Priester in der Fokolar-Bewegung

Impulse zum Priesterjahr

Juni 2010

1. Juni 2010 - Echtes Personsein

Alles Bemühen um ein christliches Leben hängt daran, dass wir zur Gegenseitigkeit in der Liebe finden, zu einem Leben für den andern und zur Bereitschaft, immer neu auf die Bitten anderer einzugehen, bis wir zur tiefen Einheit finden: Das ist die höchste Form des Personwerdens und das heißt, ein Leben zu führen, das an der Dreieinigkeit Maß nimmt. Das bedeutet: ein Leib zu sein (der Leib Christi), der beseelt ist von einer einzigen Seele (der eingegossenen Liebe des Heiligen Geistes), und das heißt Kirche sein. Aber dies bedeutet auch, sich selbst zu verwirklichen, denn jemand ist erst dann er selbst, wenn er auch „wir“ sagen kann.

Das ist die christliche Philosophie, von der Justinus gesprochen hat und Clemens von Alexandrien, und die Gregor von Nazianz „gelebte Philosophie“ nannte (Oratio VI). Um eine Person wirklich zu bilden, genügt es nicht, jemand mit Theologie, Philosophie, Geschichte und Moral vertraut zu machen. Es genügt auch nicht ein individuelles Bemühen um das christliche Leben, selbst wenn es auf Gebet und Opfer aufbaut. Der neue Mensch ist derjenige, der als ein Glied an Christus für die andern Glieder lebt, weil seine Liebe ihn befähigt, vom Tod zum Leben überzugehen.

Silvano Cola

Aus: Scritti e testimonianze, Gen’s, Grottaferrata 2007, S. 67

2. Juni 2010 - Die höchste Berufung des Menschen

Tatsächlich klärt sich nur im Geheimnis des fleischgewordenen Wortes das Geheimnis des Menschen wahrhaft auf. Denn Adam, der erste Mensch, war das Vorausbild des zukünftigen (Röm 5,14), nämlich Christi des Herrn. Christus, der neue Adam, macht eben in der Offenbarung des Geheimnisses des Vaters und seiner Liebe dem Menschen den Menschen selbst voll kund und erschließt ihm seine höchste Berufung. (…)

Denn er, der Sohn Gottes, hat sich in seiner Menschwerdung gewissermaßen mit jedem Menschen vereinigt (…). Da nämlich Christus für alle gestorben ist und da es in Wahrheit nur eine letzte Berufung des Menschen gibt, die göttliche, müssen wir festhalten, dass der Heilige Geist allen die Möglichkeit anbietet, diesem österlichen Geheimnis in einer Gott bekannten Weise verbunden zu sein.

II. Vatikanisches Konzil

Gaudium et Spes, Nr. 22

3. Juni 2010 - Vergöttlichung des Universums

Die ganze Welt ist ausgerichtet auf die Erwartung der Vereinigung mit Gott – ja, darin wird sie gehalten. Und doch schiebt sich ein für die Welt unüberwindbares Hindernis dazwischen. Keine Wirklichkeit kann bei Christus ankommen, wenn dieser sie nicht aufnimmt und ihr in sich Einlass gewährt! Darum seufzt das Universum, weil seine Leidenschaft und Machtlosigkeit es in die entgegen gesetzte Richtung ziehen (…).

Wer kann je über die formlose Masse der Welt Worte sprechen, die ihr eine Seele geben? Welche Stimme wird das Hindernis zwischen Gott und der Schöpfung aufheben, das Diese hindert Jener zu werden? Heute und morgen und immer wieder, bis die Verwandlung erfolgt ist, soll jenes göttliche Wort wiederholt werden: „Das ist mein Leib.“ Wenn Christus gleichsam die Bewegungsrichtung der Inkarnation fortführt und in das Brot hinabsteigt, um es bis ins Innerste zu verwandeln, beschränkt sich seine Handlung nicht auf die materielle Hostie (…). Die Transsubstantiation setzt eine anfänglich schwache, aber reale Vergöttlichung des gesamten Universums in Gang.

Teilhard de Chardin

Aus: Il Sacerdote, Queriniana, Brescia 1991, S. 13-14

4. Juni 2010 - Der kosmische Christus

Die “anthropologisch-kosmische” Einheit wird kommen, wenn Gott in allen und in allem ist (1 Kor 15,28).

Solowjew ist es gut gelungen, deutlich zu machen, wie sich der kosmische Prozess und die Evolution der Natur, angefangen von den ersten Elementen bis hin zum menschlichen Bewusstsein und zum langen Weg der Universalgeschichte, auf den Gott-Menschen, auf den Mensch gewordenen und kosmischen Christus zu bewegen.

Die Schöpfung wird als Anfang verstanden und die kosmische Evolution als progressive Inkarnation, wie es auch Bulgakow erklärt. In der Inkarnation vollendet Gott seine Schöpfung und gleichzeitig rechtfertigt er sie (…).

Gott konnte die Welt nicht sich selbst überlassen, die (…) unvermeidlich die ontologische Unvollkommenheit des Geschaffenen in sich trägt und das Unvollendetsein, das sich davon herleitet. Von hier aus stellt sich im Blick auf die Erschaffung der Welt eine neue Aufgabe. Das Geschöpf, das seinen eigenen Werdegang hat, soll den Charakter des Geschaffenseins überwinden und zur „Nicht-Schöpfung“ oder gar „Super-Schöpfung“ werden, in einem Wort: vergöttlicht werden.

Kardinal Tomáš Špidlík

Aus: L’Idea Russa, un’altra visione dell’uomo, Lipa, Roma 1995, S. 231-232

5. Juni 2010 - Eucharistie der Erde

Jesus ist durch sein Sterben und seine Auferstehung ganz gewiss die eigentliche Ursache der Umwandlung des Kosmos. Doch da Paulus uns aufmerksam gemacht hat, dass wir Menschen die Passion Christi ergänzen und die Schöpfung auf die Offenbarung der Töchter und Söhne Gottes wartet, erwartet sich Gott bei der Erneuerung des Kosmos auch die Mitwirkung der Menschen, die durch die Eucharistie „christusförmig“ wurden.

Es könnte also gesagt werden, dass kraft des eucharistischen Brotes der Leib des Menschen zur „Eucharistie“ für das Universum wird – in dem Sinne, dass er mit Christus zum Keim der Umgestaltung des Universums wird.

Wenn nun die Eucharistie Ursache der Auferstehung des Menschen ist, kann es dann nicht sein, dass der durch die Eucharistie vergöttlichte Leib des Menschen dazu bestimmt ist, unter der Erde zu verwesen, um zur Erneuerung des Kosmos beizutragen? Können wir daher nicht sagen, wir seien nach unserem Tod - mit Jesus – Eucharistie der Erde?

Wir werden von der Erde aufgenommen, so wie wir die Eucharistie aufnehmen: nicht um in Erde umgewandelt zu werden, sondern damit sie umgewandelt wird in „neuen Himmel und neue Erde“ (…)

Die Eucharistie erlöst und lässt uns Gott werden. Durch unser Sterben tragen wir mit Christus zur Umwandlung des Kosmos bei.

Chiara Lubich

Aus: Scritti spirituali/4, Città Nuova, Roma 19952, S. 40-41

6. Juni 2010 - Vor dem Tabernakel

Es ist wichtig, dass die Teilnahme an der Eucharistie, in der Jesus uns sich selbst schenkt, zu einem Mittelpunkt in Eurem Leben wird. Er, der für die Sünden aller Menschen gestorben ist, will mit jedem von Euch in Verbindung treten und an die Tür Eurer Herzen klopfen, um Euch seine Gnade zu schenken.

Begegnet Ihm in der heiligen Eucharistie, geht in die Kirche, um Ihn anzubeten, und kniet vor dem Tabernakel nieder: Jesus wird Euch ganz mit seiner Liebe erfüllen und Euch die Gedanken seines Herzens offenbaren.

Wenn Ihr auf Ihn hört, werdet Ihr immer tiefere Freude darüber empfinden, ein Teil seines mystischen Leibes, der Kirche, zu sein, der Familie seiner Jünger, die innig verbunden ist in der Einheit und in der Liebe. Zudem werdet Ihr es lernen, Euch mit Gott versöhnen zu lassen, wie der Apostel Paulus gesagt hat (vgl. 2 Kor 5,20). Vor allem im Sakrament der Buße und Versöhnung wartet Jesus auf Euch, um Eure Sünden zu vergeben und Euch durch den Dienst des Priesters mit seiner Liebe zu versöhnen. Wenn Ihr demütig und wahrheitsgetreu Eure Sünden bekennt, dann werdet Ihr von Gott selbst durch die Worte seines geweihten Dieners Vergebung empfangen.

Benedikt XVI.

Aus: Botschaft an die niederländische Jugend, 21. November 2005

7. Juni 2010 - Die charismatische Dimension der Kirche

Immer, wenn der Geist eingreift, erstaunt er uns. Er bringt Ereignisse in Gang, deren Neuheit uns sprachlos macht. Er wandelt von Grund auf die Menschen und die Geschichte.

Das war die unvergessliche Erfahrung der II. Ökumenischen Konzils, in dessen Verlauf die Kirche - unter der Führung eben dieses Geistes – die charismatische Dimension als wesentliches Element ihrer selbst wiederentdeckt hat:

“Derselbe Heilige Geist heiligt außerdem nicht nur das Gottesvolk durch die Sakramente und die Dienstleistungen, er führt es nicht nur und bereichert es mit Tugenden, sondern teilt den Einzelnen, wie er will (1 Kor 12,11) seine Gaben aus und verteilt unter den Gläubigen jeden Standes auch besondere Gnaden. Durch dieses macht er sie geeignet und bereit, für die Erneuerung und den vollen Aufbau der Kirche verschiedene Werke und Dienste zu übernehmen“. (Lumen Gentium, 12)

Das Institutionelle und das Charismatische sind für die Konstitution der Kirche gleichermaßen wesentlich und sie tragen beide – wenn auch auf verschiedene Weise – zu ihrem Leben, ihrer Erneuerung und der Heiligung des Gottesvolkes bei.

Johannes Paul II.

Aus: Vigil vor Pfingsten, 30. Mai 1998

8. Juni 2010 - Der Geist meldet sich zu Wort

Für mich persönlich war es ein wunderbares Ereignis, als ich zu Beginn der siebziger Jahre erstmals mit Bewegungen wie Neokatechumenat, Gemeinschaft und Befreiung, Fokolare in nähere Berührung kam und dabei den Schwung und die Begeisterung erfuhr, mit der sie den Glauben lebten und aus der Freude ihres Glaubens heraus auch anderen mitteilen mussten, was ihnen geschenkt worden war.

Es war die Zeit, (…) als nach dem großen Aufbruch des Konzils statt des Frühlings Frost, statt der neuen Dynamik Ermüdung einzukehren schien. (…) Aber wo blieb Gott? War die Kirche nach vielen Debatten und angestrengt durch das Suchen nach neuen Strukturen nicht in der Tat müde und geistleer geworden? (…).

Aber da war nun plötzlich etwas, was niemand geplant hatte. Da hatte der Heilige Geist sich sozusagen selbst wieder zu Wort gemeldet. Gerade in jungen Menschen brach der Glaube neu auf, ohne Wenn und Aber, ohne Ausflüchte und Hintertüren, in seiner Ganzheit als Gabe und als köstliches Geschenk erfahren, das leben lässt.

Kardinal Joseph Ratzinger

Aus: Kirchliche Bewegungen und ihr theologischer Ort,
in: Peter Wolf (Hrsg.), Lebensaufbrüche, Vallendar 2000, S. 24 f.

9. Juni 2010 - Der unendlich große Garten der Kirche

Die Kirche gleicht einem unendlich großen Garten, auf dessen Beeten die verschiedensten Blumen blühen: seltene und gewöhnliche, kostbare und einfache.

Das sind die Ordensfamilien, die Orden, die Bewegungen. Sie haben eine zweifache Aufgabe: in ihrer jeweiligen Zeit das Leben der ersten christlichen Gemeinden neu aufleben zu lassen, und durch ihre Existenz der Welt ein Wort, eine Haltung Jesu, ein Ereignis aus seinem Leben in Erinnerung zu rufen, weil diese Zeit es besonders nötig hat, neu darauf verwiesen zu werden (…).

Wir haben es dabei mit verschiedenen Formen eines doch immer echten und unverkürzten christlichen Lebensstils zu tun. Als besondere Kenner des Evangeliums bieten diese Männer und Frauen der Welt göttliche Heilmittel für ihre Gebrechen an.

Chiara Lubich

Aus: Der Priester heute, der Ordensmann heute, hrsg. von Hagemann/Blaumeiser, S. 23 f.

10. Juni 2010 - Ein Jahrhundert neuer Blüte

Es kann als ein Widerspruch angesehen werden, dass das Christentum im schwierigen, umkämpften und säkularisierten 20. Jahrhundert eine neue Blüte erfahren hat. Das christliche Leben kommt unter schwierigen Umständen zu einem neuen Aufbruch. Dieser meldet sich, als der Wohlstand dazu verführt, den Glauben über Bord zu werfen. Dieses zugleich schöne und schreckliche Jahrhundert brauchte dringend das Evangelium und die Liebe.

Woher kam die neue Blüte? Sie entsprang oft der Armut oder schmerzlichen Umständen. Der sakramentale und geistliche Aspekt der Kirche leuchtete auf (…).

In einer Welt, die sich von Gott entfernt hat, ist der charismatische Aspekt der Kirche, für den die Bewegungen und neuen Gemeinschaften stehen, wieder aufgeblüht (…).

Gewiss, in jeder Familie gibt es Schwierigkeiten und Spannungen, wenn ein neues Mitglied heranwächst, aber (…) unsere Zeit mit ihren Charismen hat das kirchliche Gefüge reicher und vielfältiger gemacht. Sie hat außerdem die Familie vergrößert und damit die Liebe wachsen lassen (…).

Mit Sympathie geht die Kirche auf den Wegen einer Welt, die sich von Gott entfernt zu haben scheint. Einfache Christen, die in einem Charisma für das Apostolat verwurzelt leben, mischen sich im Alltag ein. Sie erheben ihre Stimme, sie geben Zeugnis und unterscheiden sich in ihren Verhaltensweisen.

Andrea Riccardi

Aus: I Movimenti nella storia della Chiesa, Gen’s 29 (1999) S. 207-209

11. Juni 2010 - Ein neuer Frühling

Ich möchte die Priester in diesem ihnen gewidmeten Jahr gern ganz besonders dazu aufrufen, den neuen Frühling zu nutzen, den der Geist in unseren Tagen in der Kirche hervorbringt, nicht zuletzt durch die kirchlichen Bewegungen und die neuen Gemeinschaften. (…)

In diesem Zusammenhang gilt die Anweisung des Dekretes Presbyterorum ordinis: „Sie [die Priester] sollen die Geister prüfen, ob sie aus Gott sind, und die vielfältigen Charismen der Laien, schlichte und bedeutendere, mit Glaubenssinn aufspüren, freudig anerkennen und mit Sorgfalt hegen.“ (Nr. 9).

Diese Gaben, die viele zu einem höheren geistlichen Leben drängen, können nicht nur den gläubigen Laien, sondern den Priestern selbst hilfreich sein.

Aus dem Miteinander von geweihten Amtsträgern und Charismen kann nämlich „ein gesunder Impuls für ein neues Engagement der Kirche in der Verkündigung und im Zeugnis des Evangeliums der Hoffnung und der Liebe in allen Teilen der Welt“ entspringen.

Benedikt XVI.

Aus: Schreiben zum Beginn des Priesterjahres, 16. Juni 2009

12. Juni 2010 - Leidenschaft für die Kirche

Die „Leidenschaft für die Kirche“, über die einmal Papst Paul VI. gesprochen hat, ist in den Herzen echter Christen dominierend. Sie muss jedoch von der Gefühlsebene zur praktischen Ebene überwechseln (…).

Was das Christentum hinsichtlich des Bereichs der Beziehung zwischen Einzelnen lehrt – lieben, einander kennen, sich eins machen mit den anderen bis zu dem Punkt, einander die evtl. von Gott empfangenen Gaben weiterzuschenken –, muss auf die soziale Ebene übertragen werden. So wird man die anderen Bewegungen und Werke der Kirche kennen, schätzen und lieben und unter allen einen Austausch der jeweiligen geistlichen Güter hervorrufen bzw. verstärken.

Daraus würde eine vom Willen und Herzen her gewollte Zusammenarbeit entstehen. Und auf diese Weise würden wir der Kirche, die wir lieben, wirklich dienen.

Würden wir hingegen nicht so leben, wäre unsere „Leidenschaft für die Kirche“ pure Rhetorik, und wir selbst würden uns in einen Zustand der Verschlossenheit und Isolierung versetzen. Zudem würde unsere Liebe zum Papst sich auf flüchtigen Enthusiasmus und Sentimentalität reduzieren, da wir mit ihm nicht teilen, was er liebt: das Leben der Gesamtkirche.

Chiara Lubich

Aus: La Dottrina Spirituale, Milano 2001, S. 156

13. Juni 2010 - Einheit und Verschiedenheit

Die verschiedenen Charismen, Ämter und Dienste bieten die Möglichkeit, täglich die Gemeinschaft zu praktizieren, in der die Gaben des Heiligen Geistes verliehen werden, um den anderen zu nützen, damit die Liebe immer lebendig bleibt (vgl. 1 Kor 12,4–12).

In der Tat hat jeder getaufte Mensch Gaben empfangen, die er in Einheit und gegenseitiger Ergänzung mit den Gaben der anderen entfalten muss, um den einen Leib Christi zu bilden, der für das Leben der Welt hingegeben wurde.

Die praktische Anerkennung der inneren Einheit und der Verschiedenheit der Dienste wird eine größere missionarische Lebendigkeit sichern. Sie wird Zeichen und Werkzeug der Versöhnung und des Friedens für unsere Völker sein.

Jede Gemeinde ist aufgerufen, die verborgenen und verschwiegenen Talente, die der Geist den Gläubigen geschenkt hat, ans Licht zu heben und im Leben der Kirche zur Wirkung zu bringen.

Aus: Abschlussdokument der Konferenz von Aparecida (2007), Nr. 162

14. Juni 2010 - Im wechselseitigen Füreinander

Wenn die Menschen für ihre Beziehungen Maß nehmen am wechselseitigen Füreinander der göttlichen Personen der Trinität (Perichorese), dann kommt es zu einem neuen theologischen Denken, zu einer mehr auf Gemeinschaft ausgerichteten Spiritualität, zu einer differenzierten und auf die Person achtenden und dem Dialog verpflichteten Pastoral und zu einem Missionsverständnis, das offen ist für das Gespräch mit allen. Eine solche Weise des Sehens und Handelns lässt die Kirche der Zukunft schon jetzt präsent werden und gibt Raum zur Inspiration neuer Modelle des sozialen und wirtschaftlichen Lebens (…).

Der Kirche des dritten Jahrtausends ist es aufgegeben, die Neuheit dieser Intuitionen zu entwickeln und ihr eigenes Sein und Handeln daran auszurichten (…).

Bei der Kirche ist es wie bei der Trinität: ihre zentrifugale Kraft hängt von ihrer zentripetalen Kraft ab; ihre Fähigkeit, „Erscheinung des Herrn“ zu sein, beruht auf der Kraft ihrer Communio. Da die Kirche ihren Sinn darin findet, sich missionarisch und evangelisierend an die Menschen zu wenden, kann sie dies nur tun, wenn ihr Leben, wie das der Kirche an Pfingsten, Ausdruck der Einheit ist und einer Gemeinschaft nach dem Modell der Dreifaltigkeit.

Jesús Castellano Cervera

Aus: El sacerdote, hombre trinitario, La Revista Católica (Cile 2000) S. 402. 411. 414

15. Juni 2010 - Leben in der Wirklichkeit der dreifaltigen Gemeinschaft

So sehr Kirche eine institutionelle Form haben muss und so sehr sie ein hierarchisch verfasstes Gemeinwesen ist, so sehr ist sie auch trinitarisch zu verstehen und als dreifaltige Gemeinschaft zu leben (…).

So ist Kirche jener Anfang der neuen Menschheit, (…) die sich zugleich mit einer Liebe auf ein neues Miteinander einlässt, die absolut von der Vergebung und vom Ernstnehmen des Geliebtseins jedes einzelnen Menschen – selbst des Feindes (vgl. Mt 5,43) – ausgeht.

Hier wird im Grunde schon so etwas wie dreifaltige Beziehung skizziert. Denn als Versöhnte miteinander zu leben, das Urteilen über den andern zu lassen, unsere eigenen Sorgen wegzugeben und uns so auf Nahe wie Ferne einzulassen, das ist die elementar neue Qualität trinitarischer Kommunikation. Kirche ist dazu da, dass wir in ihr den Raum finden, so miteinander umzugehen, wie es die Bergpredigt zeigt (…).

Kirche ist also der Ort, an dem Gott handelt, weil Menschen in seinem Namen so miteinander leben und eins sind, dass darin diese Wirklichkeit des dreifaltigen Gottes da ist und der Herr in unserer Mitte unser Leben einfügen kann in dieses Leben Gottes.

Klaus Hemmerle

Aus: Leben aus der Einheit. Eine theologische Herausforderung, Freiburg 1995, S. 177. 180-81. 184

16. Juni 2010 - Trinitarisierung der Wirklichkeit

Das letzte Ziel heißt also „Einheit“, man könnte auch sagen: „Trinitarisierung“ der ganzen Wirklichkeit: Was Gott als trinitarischer Gott ist, sollen und dürfen wir werden, nämlich eine „Communio-Einheit“, d.h. Einheit aus Vielheit, Vielheit in Einheit. Im Bild gesagt: Es geht darum, „Leib Christi“ zu werden, so eng untereinander vernetzt wie die ganz unterschiedlichen Glieder und Organe eines Leibes, einander verbunden in gegenseitigem Lebensaustausch, um so mit Christus als „Haupt“ und dem Heiligen Geist als „Seele“ den einen Leib Christi zu bilden „zur Ehre Gottes des Vaters“.

Gisbert Greshake

Aus: Priester sein in dieser Zeit, Regensburg 2008, S. 61

17. Juni 2010 - Institution und Inspiration zusammen gehalten im Geist

Wir können ausweitend sagen: in der Kirche Christi lebt der Heilige Geist immer zugleich als objektiver und subjektiver: als Institution oder Regel oder disciplina, und als Inspiration und liebender Gehorsam an den Vater und Kindschaftsgeist. Beides ist voneinander untrennbar, da wir unter dem Gesetz Christi stehen, der in uns Gestalt annehmen soll (…).

Gewiss, „wenn Christus, unser Leben, erscheint, werdet auch ihr mit ihm zusammen in Herrlichkeit erscheinen“ (Kol 3,3f), und dann wird der Institutions-Aspekt des Geistes so verschwinden, wie er für den auferstandenen Herrn verschwunden ist: in den Kindschafts-Aspekt hinein, weil wir dann den Gehorsam nicht mehr zu lernen brauchen, sondern ihn im Instinkt und als unsere Freiheit haben werden, und der Geist nur in seinem göttlichen Ursinn – als Zeuge und Anfacher der Liebe – uns objektiv überragen wird.

Hans Urs von Balthasar

Aus: Pneuma und Institution, Einsiedeln 1985, S. 231

18. Juni 2010 - Seht, ich mache alles neu

Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, auch das Meer ist nicht mehr.

Ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott her aus dem Himmel herabkommen; sie war bereit wie eine Braut, die sich für ihren Mann geschmückt hat.

Da hörte ich eine laute Stimme vom Thron her rufen: Seht, die Wohnung Gottes unter den Menschen! Er wird in ihrer Mitte wohnen, und sie werden sein Volk sein; und er, Gott, wird bei ihnen sein.

Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen.

Er, der auf dem Thron saß, sprach: Seht, ich mache alles neu.

Offenbarung des Johannes 21, 1-5


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