jahr!" So hat jeder seine Prinzipien.

mail senden an e.gnatzy(at)gmx.de

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