Priester in der Fokolar-Bewegung

Impulse zum Priesterjahr

Oktober 2009

1. Oktober 2009 - Meine Berufung liegt in der Liebe

Ich spüre die Berufung des Priesters. Mit wie viel Liebe würde ich dich, Jesus, in meinen Händen halten… und mit wie viel Liebe dich den Menschen weitergeben….

Obwohl ich gern Priester wäre, erfüllt mich die Demut eines Franz von Assisi mit Bewunderung und Neid. Ich spüre die Berufung ihn nachzuahmen und verzichte auf die erhabene Würde des Priestertums. (…)

Den Schlüssel zu meiner Berufung hat mir die Liebe geschenkt. Ich verstand, dass der Kirche, die einen Leib mit vielen Gliedern hat, auch das notwendigste und edelste Organ nicht fehlt. Die Kirche hat ein Herz, das vor Liebe brennt.

Ich erkannte, dass es die Liebe war, welche die Glieder der Kirche handeln ließ. Und würde diese Liebe ersterben, hätten die Apostel das Evangelium nicht mehr predigen und die Märtyrer ihr Blut nicht mehr vergießen können. Die Liebe hatte mit allen Berufungen zu tun, die Liebe war alles…. Trunken vor Freude rief ich aus: O mein geliebter Jesus… endlich habe ich meine Berufung gefunden… Meine Berufung liegt in der Liebe! … Im Herzen der Kirche, die meine Mutter ist, werde ich die Liebe sein!

Theresia von Lisieux

Aus: Harvey Egan, I mistici e la mistica, Città del Vaticano 1995, S. 571-573

2. Oktober 2009 - Jesus “sehen” lassen

»Wir wollen Jesus sehen« (Joh 12,21). Diese Bitte wurde von einigen Griechen, die als Pilger zum Paschafest nach Jerusalem gekommen waren, an den Apostel Philippus gerichtet. In diesem Jubiläumsjahr ist sie auch uns geistig in den Ohren geklungen.

Wie jene Pilger vor zweitausend Jahren, so bitten die Menschen unserer Zeit, wenn auch nicht immer bewusst, die heutigen Gläubigen, nicht nur von Christus zu »reden«, sondern ihnen Christus zu zeigen, ihn gleichsam »sehen« zu lassen. Ist es etwa nicht Aufgabe der Kirche, das Licht Christi in jeder Epoche der Geschichte widerzuspiegeln, sein Antlitz auch vor den Generationen des neuen Jahrtausends erstrahlen zu lassen?

Johannes Paul II.

Aus: Novo millennio ineunte, Nr. 16

3. Oktober 2009 - Gelehrte, die Zeugen sind

Für die Kirche ist das Zeugnis eines echt christlichen Lebens mit seiner Hingabe an Gott in einer Gemeinschaft, die durch nichts zerstört werden darf, und gleichzeitig mit einer Hingabe an den Nächsten in grenzenloser Einsatzbereitschaft der erste Weg der Evangelisierung.

"Der heutige Mensch", so sagten wir kürzlich zu einer Gruppe von Laien, "hört lieber auf Zeugen als auf Gelehrte, und wenn er auf Gelehrte hört, dann deshalb, weil sie Zeugen sind".

Als der hl. Petrus das Bild eines reinen und ehrbaren Lebens zeichnete, brachte er das deutlich zum Ausdruck: "Ohne zu reden, gewannen sie diejenigen, welche sich weigerten, an das Wort zu glauben".

Die Evangelisierung der Welt geschieht also vor allem durch das Verhalten, durch das Leben der Kirche, das heißt durch das gelebte Zeugnis der Treue zu Jesus, dem Herrn, durch das gelebte Zeugnis der Armut und inneren Loslösung und der Freiheit gegenüber den Mächten dieser Welt - kurz, der Heiligkeit.

Paul VI.

Aus: Evangelii nuntiandi, Nr. 41

4. Oktober 2009 - Den Sohn Gottes in ihnen erkennen

Der Herr verlieh mir auch bis heute einen solchen Glauben im Hinblick auf die Priester, die nach der Form der heiligen römischen Kirche leben, und zwar um ihrer Weihe willen, dass ich mich an sie halten will, selbst wenn sie mich verfolgen würden.

Und hätte ich so viel Weisheit wie Salomo und fände ärmliche Weltpriester in den Pfarreien, wo sie sich aufhalten, ich wollte nicht gegen ihren Willen predigen.

Sie und alle anderen will ich fürchten, lieben und ehren wie meine Herren. Ich will nicht auf Sünde bei ihnen achten, weil ich den Sohn Gottes in ihnen erkenne und weil sie meine Herren sind. Das tue ich, weil ich hier auf der Welt mit leiblichem Sinne nichts von dem Sohne des allerhöchsten Gottes sehe als seinen heiligsten Leib und sein heiligstes Blut, das sie, die Priester, empfangen und allein den anderen spenden.

Franz von Assisi

Aus: Testamento, in Fonti francescane, Ed. Francescane, Padova 2004, S. 99-100

5. Oktober 2009 - Jeder ein Vorbild

Der Bauer, der seinen Acker bestellt und dabei immer wieder sein Herz zu Gott erhebt, der Schreinermeister, der Schmied, der Büroangestellte, der Intellektuelle - jeder Christ muss seinen Berufskollegen ein Vorbild sein; aber nicht etwa aus Stolz, wissen wir doch ganz genau, dass der Sieg nur mit Christus möglich ist: ohne Ihn, allein, vermögen wir nicht einmal einen Strohhalm vom Boden aufzuheben (Vgl. Joh 15,5).

Deshalb halte sich jeder verpflichtet, mit der Aufgabe, die er hat, und an dem Platz, den er in der Gesellschaft einnimmt, das Werk Gottes zu tun, das überall den Samen des Friedens und der Freude Christi ausstreut:

„Der vollkommene Christ strahlt immer Gelassenheit und Freude aus. Gelassenheit, weil er sich in der Gegenwart Gottes weiß; Freude, weil er sich von Gottes Wohltaten umgeben sieht. Ein solcher Christ ist wahrhaft eine königliche Erscheinung, ein heiliger Priester Gottes“ (Clemens von Alexandrien).

Josemaría Escrivá De Balaguer

Aus: Homilie vom 6. Februar 1960 in: Freunde Gottes, Textabschnitt 70 (Onlineversion)

6. Oktober 2009 - Wir sprechen, weil wir gefunden haben

Wir wissen alle, wie schwer es für einen jungen Menschen von heute ist, als Christ zu leben. Das kulturelle Umfeld, die Medien bieten alles andere an als den Weg zu Christus. Dieses Umfeld scheint es wirklich unmöglich zu machen, Christus als den Mittelpunkt des Lebens zu betrachten und das Leben so zu leben, wie Christus es uns zeigt. Es scheint mir jedoch auch, dass viele immer mehr die Unzulänglichkeit all dieser Angebote verspüren, dieses Lebensstils, der am Ende Leere hinterlässt. (…)

Die jungen Menschen müssen spüren, dass wir nicht über etwas sprechen, was wir nicht selbst leben, sondern dass wir darüber sprechen, weil wir die Wahrheit als Wahrheit für unser Leben gefunden haben und sie jeden Tag aufs Neue zu finden versuchen. Nur wenn wir auf diesem Weg sind, wenn wir versuchen, uns selbst an dieses Leben anzugleichen und unser Leben dem des Herrn anzugleichen, dann können auch die Worte glaubwürdig sein und eine sichtbare und überzeugende Logik besitzen.

Benedikt XVI.

Aus: An den Klerus der Diözese Rom, 7. Februar 2008

7. Oktober 2009 - Mitreißende Schönheit des Evangeliums

Es reicht nicht, dass wir die Hässlichkeiten unserer Welt beklagen und anprangern. Es reicht auch nicht, in unserer nüchternen Zeit von Gerechtigkeit, Pflichten, Allgemeinwohl, Pastoralprogrammen und Forderungen des Evangeliums zu sprechen.

Wenn wir das Wort ergreifen zu den Angelegenheiten dieser Welt, geht dies nur mit einem Herzen voller Mitleid und aus der Erfahrung einer Liebe, die mit Freuden gibt und Begeisterung entfacht. Lasst uns die Schönheit dessen ausstrahlen, was im Leben wahr und gut ist! Denn nur diese Schönheit wird die Herzen ergreifen und auf Gott ausrichten.

Kardinal Martini

Aus: Lettera Pastorale 1999-2000, Milano 1999, S. 12-13

8. Oktober 2009 - Gegenmittel zum Klerikalismus

Der Klerikalismus ist eine – von Jesus ganz klar gerügte – Deformation, der alle ‚Profis’ im religiösen Bereich erliegen können. Das zeigt sich beim dem, der sich für besser hält oder für andere predigt, ohne sich für sie wirklich einzusetzen oder nach Privilegien oder Auszeichnungen strebt. Diese menschlichen Schwächen finden sich in allen sozialen Bezügen und sind damit auch im religiösen Bereich unvermeidlich.

Es muss nicht unsere Sorge sein, ob wir antiklerikal oder antilaikal sind. Es geht darum, alles daran zu setzen, dass Jesus in uns lebt und somit immer mehr anzustreben, was Paulus von sich sagt: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir“ (Gal 2, 20). Das ist das beste Gegenmittel zum Klerikalismus.

Pasquale Foresi

Aus: Colloqui. Risposte sulla spiritualità dell’unità, Città Nuova, Roma 2009, S. 73

9. Oktober 2009 - “Stimme” des Wortes sein

Die christliche Verkündigung proklamiert nicht »Worte«, sondern »das Wort«, und die Verkündigung fällt mit der Person Christi selbst zusammen. (…)

Ein echter Dienst am Wort erfordert also von Seiten des Priesters, dass er nach einer vertieften Selbstverleugnung strebt, bis er mit dem Apostel sagen kann: »Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir« (Gal 2,20). Der Priester darf sich nicht als »Herr« des Wortes sehen, sondern als dessen Diener. Er ist nicht das Wort, sondern er ist »Stimme« des Wortes, wie Johannes der Täufer. (…)

»Stimme« des Wortes zu sein (…) setzt ein wesentliches »Sich-Verlieren« in Christus voraus, indem der Priester an seinem Geheimnis des Todes und der Auferstehung mit seinem ganzen Ich teilnimmt: mit Verstand, Freiheit, Wille und dem Opfer seines Leibes als lebendigem Opfer (vgl. Röm 12,1–2). Allein die Teilhabe am Opfer Christi, an seiner »kenosis«, macht die Verkündigung echt!

Benedikt XVI.

Aus: Generalaudienz, 24. Juni 2009

10. Oktober 2009 - Sich heiligen, um zur Heiligkeit zu führen

Johannes Maria Vianney heiligte sich selbst, um besser befähigt zu sein, andere zur Heiligkeit zu führen. Die Bekehrung bleibt immer das Geheimnis des Herzens, das sich frei entscheidet und das Geheimnis Gottes mit seiner Gnade.

Durch seinen Dienst kann der Priester den Menschen Licht geben, er kann ihnen das Sakrament der Versöhnung und die andern Sakramente schenken. Obwohl in den Sakramenten immer Christus selbst wirkt, ungeachtet der Unvollkommenheit oder der Unwürdigkeit des Spenders, hängt das Ergebnis doch auch von der Einstellung dessen ab, der sie empfängt. Diese wiederum profitiert in hohem Maße von der persönlichen Heiligkeit des Priesters, von seinem gültigen Zeugnis sowie vom geheimnisvollen Austausch der Verdienste in der Gemeinschaft der Heiligen.

Paulus sagte: „Für den Leib Christi, die Kirche, ergänze ich in meinem irdischen Leben das, was an den Leiden Christi noch fehlt“ (Col 1, 24). Johannes Maria Vianney wollte Gott nicht nur durch sein Gebet, sondern auch durch das Opfer seines Lebens die Gnaden der Bekehrung quasi entreißen.

Johannes Paul II.

Aus: Brief an die Priester über den Pfarrer von Ars, 16. März 1986

11. Oktober 2009 - Für alle verständlich

Manch einer mag sagen: Ich habe kein Gedächtnis und keine Redekunst, um das Wort Gottes zu verkündigen. Ich befürchte, dass diese Ausrede beim fürchterlichen Gericht nicht greifen wird, denn wir wissen genau, dass unser Herr weder Professoren noch Rektoren gewählt hat, um sein Wort zu bringen, sondern ungebildete Fischer sowie arme und verachtete Herdenführer.

Ist ein Priester möglicherweise mit einer kunstvollen, öffentlich geschätzten und überreichen Sprechfähigkeit begabt, dann ist diese in der Kirche fehl am Platz, weil nicht die gesamte Herde des Herrn seiner Mahnung folgen können wird und seine Rede mit knapper Not einen kleinen Kreis gebildeter Personen erreichen wird.

Die Bischöfe mögen also in einfacher und allgemein verständlicher Sprache predigen, damit alle sie verstehen und sie das Wort des Apostels beherzigen: „Ich bin allen alles geworden, um alle zu gewinnen“. Ebenso gelte der heilige und kluge Rat des seligen Hieronymus: “Der Priester bemühe sich in der Predigt mehr um Bußfertigkeit als um Beifall”.

Caesarius von Arles

Aus: Sermones 1, 15

12. Oktober 2009 - Mit “treffsicheren” Worten

Es ist wichtig, die Länge der Predigt zu berücksichtigen. Der Zuhörer, der keine langen Reden mag, wird sich langweilen, wenn wir Ermahnungen oder Vorhaltungen zu sehr in die Länge ziehen. Unser berühmte Prediger wendet sich an die Hebräer mit den Worten: „Schließlich bitte ich euch, Brüder, nehmt diese Mahnrede bereitwillig an; ich habe euch ja nur kurz geschrieben.“

Gerade für Schwächere ist wichtig, dass sie nur wenige Worte hören, die sie verstehen und ihr Herz zur Reue bewegen. Denn wenn sie eine lange, komplizierte Mahnrede zu hören bekommen, werden sie, unfähig sie zu behalten, keinen Gewinn daraus ziehen und alles vergessen.

Gregor der Große

Aus: Homilie zu Ezechiel I, 11, 16-17

13. Oktober 2009 - Kraftvolle Worte

Im Allgemeinen sehen wir, sofern wir uns hier ein Urteil bilden können, dass die Frucht, die der Prediger hervorbringt, um so ansehnlicher ist, je besser sein Leben ist, mögen sein Stil noch so unzulänglich, seine Redekunst noch so gering und seine Gelehrsamkeit noch so mäßig sein, denn die Wärme entzündet sich am lebendigen Geist; der andere aber wird sehr wenig Nutzen bringen, selbst wenn sein Stil und seine Gelehrsamkeit noch so erhaben sind.

Denn auch wenn es stimmt, dass der gute Stil und die Gestik, erhabene Lehre und gepflegte Sprache mitreißen und, vom guten Geist begleitet, mehr Wirkung erzielen, so wird doch ohne diesen dem Willen sehr wenig oder gar keine Saft verliehen, da er im Allgemeinen genauso nachlässig und kraftlos bleibt wie vorher, um ans Werk zu gehen, selbst wenn die Predigt dem Verstand Geschmack und Wohlgefühl verleiht, und das, obwohl der Prediger wunderbare Dinge wunderbar formuliert haben mag, die nur dazu dienen, das Ohr zu erfreuen wie Konzertmusik oder Glockengeläute. Der Geist aber erhebt sich nicht mehr als vorher aus den Angeln, wie ich sage, da die Stimme nicht die Kraft hat, den Toten aus seinem Grab aufzuerwecken.

Johannes vom Kreuz

Aus: Aufstieg zum Berg Karmel, Drittes Buch, Kapitel 45, 4

14. Oktober 2009 - Beifall, den ich ersehne

Ihr lobt mich für meine Worte? Ich brauche weder Beifall noch laute Zustimmung. Nur eines möchte ich: Dass ihr mir ruhig und aufmerksam zuhört und dann umsetzt, was ich gesagt habe. Das sind für mich Beifall und Lob, wie ich sie ersehne.

Wenn ihr aber die zugesprochenen Worte lediglich lobt ohne sie zu befolgen, wird euch ein strengeres Urteil treffen und ihr werdet schlimmere Qual erleiden, während wir verlacht und mit Scham überhäuft werden.

Ihr seid hier weder im Theater noch habt ihr Schauleute vor euch, denen es Beifall zu spenden gilt. Es geht um ein geistliches Lehramt und eine Schule der Heiligkeit, die nur eines verlangen: umsetzen, was ihr hört und mit Werken bezeugen, dass ihr folgt. Nur so ernte ich wahren Lohn. Bisher aber sehe ich mich der Verzweiflung nahe.

Johannes Chrysostomos

Aus: Kommentar zum Mathäus-Evangelium, Homilie 17, 7

15. Oktober 2009 - Der vorrangige Dienst

Mit Sicherheit ist die Evangelisierung der vorrangige und wichtigste Dienst, den die Kirche heute konkret für die Menschen leisten kann. Sie richtet sich an alle Menschen, auch an diejenigen, die dem Konsum, dem Hedonismus oder Materialismus verfallen sind, die Normen ablehnen oder Gleichgültigkeit vorschieben. Die schnörkellose Verkündigung des Evangeliums hat, unabhängig von der jeweiligen Situation, eine ihr eigene Kraft und wird diese auch in Zukunft behalten, unter der Voraussetzung, dass sie sich so sehr wie möglich der Kultur einfügt und die konkreten Umstände berücksichtigt. (…)

“Wir können nicht schweigen” (Apg 4, 10) sagten Petrus und Johannes vor dem Hohen Rat. Auch wir, die Hirten von heute, können nicht schweigen. An uns liegt es, die mutige Verkündigung kraftvoll weiterzuführen, ohne Widerstände zu befürchten, egal woher sie kommen. Auf diese Weise sind wir Jesus Christus treu und leisten dem heutigen, postmodernen, urbanisierten und globalisierten Menschen einen unersetzlichen Dienst. Denn heute wie immer sucht er nach einem konkreten Sinn seiner Existenz.

Kardinal Hummes

Aus: Sempre discepoli di Cristo, San Paolo, Milano 2002, S. 73.159

16. Oktober 2009 - Auf die verborgene Sehnsucht antworten

Denn es gibt auch in der modernen säkularisierten Stadt, auf ihren Straßen und Plätzen - wo Unglaube und Gleichgültigkeit vorzuherrschen scheinen, wo das Böse über das Gute zu siegen scheint und so der Eindruck eines Sieges von Babylon über Jerusalem entsteht - eine verborgene Sehnsucht, eine aufkeimende Hoffnung, ein erwartungsvolles Beben. So wie im Buch des Propheten Amos zu lesen ist: „Seht, es kommen Tage, da schicke ich den Hunger ins Land, nicht den Hunger nach Brot, nicht Durst nach Wasser, sondern nach einem Wort des Herrn“ (8, 11).

Auf diesen Hunger will der Evangelisierungsauftrag der Kirche antworten. Auch die zögernden Apostel ruft der Auferstandene auf, die schützenden Grenzen ihres Horizonts zu verlassen: „Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern ... und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe“ (Mt 28, 19-20). Die Bibel ist überall durchsetzt mit Aufrufen, “nicht zu schweigen”, “kraftvoll zu rufen” und “das Wort gelegen oder ungelegen zu verkünden”, Wächter zu sein, die das Schweigen der Gleichgültigkeit zerreißen.

Aus: Botschaft der Bischofssynode 2008, Nr. 10

17. Oktober 2009 - Ins Herz der Realitäten

Regionen, Nationen und soziale Kategorien haben ihre je eigenen Apostel gehabt. Ich, Herr, möchte in aller Bescheidenheit der Apostel und (falls man das so sagen kann) der Evangelist deines kosmischen Christus sein. Ich möchte mit Betrachtungen, mit Worten und mit meiner gesamten Lebensführung die kontinuierlichen Beziehungen aufzeigen und verkündigen, welche den Kosmos, in dem wir uns bewegen, zu einem Umfeld machen, das durch die Inkarnation vergöttlicht worden ist, das durch die eucharistische Kommunion vergöttlicht und durch unsere Kooperation weiter vergöttlicht wird. Christus kraft eigentlich organischer Beziehungen in das Herz der Realitäten bringen, die für gefährlich, rein naturwissenschaftlich, ja heidnisch gehalten werden, das ist mein Evangelium und mein Auftrag.

Teilhard de Chardin

Aus: Il Sacerdote, Queriniana, Brescia 1991, S. 36-37

18. Oktober 2009 - Fruchtbarer Boden

Keiner unserer wahren Missionare hat sich je in die Mission begeben ohne vorher das Geheimnis der göttlichen Erlösung betrachtend vertieft zu haben. So wie die Erlösung ohne das Kreuz Jesu nicht möglich war, so wird sie auch weiter ohne Kreuz und Leiden seiner Apostel keine Wirkkraft in den Seelen entfalten können.

In diesem Punkt sollten wir dieselbe Gesinnung wie unser Herr haben, wenn wir seine authentischen und aufrichtigen Missionare sein wollen. „Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht: (…) er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz zur Ehre Gottes, des Vaters“ (Phil 2, 5.8). (…)

Kinder werden unter Schmerzen geboren. Jesus hat uns durch seinen Tod am Kreuz zum ewigen Leben geboren. Am Fuße des Kreuzes wurde uns Maria zur Mutter. In der übernatürlichen Ordnung sind Schmerzen und oft auch der Tod fruchtbarer Boden.

Seliger Paul Manna

Aus: Virtù apostoliche, Bologna 1997, S. 223-224

19. Oktober 2009 - Soziales Paradox

Im Unterschied zu andern lebt der Priester bei den Menschen als ein Geopferter, der allen gehört: ein öffentlicher Sklave, der Allgemeinheit zum Gebrauch. (…)

Er verkörpert das soziale Paradox des Christentums, wo der Niedrigste der Höchste ist und wer die größte Macht hat, am meisten dient.

Igino Giordani

Aus: Cattolicità, Morcelliana, Brescia 1938, S. 216

20. Oktober 2009 - Boden für die Brüder und Schwestern

Wer sich auf den Moment der Weihe vorbereitet, legt sich der Länge nach hin und berührt mit seiner Stirn den Boden des Gotteshauses. Damit drückt er aus, dass er bereit ist, sich auf den Dienst einzulassen, der ihm anvertraut wird. Dieser Ritus hat meine priesterliche Existenz stark geprägt. Als ich Jahre später in St. Peter in Rom – das Konzil hatte gerade begonnen – an diesen Moment der Priesterweihe zurückdachte, machte ich ein Gedicht, das ich in Auszügen wiedergeben möchte: „Das bist du, Petrus. Du möchtest der Boden sein, auf dem die andern gehen können…. damit sie dorthin gelangen, wo du ihre Schritte lenkst… Du möchtest derjenige sein, der hilft, die Schritte fest zu machen“.

Als ich den tiefen Sinn dieser liturgischen Prostration unterstrich, dachte ich sowohl an Petrus als auch an die gesamte Wirklichkeit des priesterlichen Dienstes. Wenn der Weihekandidat in Form eines Kreuzes ausgebreitet auf der Erde liegt, tut er dies, um – wie Petrus – das Kreuz Christi aufzunehmen. Er macht sich wie der Apostel zum Boden für die Brüder und Schwestern. Darin liegt der tiefste Sinn jeder priesterlichen Spiritualität.

Johannes Paul. II

Aus: Dono e mistero, Libreria Editrice Vaticana, Città del Vaticano 1996, S. 53-54

21. Oktober 2009 - Koste es, was es wolle

Heiligste Dreifaltigkeit, Vater, Sohn und Heiliger Geist, ein Gott im Wesen und dreifaltig in den Personen, mein Ursprung und mein letztes Ziel, ich elender Sünder, ergriffen von den erhabensten Gefühlen der Anbetung, der Dankbarkeit und der Liebe für deine unendliche Güte, die ich durch eine unschätzbare Gnade habe erfahren dürfen und gleichzeitig in meinem Innersten tief bewegt (…) über der vielen Brüder und Schwestern, die das Licht deines Wortes noch nicht kennen, habe ich beschlossen, mich mit deiner Hilfe und ohne irgendein Opfer, eine Anstrengung oder eine Unannehmlichkeit zu scheuen, mich auch mit meinem Leben dafür einzusetzen, dass diese Menschen gerettet werden, für die auch das göttliche Blut vergossen wurde.

Selig der Tag, an dem mir gewährt wird, für ein derart heiliges und frommes Anliegen große Leiden zu ertragen. Aber noch seliger jener Tag, an dem ich für würdig befunden würde, dafür mein Blut zu vergießen und unter Qualen den Tod zu finden!

Johannes Mazzucconi, Märtyrer

Aus: Pregare per essere apostoli, Pime, Roma 1994, S. 150-151

22. Oktober 2009 - Meine schönste Kathedrale

Während meiner Reise in den Norden Vietnams war ich dreimal mit einem Nicht-Katholiken, einem Parlamentarier, zusammengekettet, der als buddhistischer Fundamentalist bekannt war. Die Nähe im gleichen Schicksal beeinflusste sein Herz (…); wir sind Freunde geworden. Auf dem Schiff habe ich Gelegenheit gehabt, mit den verschiedensten Menschen einen Dialog aufzunehmen: mit Ministern, Parlamentariern, hohen militärischen und zivilen Autoritäten und mit maßgeblichen religiösen Vertretern (…).

Im Lager wurde ich zum Ökonomen gewählt, um allen zu dienen, das Essen zu verteilen, heißes Wasser zu besorgen und auf den Schultern die Kohle herbei zu schleppen, die nachts zum Heizen gebraucht wurde, denn die andern betrachteten mich als Mann des Vertrauens.

Der vor den Mauern Jerusalems gekreuzigte Jesus hatte mir bei der Abreise von Saigon zu verstehen gegeben, dass ich mich auf eine neue Form der Evangelisierung einstellen musste, nicht mehr als Bischof einer Diözese, sondern extra portam, als Missionar ad extra (…). Im Dunkel des Glaubens, im Dienst, in der Demütigung, änderte das Licht der Hoffnung meine Sichtweise: Mittlerweile war dieses Schiff, dieses Gefängnis, meine schönste Kathedrale.

Kardinal François-Xavier Nguyen Van Thuan

Aus: Hoffnung, die uns trägt: Die Exerzitien des Papstes, Herder, Freiburg, 5. Auflage, 2002, S. 84-85

23. Oktober 2009 - Christus, Hirte der Menschheit

Der Klerus hat naturgemäß die Neigung, sich die Kirche unter dem Bild einer Pfarrei oder eines Sprengels vorzustellen, als eine irgendwie überblickbare Herde, an der er seine Funktionen ausüben kann. Dieses in sich saturierte Zueinander von Seelsorgern und Seelbesorgten erscheint als die ideale, ja vielleicht schon als die reale Präfiguration des „einen Hirten und der einen Herde“, wobei übersehen wird, dass der „eine Hirte“ nicht der Papst, sondern Christus ist und die „eine Herde“ nicht die Schäflein im Kirchenraum, sondern die Menschheit im Ganzen.

Dieses verkürzende Bild kann sich in verschiedener Richtung unheilvoll auswirken, vor allem darin, dass die Offenheit der Kirche zur Welt, der Missionscharakter der Kirche, überall wo sie ist, verwischt wird.

Hans Urs von Balthasar

Aus: Sponsa Verbi, Einsiedeln 1961, S. 428

24. Oktober 2009 - Universale Solidarität

Die Aufforderung Christi sich “dem andern” (…) zu öffnen, beinhaltet, dass der Radius der Beziehungsaufnahme immer konkreter und universaler wird. Sie hat den Einzelnen im Blick und richtet sich zugleich an alle. Der Maßstab für diese Öffnung ist nicht nur – und nicht so sehr – die Nähe zum andern, sondern die Wahrnehmung seiner Nöte: ich hatte Hunger, ich hatte Durst, ich war nackt, im Gefängnis, krank….

Wir folgen dieser Aufforderung, indem wir die Leidenden suchen und ihnen sogar über die Grenzen der Staaten und Kontinente hinaus folgen. So wächst – mit dem Herzblut eines jeden von uns – menschliche Solidarität mit universaler Dimension.

Die Kirche hat den Auftrag, an dieser Dimension festzuhalten und sich nicht auf einige Grenzen oder auf wenige politische Systeme zu beschränken. Die weltweite menschliche Solidarität muss mit den Leidenden gelebt und mit Blick auf Christus, der die Dimensionen der Solidarität mit den Menschen ein für alle Mal festgeschrieben hat, hochgehalten werden. „Denn die Liebe Christi drängt uns, da wir erkannt haben: Einer ist für alle gestorben, also sind alle gestorben. Er ist aber für alle gestorben, damit die Lebenden nicht mehr für sich leben, sondern für den, der für sie starb und auferweckt wurde“ (2 Kor 5,14 - 15).

Johannes Paul II.

Aus: Generalaudienz vom 4. April 1979

25. Oktober 2009 - Freundschaft mit den Armen

Die Kirche ist angesichts der “unerträglichen sozialen und wirtschaftlichen Ungleichheiten”, die “zum Himmel schreien” zur “Anwältin der Gerechtigkeit und der Armen” bestellt. (…)

[Die Option für die vorrangige Liebe zu den Armen] bedeutet, dass sie all unsere pastoralen Prioritäten und Strukturen durchziehen soll. Die Kirche ist berufen, Sakrament der Liebe, der Solidarität und der Gerechtigkeit (…) zu sein.

Notwendig ist ein Verhalten, das an konkreten Entscheidungen und Gesten erkennbar wird und von jeder paternalistischen Einstellung frei ist.

Gefordert ist von uns, dass wir den Armen Zeit widmen, uns ihnen liebevoll zuwenden, ihnen aufmerksam zuhören und ihnen in schwierigsten Momenten beistehen. So entscheiden wir uns für sie (…) und suchen zusammen mit ihnen ihre Lage zu ändern.

Nur wenn wir den Armen so nahe kommen, dass Freundschaften entstehen, werden wir wahrhaft schätzen lernen, was den Armen von heute wichtig ist, wonach sie sich legitim sehnen und wie sie selbst ihren Glauben leben. (…) Tag für Tag handeln die Armen selbstverantwortlich für die Evangelisierung und die ganzheitliche menschliche Entwicklung.

Konferenz von Aparecida, 2007

Aus: Schlussdokument, Nr. 395-398

26. Oktober 2009 - Die Dramatik der Welt auf sich nehmen

Als Erzbischof von Seoul habe ich mich oft gefragt: „Sind mein Glaube und mein Leben wirklich evangeliumsgemäß?“. Die Antwort tendierte zu „Nein“, vor allem im Hinblick auf die evangelische Armut, die ich als Priester anstreben sollte (…). Manchmal, wenn ich in meinem Büro saß, ertappte ich mich bei dem Gedanken: „Warum kann ich nicht meinen Bischofssitz lassen und einfach mit den Armen leben?“ (…)

Jesus Christus, der mir alles bedeutet, ist als Armer gekommen und hat uns die Liebe Gottes zu den Armen, den Leidenden, den Ausgegrenzten verkündet. Dann ist er am Kreuz gestorben. Er hat weder ein geknicktes Rohr gebrochen noch einen glimmenden Doch ausgelöscht. (…)

Wäre er in unserer Zeit geboren, dann sicherlich unter den Ärmsten in einer Hütte oder in den Favelas.

Von Simone Weil wissen wir, dass sie den gekreuzigten Jesus beneidet hat (…). Sie entstammte einer reichen jüdischen Familie in Paris und träumte von einer menschlicheren Welt, in der ein friedliches Zusammenleben möglich ist. Um das Schicksal der Arbeiter zu teilen, hat sie eine viel versprechende Zukunft aufgegeben. (…) Ich beneide sie, weil sie „hell entflammt“ den Schmerz und die Dramatik der Welt mit all ihren Kräften auf sich genommen hat.

Kardinal Stefan Kim

Aus: Fede e amore del Card. Kim Sou Hwan, Seoul 1997, S. 432-433

27. Oktober 2009 - Miteinander teilen

In seinem ersten Brief schreibt Johannes: “Wenn jemand Vermögen hat und sein Herz vor dem Bruder verschließt, den er in Not sieht, wie kann die Gottesliebe in ihm bleiben?“ (1 Joh 3, 17). Gerade hier beginnt die Liebe. Wenn du noch nicht fähig bist, für deinen Bruder zu sterben, so sei wenigstens in der Lage, ihm an deinen Gütern Anteil zu geben. Die Liebe möge dein Herz rühren und dich zum Handeln bringen, nicht um dich zur Schau zu stellen, sondern weil das in deinem Innern wohnende Mitleid überfließt und dich aufmerksam macht für die Nöte deines Bruders! Wenn du ihm den Überfluss versagst, wie willst du dann dein Leben für ihn geben?

Dein Geld kann dir gestohlen werden und wenn dich nicht die Räuber schon zu Lebzeiten von ihm trennen, dann spätestens der Tod. Was solltest du damit machen? Dein Bruder hungert, er ist in Not: vielleicht ist er in Sorge, weil ihn ein Geldeintreiber bedrängt. Er besitzt nichts, du dagegen hast etwas: er ist dein Bruder, ihr seid gemeinsam erlöst worden, beide zum selben Preis, beide mit dem Blut Christi gerettet: hab Mitleid mit ihm, du, der du Güter dieser Welt dein Eigen nennst.

Augustinus

Aus: Kommentar zu 1 Joh 5, 12

28. Oktober 2009 - Die “Schätze” der Pfarrei

Jede Pfarrei hat ihre Schätze. Die echten Schätze sind die Armen, die Gequälten, die Leidenden, die Kranken und jene, denen der Heilige Geist seine Gaben in besonderem Maß geschenkt hat, sodass ihr Leben dem Leiden und dem Gebet gilt. (…)

Jeder gute Pfarrer sollte diese „Schätze“ hoch bewerten und seelsorgerlich für seinen Dienst und die im anvertrauten Menschen nutzen.

Denken wir insbesondere an die Kranken. In jeder Pfarrei gibt es kranke Menschen. Chronisch Kranke, die wie sich verzehrende Kerzen immer schwächer werden und an ihre Betten gefesselt auf ihre letzte Stunde warten, vorübergehend Kranke, gelegentlich Kranke, usw.

Der Priester wird dem Beispiel seines Meisters Jesus Christus folgend, der Arme und Kranke bevorzugt hat, diese Pfarrkinder besonders beachten: „Ich war krank, und ihr habt mich besucht“.

Don Alberione

Aus: Don Alberione ai sacerdoti, Vita pastorale (Supplement) 1996, S. 101

29. Oktober 2009 - Wie dich selbst

Jedes Wort Gottes ist das Mindest- und zugleich das Höchstmaß dessen, was Gott von uns fordert. Wenn wir also lesen: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (Mt 19 ,19), so ist dies das Höchstmaß des Gebotes der Bruderliebe.

Der Nächste ist ein anderes Du selbst, und als solches musst du ihn lieben.

Wenn er weint, wirst du mit ihm weinen; wenn er lacht, wirst du mit ihm lachen; wenn er unwissend ist, trittst du nicht als Besserwisser auf; wenn er seinen Vater verloren hat, wirst du dich mit ihm einsmachen in seinem Schmerz.

Der andere und wir selbst, wird sind alle Glieder am Leib Christi. Ob das eine oder das andere Glied leidet, ist für uns das gleiche. Denn was für uns zählt, ist Gott, und Gott ist uns allen Vater.

Suchen wir keine Ausflucht, um nicht lieben zu müssen! Jeder, der uns begegnet, ist für uns der Nächste: ob arm oder reich, ob schön oder nicht, ungebildet oder gelehrt, ein Heiliger oder ein Sünder, ein Landsmann oder Ausländer, Priester oder Laie – jeder.

Versuchen wir den zu lieben, der uns im gegenwärtigen Augenblick des Lebens begegnet. Wir werden merken, dass neue, ungeahnte Kräfte in uns erwachen. Unser Leben bekommt dadurch Geschmack und Farbe, und die tausend Fragen, die uns bewegen, finden eine Antwort.

Chiara Lubich

Aus: Alle sollen eins sein, München, 2.Auflage, 1999, S. 158 f.

30. Oktober 2009 - Herrschaft entstellt

Die Kategorie, die dem Priestertum entspricht, ist nicht die Herrschaft. Es hat im Gegenteil Durchlass und Vergegenwärtigung eines Anfangs zu sein und sich dafür zur Verfügung zu stellen. Wenn sich Priestertum, Bischofsamt, Papstamt wesentlich als Herrschaft verstehen, dann ist das wirklich verdreht und entstellt.

Wir wissen aus den Evangelien, dass es den Rangstreit der Jünger gab, dass die Versuchung, Jüngerschaft zur Herrschaft zu machen, vom ersten Augenblick an da war und auch immer bleibt.

Es ist daher nicht zu bestreiten, dass es diese Versuchung in jeder Generation, auch in der heutigen, gibt. Zugleich aber gibt es die Geste des Herrn, der den Jüngern die Füße wäscht und sie damit tischfähig für die Tischgemeinschaft mit ihm, mit Gott selber macht. Mit dieser Gebärde sagt er gleichsam: Das meine ich mit Priestertum. Wenn ihr das nicht mögt, dann seid ihr eben keine.

Kardinal Ratzinger

Aus: Salz der Erde, Stuttgart 1996, S.204

31. Oktober 2009 - Die Macht der äußeren Zeichen

Herr, verhelfe uns zu deiner Haltung, für andere immer verfügbar zu sein. Lehre uns, wie du, die „Gewänder abzulegen“. (…)

Das Gewand der Berechnung, des Kalküls und des persönlichen Vorteils ablegen, um die Ungeschütztheit der Gemeinschaft anzunehmen. Das Gewand der Verbürgerlichung ablegen, um die Durchlässigkeit der Bescheidenheit, der Einfachheit und der Leichtigkeit zu erlangen.

Das Gewand des Besitzen Wollens, der Arroganz, der Übermacht, des Amtsmissbrauchs, des Bunkerns ablegen, um sich mit dem Schleier von Schwachheit und Armut zu bedecken, im Wissen, dass das Gegenteil von „arm sein“ (pauper) nicht „reich sein“ (dives) bedeutet, sondern eher „Macht ausüben“ (potens).

Wir müssen die Zeichen der Macht aufgeben, um die Macht der äußeren Zeichen nicht zu verlieren.

Tonino Bello

Aus: Stola e grembiule, Insieme, Terlizzi 1993, S. 25

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