








Liebe Mitarbeiter Christi, ihr habt Jesus euer Ja gegeben, und er hat euch beim Wort genommen. Das Wort Gottes zeigte sich im arm gewordenen Jesus. Zu eurem priesterlichen Zölibat gehört auch eine fürchterliche Leere, die ihr spürt. Gott kann das, was schon voll ist, nicht füllen. Er kann nur füllen, was leer ist (…). Es geht nicht so sehr darum, was wir effektiv zu geben „haben“, sondern wie sehr wir leer sind, um im Leben voll und ganz empfangen zu können und mitzuwirken, dass Er Sein Leben in uns leben kann.
Heute möchte Er in euch seine vollkommene Hingabe an den Vater leben; gestattet es Ihm. Es ist nicht wichtig, was ihr dabei fühlt, sondern das, was Er in euch fühlt. Wendet den Blick von euch ab und freut euch darüber, dass ihr nichts habt, dass ihr nichts seid und nichts machen könnt. Jedes Mal wenn euch euer Nichts erschrecken will, schenkt Jesus ein großzügiges Lächeln (…). Ihr und ich müssen dafür Sorge tragen, dass Er in uns lebt und durch uns in der Welt. Schart euch um Maria, denn auch sie musste erst ein Dunkel durchqueren, bevor sie „voll der Gnade“ wurde, voll von Jesus. „Wie soll das geschehen?“ hat sie gefragt. Aber kaum hatte sie ihr Ja gegeben, spürte sie den Wunsch, zu Elisabeth und ihrer Familie zu eilen und Jesus zu bringen.
Wir leugnen zwar nicht, dass der Priester durch den Zölibat ein einsamer Mensch ist. Aber seine Einsamkeit darf nicht für öde und leer gehalten werden, denn sie ist von Gott und dem unermesslichen Reichtum seines himmlischen Reiches erfüllt. Überdies hat sich der Priester darauf vorbereitet, diese Einsamkeit, die innerlich und äußerlich von der Liebe erfüllt sein muss, zu ertragen, wenn er sie mit Bedacht erwählt hat, und zwar nicht etwa, um sich hochmütig von den anderen Menschen fernzuhalten; nicht, um sich schweren allgemeinen Verpflichtungen zu entziehen; nicht, um sich von seinen Brüdern abzusondern, auch nicht weil er die Welt verachtet. Denn, ausgesondert aus der Welt, ist der Priester dennoch keineswegs vom Volke Gottes getrennt, er ist ja für die Menschen bestellt, gänzlich der Übung der Liebte geweiht und dem Werk, zu dem ihn Gott erwählt hat.
Bisweilen kann die Einsamkeit schwer auf dem Priester lasten; aber er wird deshalb keineswegs bereuen, diese Lebensweise hochherzig erwählt zu haben. Selbst Christus war in den schwersten Augenblicken seines Lebens allein und von denen verlassen, die er als Zeugen und Gefährten seines Lebens erwählt und bis zum Ende geliebt hatte; dennoch sprach er: Ich bin nicht allein, denn der Vater ist mit mir.
Bei der Jungfräulichkeit geht es um die ursprüngliche Ganzheit von Körper und Geist sowie um die daraus resultierende Freiheit. Beide Aspekte sind offensichtlich von anthropologischer und psychologischer Bedeutung, es handelt sich also nicht nur um spirituelle Werte.
Es geht bei der hier gemeinten Ganzheit um das „vollständige bei sich Sein“, wie Cicero formulieren würde, und um das „über sich selbst verfügen Können“ in einer nicht verdrängenden, sondern sich bewusst genommenen Freiheit von jeglicher Fremdbestimmung der äußeren wie inneren Sinne. Durch diese Ganzheit und Freiheit gelangt die Person zu ihrer vollen Reife und Entfaltung. Durch sie findet sie nicht nur zur ursprünglichen Sicht Gottes vom Menschen zurück, sondern erlangt eine psychische Klarheit, durch die sie Personen, Ereignisse und Sachverhalte von dem Einen her verstehen kann. Wenn sie in sich selbst diese innere Einheit erreicht hat, gelangt sie zu einem Grad des Bewusstseins, in dem sie alle ihre Fähigkeiten in Einklang bringen kann.
Um reif und gelassen im Zölibat zu leben, erscheint es besonders wichtig, dass der Priester in seinem Innersten das Bild der Frau als Schwester entwickelt. (...) Zweifellos stellt "die Schwester" einen spezifischen Ausdruck der geistigen Schönheit der Frau dar; aber sie ist zugleich Offenbarung einer ihr eigenen "Unberührbarkeit". Wenn der Priester mit Hilfe der göttlichen Gnade und unter dem besonderen Schutz Mariens, der Jungfrau und Mutter, in diesem Sinne seine Haltung gegenüber der Frau reifen lässt, wird er erleben, dass sein Dienst von einem Gefühl großen Vertrauens gerade von Seiten der Frauen begleitet wird, Frauen, die von ihm in den verschiedenen Altersstufen und Lebenssituationen als Schwestern und Mütter gesehen werden. (...) So sind also Mutter und Schwester die beiden Grunddimensionen der Beziehung zwischen Frau und Priester. Wenn diese Beziehung auf ungezwungene und reife Weise aufgebaut wird, wird die Frau bei ihren Kontakten mit dem Priester keine besonderen Schwierigkeiten haben.
Hast du dich davon überzeugt, dass die Keuschheit eine Tugend ist und dass sie folglich wachsen und sich vervollkommnen muss? Ich sage es noch einmal: Es genügt nicht, dass wir, unserem Stand gemäß, enthaltsam sind. Wir müssen keusch leben, mit heroischer Haltung. Es geht also um eine positive Einstellung, in der wir bereitwillig der göttlichen Forderung entsprechen: Praebe, fili mi, cor tuum mihi et oculi tui vias meas custodiant (Spr 23,26), schenke mir, mein Sohn, dein Herz, und lass deinen Blick schweifen über die Felder meines Friedens.
Und jetzt frage ich dich: Wie rüstest du dich für diesen Kampf? Du weißt sehr gut, dass er schon gewonnen ist, wenn du ihn nur von Anfang an aufnimmst. Fliehe sofort die Gefahr, wenn du die ersten Funken der Leidenschaft spürst, ja noch früher. Sprich außerdem sofort mit deinem geistlichen Leiter. Besser noch vorher, denn nur wenn ihr das Herz ganz öffnet, werdet ihr keine Niederlage erleiden.
Wer zum Priester geweiht ist, (…) verlässt sein Elternhaus und findet in der Welt ein neues Zuhause: für ihn sind Vater, Mutter und Geschwister nicht nur oder nicht so sehr jene, mit denen ihn die Blutsbande verbinden, sondern jene, die in ungesicherten Verhältnissen leben (…): die Entrechteten, die Namenlosen, die Elenden, die niemand kennt. Er löst sich von seiner Herkunftsfamilie, um der Menschheitsfamilie zu dienen.
Kann man von einem Priester verlangen, alles zu lassen: Vater, Mutter, Geschwister, Felder….ohne ihm eine neue Familie anzubieten und ein Leben in Gemeinschaft mit Priestern?
Jesus hat sich anders verhalten! Er hat zwar die Seinen aufgefordert auf alles zu verzichten, um ihm zu folgen, doch gleichzeitig hat er ihnen ein Gemeinschaftsleben, eine neue Familie gezeigt und zugesichert, die sogar ihre Güter und das tägliche Leben mit Ihm teilt. (…)
Es ist dringend notwendig, dieses geschwisterliche Miteinander der Priester zu stärken und konkret werden zu lassen: es reicht vom Geld bis zur Gesundheit und vom geistlichen Leben bis zur Fortbildung. Dabei sollten sie untereinander stärkere, lebendigere und konkretere Bindungen als die einer natürlichen Familie haben. Mit anderen Worten, Priester sein, die mit Jesus in ihrer Mitte leben (vgl. Mt 18, 20). (…)
Bei meinen vielfältigen Begegnungen mit Priestern erwachte in mir der starke Wunsch, ihnen zu einem Haus zu verhelfen, zu einem Ort, an dem sie als Familie leben könnten. Denn ich bin überzeugt, wer kein Zuhause hat oder einen Ort, wo er mit andern als Familie leben kann, wird fast notgedrungen in viele Probleme geraten.
Maria, als besonderes und einzigartiges Geschöpf in die Dreifaltigkeit eingefügt, war ganz Wort Gottes, war bekleidet mit dem Wort Gottes (vgl. Lk 2, 19. 51). Und wenn das Verbum, das Wort der Glanz des Vaters ist, so war ihrerseits Maria, deren Wesen durchdrungen war vom Wort Gottes, von unvergleichlicher Schönheit. (…)
Im Übrigen spricht beispielsweise das Magnifikat (vgl. Lk 1, 46-55) davon, dass Maria ganz Wort Gottes war, denn seine Originalität besteht in der Aneinanderreihung von Schriftworten. (…)
Der heilige Maximus von Turin sagt: “Die Bundeslade bewahrte in ihrem Innern das Gesetz Gottes, Maria trug das Evangelium in sich… der Bundeslade entströmte die Stimme Gottes, Maria trug das Verbum in sich, das Fleisch gewordene Wort.“
Die Originalität von Maria – die sie mit der ihr eigenen Vollkommenheit lebte – war genau das, was jeden Christen ausmachen sollte: Christus, die Wahrheit, das Wort mit der eigenen von Gott erhaltenen Persönlichkeit neu zum Leuchten bringen.
Wie die Blätter eines Baumes alle gleich und doch unterschieden sind, so sind alle Christen – wie im Übrigen auch alle Menschen – gleich und doch verschieden. Jeder nämlich nimmt in seiner Person die gesamte Schöpfung in sich auf. Und weil jeder „eine eigene Schöpfung“ ist, ist er den andern gleich und doch von ihnen unterschieden.
Jungfräuliche Frauen und Männer sind für heutige und zukünftige Gläubige ein wunderbares Beispiel der Tugend. Wenn jedoch die Werke fehlen, nützt der Stand wenig, um ins Reich Gottes zu gelangen. Denn nur wer tatsächlich treu bleibt, kann sich retten, im Gegensatz zu dem, der nur behauptet, treu zu sein, mit seinen Werken aber etwas anderes bezeugt.
Lasst euch nicht durch unvernünftige Reden verführen (Eph 5, 6): wer von sich sagt, er lebe jungfräulich, hat nicht allein damit die Erlösung erreicht. Er muss aus seiner Jungfräulichkeit heraus fruchtbare und lobenswerte Werke tun. Im Evangelium nennt der Herr die Jungfrauen töricht, denen Öl und Licht fehlen. Sie bleiben vom Himmelreich ausgeschlossen, nehmen nicht an der Freude des Bräutigams teil und werden zu seinen Feinden gerechnet. Deshalb soll jeder, der vor dem Herrn Keuschheit gelobt hat, sich mit den heiligsten und göttlichsten Tugenden bekleiden.
Hören wir, ob das Wort, das seinerzeit dem Apostel Paulus galt, auch für mich Anwendung findet: „Ich will ihm zeigen, was er um meines Namens willen zu leiden hat“ (Apg 9,16). In den Sendungsstrom hineingezogen werden heißt selbstverständlich auch für uns in den Leidensstrom des Gottmenschen hineingezogen werden.
In den Sendungsstrom hineingezogen werden heißt auch in den großen Arbeitsstrom hineingezogen werden. Lesen Sie in der Heiligen Schrift nach, wie verpflichtend diese Sendung für die Apostel gewesen ist. Sie durften die Hände nicht in den Schoß legen. Sie mussten arbeiten!
Schon die verschiedenen Ausdrücke, die verschiedenen Formulierungen für das Apostelamt, für das Missionarsamt weisen nachdrücklich darauf hin: Streiter Christi, miles Christi (2 Tim 2,3), Arbeiter im Weinberg des Herrn (Mt 20,1-16), Menschenfischer (Mt 4,19; Mk 1,17) ... Wenn wir gesandt sind, müssen wir also ernste Arbeit leisten, Arbeit an den unsterblichen Seelen, auch wenn wir selbst dabei zugrunde gehen. Wir dürfen uns nicht selbst suchen.
«Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern wandelt euch und erneuert euer Denken, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: was ihm gefällt, was gut und vollkommen ist.” [Röm 12,2] Lasst euch nicht so sehr von den Schemata der gegenwärtigen Kultur beeindrucken, sondern von der Sehnsucht und dem Schrei des suchenden Menschen, weniger von seinen Beteuerungen, mit denen er glauben machen möchte, dass er „über“ den Dingen steht, die ihn eigentlich quälen. Gebt euch nicht mit den Antworten unserer Zeit zufrieden, sondern unterzieht euch einer ständigen der Neuheit sich verdankenden Metamorphose, deren Schwerpunkt also in dem liegt, was sich beständig neu ereignet.
Wandelt euch, indem ihr euer Maß für die Dinge, eure Urteilskriterien und euer Gewissen erneuert, um so den Willen Gottes zu unterscheiden, um so den input zu spüren, den Gott in seinem Geheimnis jedem eurer Augenblicke verleiht, sowie den Wind im Rücken und die Bewegtheit des Herzens zu fühlen, die euch das Gott durch das Wirken Seines Geistes gibt. Denn so werdet ihr in euch wahrnehmen und dem zustimmen, was wahrhaft gut ist, dem Sein wohlgefällig, vollkommen und Seinem wahren Bild entsprechend.
Die Laien könnten meinen, wenn sie sich an den Gestalten von Priestern und Heiligen vergangener Zeiten orientierten, Heiligkeit bestünde darin, voll Eifer zu beten, zu predigen oder gar sich aus der Welt zurückzuziehen. Es gibt heute Priester und Ordensleute, die die Heiligkeit an sozialer oder politischer Aktivität festmachen. Sie möchten es mit den Laien aufnehmen und schon geraten sie in das reinste Chaos!
Denn die Welt kann nicht neu werden, solange wir die Heiligkeit als etwas betrachten, das von den Aufgaben und Pflichten des eigenen Standes unterschieden ist.
Darum gilt: Der Arbeiter wird an seinem Arbeitsplatz heilig werden und der Soldat auf dem Schlachtfeld, der Patient heiligt sich im Krankenhaus, der Student durch das Studium, der Landwirt auf seinem Hof, der Priester in seinem Dienst und der Beamte in seiner Amtsstube. Die Schritte auf dem Weg zur Heiligkeit sind gleichzeitig die Opferschritte, welche uns unsere Pflichten abverlangen.
Erst recht können sich Priester, die von den überaus zahlreichen Verpflichtungen ihres Amtes hin und her gerissen werden, mit bangem Herzen fragen, wie sie mit ihrer äußeren Tätigkeit noch das innere Leben in Einklang zu bringen vermögen. Zur Erzielung solcher Lebenseinheit genügt weder eine rein äußere Ordnung der Amtsgeschäfte noch die bloße Pflege der Frömmigkeitsübungen, sosehr diese auch dazu beitragen mögen. Die Priester können sie daher erreichen, wenn sie in der Ausübung ihres Amtes dem Beispiel Christi des Herrn folgen, dessen Speise es war, den Willen dessen zu tun, der ihn gesandt hatte, um sein Werk zu vollenden (…).
Um die Einheit ihres Lebens auch konkret wahr zu machen, müssen sich die Priester all ihr Tun und Lassen vor Augen halten und prüfen, was Gottes Wille ist.
Erschreckt euch nicht vor dem Bündel, das ihr zu tragen habt. Unser Herr hilft euch dabei. Der gute Gott weiß, was er tut. Wenn er einer jungen Mutter viele Kinder schenkt, traut er ihr deren Erziehung zu. Er spricht ihr damit sein Vertrauen aus. Bemüht euch darum, dass sich eure Kinder später an euer Beispiel erinnern und weniger an eure Worte.
Jesus, ich lege meine Schmerzen zu den deinen, ich verbinde mein Leiden mit dem deinen. Gib mir die Gnade, immer mit dem zufrieden zu sein, was du mir zugedacht hast. Ich werde deinen Namen rühmen und dich loben für das, was geschieht.
Jesus hat sich kurz vor seinem Tod an seine Mutter gewandt und ihr mit Blick auf Johannes gesagt: “Frau, dies ist dein Sohn” (Joh 19, 26). Und an Johannes gerichtet: „Dies ist deine Mutter“ (Joh 19, 27). Wir wissen, dass wir Christen in diesem Moment in der Person des Johannes Maria anvertraut wurden. Aber wir können nicht übersehen, dass Johannes ohne Zweifel Priester war. Also lädt Jesus in diesem Moment die Priester ein, ja er gibt ihnen die Weisung, Maria als ihre Mutter zu betrachten und sie bei sich aufzunehmen. (…)
Maria gehört zu den Priestern, sie gehört in deren Haus, daran sollten sie sich immer erinnern. Und wenn sie einmal traurigerweise vergäßen, Maria bei sich aufzunehmen, so wird dennoch Maria den Wunsch ihres sterbenden Sohnes nie vergessen und ihm, über die Jahrhunderte hin, Folge leisten. Maria ist eine echte Hilfe, die Jesus den Priestern für ihren Dienst an der Kirche geschenkt hat.
Es gibt sicherlich Momente und Situationen, die ein rasches Handeln und schnelle Abwicklung erfordern. Doch es gibt auch andere und nicht wenige Umstände, die wir fälschlicherweise als unumgänglich ansehen, in denen wir unserem geistlichen Leben Zeit stehlen. (…)
Es gibt viele Priester, die sich vom Strom der Aktivitäten mitreißen lassen, die sie irrtümlicherweise als ihre Pflichten ansehen, anstatt sie ruhen zu lassen, sie zu vertagen oder zumindest einzuschränken. Schnell gerät man bei der Arbeit in Extreme, die man unbedingt vermeiden sollte. Wichtig ist, dass die Priester ihr Gebetsleben nicht vernachlässigen, weil sie darin immer Licht finden, das ihnen hilft, mit dem Bösen fertig zu werden. Sie sollen Meine Person an die erste Stelle setzen. Das geht nur, wenn sie Ordnung in ihr Arbeitsleben bringen. (…)
Es ist schön, tatsächlich, sich ohne Maß ganz anderen zu schenken, aber nur wenn man seine Seele durch das Wirken des Heiligen Geistes stärkt und von ihm die Reinheit, die Kraft, das Licht und die Liebe empfangen hat.
Wenn einer durch eine Fensterscheibe schaut,
kann er mit den Augen bei sich selbst stehen bleiben.
Oder, wenn er will,
kann er tiefer hinschauen und den Himmel entdecken.
Alles kann an Dir Anteil geben:
Nichts kann so erbärmlich sein,
dass es nicht durch ein „Für Dich“ hell und neu werden könnte.
Wer in diesem Geist einen Dienst tut,
kann die mühsamste Tätigkeit vergöttlichen:
wer ein Haus fegt mit der Absicht, das zu tun, was Du willst,
heiligt die Handlung und das Haus.
Das ist der berühmte Stein der Weisen,
der alles in Gold verwandelt:
Denn das, was Gott berührt und was Ihm gehört,
hat einfach einen besonderen Wert.
Mein Vater,
ich überlasse mich dir:
mach mit mir, was dir gefällt.
Was immer du mit mir machst,
ich danke dir.
Ich bin bereit zu allem,
ich nehme alles an,
wenn nur dein Wille sich erfüllt an mir
und an allen deinen Geschöpfen.
Nichts anderes wünsche ich,
mein Gott.
Ich lege meine Seele in deine Hände,
ich mache sie dir zum Geschenk, mein Gott.
mit der ganzen Liebe meines Herzens,
weil ich dich liebe.
Und es ist für mich ein Bedürfnis der Liebe,
mich dir zu schenken,
mich ohne jedes Maß in deine Hände zu legen,
mit einem unbegrenzten Vertrauen,
denn du bist mein Vater.
Ich bin auch dankbar, dass Sie sagten, es sei nicht so wichtig, was man tut, sondern es sei wichtig, was wir in unserem priesterlichen Dienst sind. Zweifellos müssen wir viele Dinge tun und dürfen der Trägheit nicht nachgeben, aber unser ganzes Bemühen trägt nur dann Frucht, wenn es Ausdruck dessen ist, was wir sind.
Wenn in unserem Tun unser tiefes Einssein mit Christus durchscheint: Werkzeug Christi sein; Mund, durch den Christus spricht; Hand, durch die Christus handelt. Das Sein überzeugt, und das Tun überzeugt nur, so weit es wirklich Frucht und Ausdruck des Seins ist.
Die pastoralen Dienste nehmen uns leicht gefangen und machen es fast unmöglich, uns auf die Dinge mit unbesorgtem Geist einzulassen.
Im Buch Kohelet warnt uns der Gottesgelehrte mit Worten der Weisheit: „Mein Sohn, verliere dich nicht in zu vielen Dingen“. Denn tatsächlich können wir uns den einzelnen Feldern unserer Aufgaben nicht richtig widmen, wenn uns die Sorgen in Beschlag nehmen. Sind diese zu groß, fehlt der Seele die Kraft, die aus der inneren Sammlung erwächst. Wer nur daran interessiert ist, Ordnung zu schaffen und sich dabei selbst vergisst, kann zwar sehr wohl sein Umfeld organisieren, für sich selbst sorgt er aber nicht.
Wenn wir Gott zu unserem Ideal erwählt haben – was uns zur Identität wird – und ihm den ersten Platz eingeräumt haben, hat dies praktisch zur Folge, dass wir auch Seinem Wort und Seinem Willen den ersten Platz in unserem Herzen geben. Sein Wort muss alles in uns übersteigen. Ihm gegenüber sollte alles andere in gewisser Weise indifferent werden, und zwar von jener Indifferenz, wie sie einige Heilige beschreiben. Es darf uns nicht so wichtig sein, ob wir gesund oder krank sind, ob wir studieren oder bedienen, ob wir schlafen oder beten, leben oder sterben. Wichtig ist es, das Wort zu leben und lebendiges Wort zu sein.
In den Evangelien finden wir zwar sehr viele Worte Christi, aber nur drei Worte des Vaters. Umso kostbarer sollten sie uns sein!
In einem Wort steckt ein Rat, der einzige Rat des Vaters an seine Kinder. Mit welch großem, kindlichem Respekt sollten wir ihn uns zu Herzen nehmen, mit welcher Sorgfalt sollten wir ihn umsetzen. Der Ratschlag, in dem das Geheimnis jeder Heiligkeit steckt, ist der einfache Satz: „Auf ihn sollt ihr hören“ (Mt 17, 5). Auf diese Weise stellt uns der Vater seinen geliebten Sohn vor.
Wir gehorchen demnach dem Vater, wenn wir das Gebet pflegen; wie Maria, zu Füßen Christi Platz nehmen um seinem Wort zu folgen, ja um ihm zuzuhören, der uns anspricht. Denn mehr noch als auf seine Worte, sollten wir auf ihn persönlich achten.
Es empfiehlt sich, das Gebet mit der Lektüre einer Seite des Evangeliums zu beginnen. Tun wir dies aber nicht mit der Haltung eines Literaturwissenschaftlers, sondern in der Aufmerksamkeit einer Geliebten, die jenseits der Worte in den Briefen, die sie erhält, das Herz ihres Geliebten schlagen hört.
Hört das Wort nicht nur an, sondern handelt danach; sonst betrügt ihr euch selbst.
Wer das Wort nur hört, aber nicht danach handelt, ist wie ein Mensch, der sein eigenes Gesicht im Spiegel betrachtet: Er betrachtet sich, geht weg und schon hat er vergessen, wie er aussah.
Wer sich aber in das vollkommene Gesetz der Freiheit vertieft und an ihm festhält, wer es nicht nur hört, um es wieder zu vergessen, sondern danach handelt, der wird durch sein Tun selig sein.
Gleich zu Beginn des Neuen Testamentes begegnen wir Maria. Ihr «fiat mihi secundum verbum tuum» (mir geschehe nach deinem Wort) bezeichnet nicht mehr nur eine Verlobung, sondern ein bräutliches Verhältnis. Gott ehelicht Maria und in ihr die Menschheit, die dem Wort und damit dem Willen Gottes gehorcht.
Im bedingungslosen Gehorsam Marias gegenüber dem Wort bleibt das Wort nicht nur auf der Ebene des Hörens. Das Wort wird Fleisch. Es ird unter uns gezeugt und macht uns zu seinen Brüdern und Schwestern.
Die gesamte Tradition der Kirche sieht in dem beispiellosen Ereignis der Menschwerdung des Wortes in Maria ein Modell. Es zeigt auf, was in den einzelnen Christen geschieht: Wenn sie, um Gott zu lieben, seinen Willen tun, bringen sie Christus in sich hervor.
So hoch der Himmel über der Erde ist,
so hoch erhaben sind meine Wege über eure Wege
und meine Gedanken über eure Gedanken.
Denn wie der Regen und der Schnee
vom Himmel fällt und nicht dorthin zurückkehrt,
sondern die Erde tränkt
und sie zum Keimen und Sprossen bringt,
wie er dem Sämann Samen gibt
und Brot zum Essen,
so ist es auch mit dem Wort,
das meinen Mund verlässt:
Es kehrt nicht leer zu mir zurück,
sondern bewirkt, was ich will,
und erreicht all das,
wozu ich es ausgesandt habe.
Die Worte Jesu im Evangelium sind einzigartig, faszinierend, markant, sie lassen sich ins Leben übertragen, sind Licht für jeden Menschen und somit universal.
Wenn wir sie leben, verändert sich alles: die Beziehung zu Gott, zu den Mitmenschen, zu den Feinden.
Diese Worte geben den Werten ihre wahre Bedeutung, denn sie verlangen, alles hintanzustellen, auch den Vater, die Mutter, die Geschwister, den Beruf… um Gott in den Herzen der Menschen an die erste Stelle zu setzen.
Und deshalb enthalten sie außerordentliche Verheißungen: das Hundertfache auf Erden und das ewige Leben.
Die Jünger werden also in Gott hineingezogen, indem sie in das Wort Gottes eingetaucht werden. Das Wort Gottes ist gleichsam das Bad, das sie reinigt, die schöpferische Macht, die sie umformt in Gottes Sein hinein.
Und wie ist es da mit uns? Sind wir wirklich durchtränkt vom Wort Gottes? Ist es wirklich die Nahrung, von der wir leben, mehr als vom Brot und von den Dingen dieser Welt? Kennen wir es wirklich? Lieben wir es? Gehen wir innerlich damit um, so dass es wirklich unser Leben prägt, unser Denken formt?
Oder formt sich unser Denken nicht doch immer wieder aus alledem, was man sagt, was man tut? Sind nicht doch oft genug die herrschenden Meinungen der Maßstab, an dem wir uns messen? Bleiben wir nicht doch in der Oberflächlichkeit all dessen, was sich dem Menschen von heute eben so aufdrängt? Lassen wir uns vom Wort Gottes wirklich inwendig reinigen?
Die urchristlichen Gemeinden haben die Botschaft Jesu genau verstanden. Sie haben diese auf der sozialen Ebene gelebt und sind ein Herz und eine Seele geworden. Sie haben das Geheimnis des dreifaltigen Gottes ins Leben übersetzt, und zwar nicht nur auf das geistliche Leben begrenzt, sondern auch auf die gesellschaftlichen Beziehungen angewandt. So bezeugt beispielsweise die von ihnen gelebte Gütergemeinschaft das, was sie glauben und verkünden. Den Glauben übernehmen, aber nicht nach ihm handeln, ist in ihren Augen eine Lüge, die zum Tod führt: nicht nur in geistlichem Sinn, sondern auch psychologisch und kirchlich. (…)
Für dieses Ziel zu arbeiten, zu leiden und sogar zu sterben bedeutet nicht nur sich auf das Angebot Gottes - sei es für den Einzelnen oder die gesamte Menschheit - einzulassen und zur Erlösung im Jenseits zu gelangen, sondern führt auch zur höchsten Entfaltung der eigenen menschlichen Fähigkeiten (…) und lässt so in gewisser Weise am Abenteuer des Gott-Menschen Jesus teilhaben.
Die Sprachenvielfalt in der Wirklichkeit von Pfingsten, welche die Verkündigung der Apostel auszeichnet, möchte uns auch zu verstehen geben, dass das Evangelium eine universale, katholische Botschaft ist, die in allen Völkern und bei allen Kulturen Lebensausdruck finden kann.
Gerade weil das Evangelium universal ist, kann es auch als eine die Völker einigende Kraft angesehen werden. Es ist die Kraft des Heiligen Geistes, der die Verwirrung von Babel überwindet und zur Einheit führt.
Deshalb konnte das II. Vatikanische Konzil feststellen: „Die Kirche ist ja in Christus gleichsam das Sakrament, das heißt Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit.“ (LG 1) Wir dürfen nie vergessen, dass die Kirche diese Berufung und diesen Auftrag hat.
Der Herr schickt seine Jünger zu zweit mit dem Auftrag, das Evangelium zu verkündigen. Damit will er verdeutlichen, dass es zur Befolgung der beiden Gebote der Liebe, der Liebe zu Gott und der Liebe zum Nächsten, mindestens zwei Personen braucht. Denn genau genommen braucht die Liebe ein Gegenüber, es genügt ihr nicht sich selbst zu lieben.
Dass der Herr die Jünger immer zu zweit losschickt bedeutet in erster Linie jedoch, ohne dass es weiterer Worte bedarf, dass niemand den Predigtdienst übernehmen darf, der seinen Nächsten nicht in Liebe zugetan ist.