








Schließlich gehören zu einem geistlichen Lebensstil Formen der Gemeinschaft und der geschwisterlichen Nähe zueinander. Jesus hat seine Jünger zwar persönlich, aber nicht als isolierte Einzelne gerufen; die jesuanische Lebensform ist eine gemeinschaftliche; sie begründet eine communiale Existenz.
Dies gilt von der priesterlichen Existenz in besonderer Weise. Durch die Priesterweihe (…) sind wir in das eine Presbyterium eingefügt. Wir bezeichnen uns als Mitbrüder. Priester sollen deshalb zusammen kommen, einander besuchen, ihre guten wie ihre schlechten pastoralen Erfahrungen miteinander austauschen, einander trösten und bestärken und solidarisch einander beistehen. Es sollte unter Priestern echte Freundschaften geben.
Es war keine gute Entwicklung, dass der moderne bürgerliche Individualismus auch in der Priesterschaft Einzug gehalten hat. Priestergemeinschaften nach Art von „Jesus-Caritas“, der Gemeinschaft von Charles de Foucauld, der Schönstatt-Priester und der Fokolar-Priester können da eine gute Hilfe und eine Bereicherung sein.
Ob es sich um einen Hirten oder einen bezahlten Knecht handelt, kann man in schmerzlichen Situationen mit Genauigkeit erkennen. In ruhigen Zeiten verhält sich der bezahlte Knecht beim Schafehüten wie ein Hirte; aber wenn der Wolf kommt, sieht man schnell, in welcher Grundhaltung jeder von ihnen die Herde schützt.
Wenn ein ungerechter Gewaltherrscher die Gläubigen und die Kleinen unterdrückt, ist es, als wenn sich der Wolf der Herde nähert. Wer nur der Hirte zu sein scheint, es aber nicht ist, lässt die Schafe im Stich und zieht sich zurück. Er hat Angst und traut sich nicht zu, der Ungerechtigkeit zu begegnen. Er zieht sich zurück, verlässt dabei nicht nur seinen Platz, sondern überlässt außerdem die Herde ihrem Schicksal. Er zieht sich zurück, weil er angesichts der Ungerechtigkeit seine Stimme nicht erhebt, weil er sich in Schweigen hüllt (…).
Der wahre Hirt bezieht die Gegenposition und tritt jedem perfiden Machthaber mit freiem Wort entgegen. Wenn wir mit der Autorität der Gerechtigkeit für die unschuldigen Gläubigen vor den perfiden Machthabern eintreten, ziehen wir für das Haus Israel „in den Krieg“ (…) und errichten eine Schutzwand. Nicht so der bezahlte Knecht. Er flieht, wenn er den Wolf kommen sieht.
O Gott, diese Menschen, zu denen du mich von dir fortgejagt hast! Meistens nehmen sie mich, deinen Boten, gar nicht auf und wollen deine Gaben, deine Gnade und deine Wahrheit gar nicht, mit denen du mich zu ihnen gesandt hast. Und doch muss ich wie ein aufdringlicher Hausierer auch an ihren Türen immer wieder anklopfen. Wenn ich nur wüsste, dass sie wirklich dich abweisen wollen, wenn sie mich nicht aufnehmen. Das wäre mir ein Trost. (...)
Und erst die, so mich einlassen in das Haus ihres Lebens! Ach, sie wollen gewöhnlich alles andere mehr, als was ich ihnen von dir bringen soll.(...) Wenn es nicht gerade Geld, irdische Hilfe oder der kleine Trost eines mitfühlenden Menschenherzens ist, was sie bei mir suchen, dann betrachten sie mich meistens so wie einen Versicherungsagenten, mit dem sie eine himmlische Lebensversicherung abschließen wollen.(…)
Herr, lehre mich beten und dich lieben. Dann werde ich meine eigene Armseligkeit über dir vergessen (…). Dann werde ich in dir, du Gott meiner Brüder, den Menschen wirklich ein Bruder sein können, einer, der ihnen helfen kann im Einzigen, das Not tut: dich zu finden
Uns vom Wort nähren, um im Bemühen um die Evangelisierung »Diener des Wortes zu sein«: Das ist mit Sicherheit eine Priorität für die Kirche am Beginn des neuen Jahrtausends. Der Bestand einer »christlichen Gesellschaft«, die sich, trotz der vielen Schwächen, die das Menschliche immer kennzeichnen, ausdrücklich an die Werte des Evangeliums hielt, gehört inzwischen auch in den alten Evangelisierungsgebieten der Vergangenheit an.
Heute muss man sich mutig einer Situation stellen, die im Zusammenhang mit der Globalisierung und der neuen gegenseitigen Verflechtung von Völkern und Kulturen, die sie mit sich bringt, immer vielfältiger und anspruchsvoller wird. Unzählige Male habe ich in diesen Jahren den Aufruf zur Neuevangelisierung wiederholt. Ich bekräftige ihn jetzt noch einmal, vor allem um darauf hinzuweisen, dass es unbedingt nötig ist, in uns wieder den Schwung des Anfangs dadurch zu entzünden, dass wir uns von dem glühenden Eifer der apostolischen Verkündigung, die auf Pfingsten folgte, mitreißen lassen. Wir müssen uns die glühende Leidenschaft des Paulus zu Eigen machen, der ausrief: »Weh mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde!« (1 Kor 9,16).
Gelegentlich wird darüber geklagt, dass das Christentum in der Gesellschaft von heute immer mehr zur Randerscheinung wird, dass es schwierig geworden ist, den Glauben an die Jugendlichen weiter zu geben, dass die Berufungen weniger werden. Und man könnte beliebig fortfahren, Gründe zur Sorge aufzuzählen…
Tatsächlich fühlen wir uns in der heutigen Welt nicht selten als Verlierer. Aber das Abenteuer der Hoffnung bringt uns weiter. Einmal habe ich auf einem Kalenderblatt folgende Worte gefunden: „Die Welt gehört dem, der sie liebt und ihr den besten Beweis dafür bieten kann“. Wie wahr sind diese Worte. Im Herzen jedes Menschen gibt es einen unendlichen Durst nach Liebe. Wir können ihn stillen mit jener Liebe, die Gott in unsere Herzen ausgegossen hat.
Aber es ist nötig, dass unsere Liebe eine „Kunst“ ist, eine Kunst, die die nur menschliche Liebesfähigkeit übersteigt. Davon hängt vieles, um nicht zu sagen alles, ab.
Ich habe diese Kunst zum Beispiel bei Mutter Teresa von Kalkutta erlebt. Wer sie sah, liebte sie. Oder auch bei Papst Johannes XIII.. Soviele Jahre nach seinem Tod ist die Erinnerung an ihn bei vielen Menschen äußerst lebendig.
Mir scheint, daß es in der Geschichte der Kirche, in unterschiedlichen Formen, immer diese Fragen gibt, die uns Priester tatsächlich plagen: Was sollen wir tun? Die Leute scheinen uns nicht zu brauchen, alles, was wir tun, scheint nutzlos. (…) Ich teile mit euch diese Fragen, diese Probleme. Ich leide auch. Aber wir wollen alle zusammen einerseits diese Probleme erleiden und auch, indem wir leiden, diese Probleme umwandeln, denn gerade das Leiden ist der Weg der Verwandlung, und ohne Leiden verändert sich nichts.
Das ist auch der Sinn des Gleichnisses vom Samenkorn, das in die Erde fällt: Nur in einem durchlittenen Umwandlungsprozess erzielt man die Frucht, und es gibt eine Lösung. (…)
Wir müssen uns diese Schwierigkeiten unserer Zeit zu Herzen nehmen und verwandeln, indem wir mit Christus leiden und so uns selbst verändern. Und in dem Maß, in dem wir selbst verändert sind, (…) können wir auch die Gegenwart des Reiches Gottes sehen und es den anderen sichtbar machen.
Die Priester sind oft sehr geschäftig, aber wenn sie merken, dass das Ergebnis in keinem Verhältnis zum Aufwand zu stehen scheint, kommen Mutlosigkeit und Stress auf. Gleichzeitig stellt sich ihnen die Frage, ob sie auf dem richtigen Weg sind: Habe ich mich in der Berufung getäuscht? Macht der Zölibat Sinn? Warum ist es dem Priester verwehrt, eine eigene Familie zu haben?
Ich kenne diese Gedanken. Sie kamen, als mir die Regierung ein kirchliches Berufsverbot ausgesprochen hatte und ich zehn Jahre lang Fensterscheiben in Prag putzte. Ich war gezwungen, meine priesterliche Identität zu suchen - ohne Amt, ohne äußere Nützlichkeit, ohne eine Leitungsfunktion.
Selbst Jesus, als er ans Kreuz genagelt war, konnte keine Wunder tun oder Reden halten. In seiner Verlassenheit, im Schweigen und Leiden erreichte er den Gipfel seines Priestertums. In ihm habe ich meine wirkliche priesterliche Identität gefunden, die in mir Freude und Frieden auslöst.
Mir wurde mit der Zeit klar, dass man die priesterliche Identität nicht ein für allemal in einer Art von Erleuchtung oder durch eine Gnade ergreift. Sie ist ein ständiges sich Vergewissern, das insbesondere in dunklen und schmerzlichen Momenten geschieht.
Unsere Zeit verlangt mehr denn je nach authentischem Leben: ihr genügt nicht, dass die Priester geweiht sind: sie braucht Priester, die Christus sind, Priester, die bereit sind, sich mit Herzblut für die Menschen einzusetzen.
Wenn dies der Maßstab für die innere Einstellung des Priesters ist, wird er nicht die Sorge haben, seine Zeit nutzlos zu verschwenden oder gar einen anderen Beruf ausüben zu wollen.
Er wird im Gegenteil sehen, wie das ihm anvertraute Stück Kirche zum Garten erblüht: es gibt darin sicherlich auch Unkraut, er trifft auf Hass. Es gibt aber die Frucht bringende Liebe, die nicht an den Begrenzungen des Gartens Halt macht, sondern darüber hinausgeht.
Wie in Ars: der Pfarrer war - nach Gott - alles für seine Gemeinde. Die Leute kamen von weither, um den „Duft Christi“ wahrzunehmen, um sich von Ihm zu nähren, um zu leben.
Ja, sagen wir es doch einfach: um zu leben!
Denn ohne Christus, ohne Priester, die Christus sind, kann die Welt, trotz ihrer erstaunlichen, wunderbaren Entdeckungen nicht am Leben bleiben. Ihr droht, dahin zu siechen und zu sterben. Denn Christus allein vermittelt das Leben, das echte Zukunft gewährt!
Es gibt vielerlei Arten von Wüsten. Es gibt die Wüste der Armut, die Wüste des Hungers und des Durstes. Es gibt die Wüste der Verlassenheit, der Einsamkeit, der zerstörten Liebe. Es gibt die Wüste des Gottesdunkels, der Entleerung der Seelen, die nicht mehr um die Würde und um den Weg des Menschen wissen. Die äußeren Wüsten wachsen in der Welt, weil die inneren Wüsten so groß geworden sind. Deshalb dienen die Schätze der Erde nicht mehr dem Aufbau von Gottes Garten, in dem alle leben können, sondern dem Ausbau von Mächten der Zerstörung.
Die Kirche als Ganze und die Hirten in ihr müssen wie Christus sich auf den Weg machen, um die Menschen aus der Wüste herauszuführen zu den Orten des Lebens – zur Freundschaft mit dem Sohn Gottes, der uns Leben schenkt, Leben in Fülle.
In der Welt leben wir heutzutage wie in der Wüste, in der Wüste der Moral, der Sinnentlehrung (…) Es ist, als ob Gott zu jedem von uns sagen würde wie damals zu Moses und Aaron: „Meinst du, dass aus diesem Felsen Wasser kommen kann?“
Wir sind dieser Felsen, dieses Herz aus Stein, das Gott in ein Herz aus Fleisch wandeln möchte. Jedem von uns sagt Gott: Meinst du, dass aus diesem Felsen Wasser kommen kann, also Jesus? Und wir müssten antworten: Ich bin sicher, dass aus dem Felsen Wasser entspringen wird.
Es braucht unseren Glauben. Der Glaube Marias war der Glaube des schweigenden Geschöpfes, das nach keinen Erklärungen verlangt. Der Glaube - ein „absolutes Schweigen“. Hältst du das für möglich? Ich schon.
Aber Gott fragt uns auch als Gemeinschaft: Kann aus der Wüste der Menschheit, aus diesem Felsen, aus diesem Herzen aus Stein Wasser entspringen, Leben kommen? Kann Jesus den Durst der Menschheit löschen?
Ja, gemeinsam können wir wie Maria auf mystische Weise der Welt Christus schenken. Das ist das Wasser, nach dem sich die Menschheit sehnt.
Liebe Brüder, was kann es Schöneres für uns geben, als die Stimme des Herrn, der uns ruft? Schaut doch, wie er uns in seiner barmherzigen Güte den Weg des Lebens weist!
Gerüstet deshalb mit Glauben und guten Werken unter der Leitung des Evangeliums, lasst uns auf seinen Wegen gehen, damit wir auf seinen Anblick hoffen dürfen, auf ihn, der uns in sein Reich gerufen hat.
Deshalb sagt der Herr selbst im Evangelium: „Wer diese meine Worte hört und sie befolgt, ist wie ein kluger Mann, der sein Haus auf Felsen baute. Es kamen die Wasser und es bliesen die Winde, aber sein Haus stürzte nicht ein, weil es auf Fels gegründet war.“
Nachdem der Herr mit diesen Worten geendet hat, erwartet er, dass wir Tag für Tag seinen heiligen Ermahnungen mit den Taten Folge leisten.
So lasst uns die Herzen und unseren Leib bereiten, um uns im heiligen Gehorsam zu fügen. Und was wir von unserer Natur her nicht bewerkstelligen können, bitten wir den Herrn, in seiner Gnade zu ergänzen.
Die Kirche zum Haus und zur Schule der Gemeinschaft machen, darin liegt die große Herausforderung, die in dem beginnenden Jahrtausend vor uns steht, wenn wir dem Plan Gottes treu sein und auch den tief greifenden Erwartungen der Welt entsprechen wollen.
Was bedeutet das konkret? Auch hier könnte die Rede sofort praktisch werden, doch es wäre falsch, einem solchen Anstoß nachzugeben. Vor der Planung konkreter Initiativen gilt es, eine Spiritualität der Gemeinschaft zu fördern, indem man sie überall dort als Erziehungsprinzip herausstellt, wo man den Menschen und Christen formt, wo man die geweihten Amtsträger, die Ordensleute und die Mitarbeiter in der Seelsorge ausbildet, wo man die Familien und Gemeinden aufbaut. (…)
Machen wir uns keine Illusionen: Ohne diesen geistlichen Weg würden die äußeren Mittel der Gemeinschaft recht wenig nützen. Sie würden zu seelenlosen Apparaten werden, eher Masken der Gemeinschaft als Möglichkeiten, dass diese sich ausdrücken und wachsen kann.
Vom Geheimnis der Dreifaltigkeit, “deren Licht auf dem Angesicht der Brüder und Schwestern neben uns wahrgenommen werden muss“, können wir lernen, die andern ohne Kalkül zu lieben, allen voran Gott und dann unsere Mitmenschen.
Lieben ohne aufzurechnen. Sich verschenken und sich dabei vergessen. Das eigene Glück finden, indem man die andern glücklich macht. Die Andersartigkeit des Mitmenschen respektieren. Ihn schätzen, ja Wert schätzen, weil er anders ist. Ihn fördern und voranbringen, auch wenn das eigene Leben darunter leiden mag. In Demut dienen, in Freiheit und aus Liebe. Heraustreten aus der ichbezogenen Einsamkeit und mit den Mitbrüdern in Gemeinschaft leben (…).
Die Welt versuchsweise aufmischen mit dem Geist der Gemeinschaft und der Solidarität, den wir modellhaft in der Dreifaltigkeit vorfinden und den die Kirche in ihrem Innern als kirchliche Gemeinschaft zu leben sucht.
Eine überzeugende Einladung zur Begegnung mit Jesus Christus muss auf dem soliden Fundament der liebenden Dreifaltigkeit gründen. (…)
Der Impuls zur Mission folgt notwendig aus dem Leben, das die Heilige Dreifaltigkeit den Jüngern mitteilt. (…)
Wir anerkennen, dass jeder Mensch im Grunde seines „Herzens“ zur Einheit mit allen anderen Menschen berufen ist, weil alle gleichen Ursprungs sind, den gleichen Vater haben und das Bild und Gleichnis desselben Gottes in seiner trinitarischen Einheit in sich tragen. (…)
Eine authentische Evangelisierung (…) impliziert, sich die Radikalität der christlichen Liebe voll und ganz zu Eigen zu machen.(…) Im dreieinigen Gott verursacht die Verschiedenheit der Personen weder Gewalt noch Konflikte, sondern ist die eigentliche Quelle für Liebe und Leben. (…)
Evangelisierung durch eine Liebe uneingeschränkter Hingabe als Lösung für den Konflikt, das muss der „radikale“ kulturelle Pfeiler einer neuen Gesellschaft sein.
Glaube nicht, die Lektüre könnte dich weiterbringen ohne das Gesalbtsein (durch den Geist), die Spekulation ohne die Anbetung, die Forschung ohne das Staunen, die Observanz ohne die Freude, der Eifer ohne die Barmherzigkeit, die Wissenschaft ohne die Liebe, die Intelligenz ohne die Demut, das Studium ohne die göttliche Gnade, die Überlegung ohne die Weisheit, die von Gott kommt. (…)
Dies erklärt sich aus der Mystik, die nur der kennt, der sie empfängt. Es empfängt sie nur derjenige, der sie ersehnt, und es ersehnt sie nur ein vom Feuer des Geistes, den Christus auf die Erde gebracht hat, entzündeter Mensch. So erklärt sich auch die Rede des Apostels, diese mystische Weisheit offenbare uns der Heilige Geist. (…)
Möchtest du verstehen, wie er [der Weg der Seele in Gott] vonstatten geht, befrage die Gnade und nicht die Wissenschaft, die Sehnsucht und nicht den Verstand, den Seufzer des Gebetes und nicht die Wissbegierde des Lesens, den Bräutigam und nicht den Meister, Gott und nicht den Menschen, den Schleier und nicht die Klarheit, nicht das Licht, sondern das Feuer, welches das Sein entflammt und in die abgründigen Tiefen Gottes hineinführt, weil es den Menschen in delikater Weise salbt und glühende Empfindungen weckt.
Darin besteht die große Sehnsucht unserer Zeit: Eindringen in die höchste Kontemplation und mit allen Menschen verbunden bleiben, Mensch unter Menschen.
Ich würde noch mehr sagen: Eintauchen in die Menge und ihr das göttliche Leben schenken, wie der Wein ein Stück Brot tränkt.
Eindringen in die Pläne Gottes für die Menschheit, inmitten der Menge sein Licht verbreiten und zugleich mit dem Nächsten seine Mühsal, den Hunger, die Schicksalsschläge und die kleinen Freuden teilen.
Denn wie alle Zeiten sehnt sich auch unsere Epoche nach dem Menschlichsten und Göttlichsten, was man sich denken kann:
nach Jesus und Maria –
das Wort Gottes, Sohn eines Zimmermanns;
der Sitz der Weisheit, eine Hausfrau.
1. Wichtiger ist, wie ich als Priester lebe, als was ich als Priester tue.
2. Wichtiger ist, was in mir Christus tut, als was ich selber tue.
3. Wichtiger ist, dass ich die Einheit im Presbyterium lebe, als dass ich in meiner Aufgabe allein aufgehe.
4. Wichtiger ist der Dienst des Gebetes und des Wortes als der Dienst an den Tischen.
5. Wichtiger ist, die Mitarbeiter geistlich zu begleiten, als möglichst viele Arbeiten selbst und allein zu tun.
6. Wichtiger ist, an wenigen Punkten ganz und ausstrahlend da zu sein, als an allen Punkten eilig und halb.
7. Wichtiger ist Handeln in Einheit als noch so perfektes Handeln in Isolation. Also: Wichtiger ist Zusammenarbeit als Arbeit, wichtiger communio als actio.
8. Wichtiger, weil fruchtbarer, ist das Kreuz als die Effektivität.
9. Wichtiger ist die Offenheit fürs Ganze (also für die ganze Gemeinde, fürs Bistum, für die Weltkirche) als noch so wichtige partikuläre Interessen.
10. Wichtiger ist, dass allen der Glaube bezeugt wird, als dass alle herkömmlichen Ansprüche befriedigt werden.
„Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm’’ (1 Joh 4, 16). In diesen Worten aus dem Ersten Johannesbrief ist die Mitte des christlichen Glaubens, das christliche Gottesbild und auch das daraus folgende Bild des Menschen und seines Weges in einzigartiger Klarheit ausgesprochen. Außerdem gibt uns Johannes in demselben Vers auch sozusagen eine Formel der christlichen Existenz: ,,Wir haben die Liebe erkannt, die Gott zu uns hat, und ihr geglaubt’’ (vgl. 4, 16).
Wir haben der Liebe geglaubt: So kann der Christ den Grundentscheid seines Lebens ausdrücken. Am Anfang des Christseins steht nicht ein ethischer Entschluss oder eine große Idee, sondern die Begegnung mit einem Ereignis, mit einer Person, die unserem Leben einen neuen Horizont und damit seine entscheidende Richtung gibt. (…) Die Liebe ist nun dadurch, dass Gott uns zuerst geliebt hat (vgl. 1 Joh 4, 10), nicht mehr nur ein ,,Gebot’’, sondern Antwort auf das Geschenk des Geliebtseins, mit dem Gott uns entgegengeht.
Wenn Gottes Liebe so groß ist, dass er uns zu seinen Kindern gemacht hat, könnten wir uns noch mehr wünschen? Da Gott mich so sehr liebt, dass er mich Sohn nennt, verblasst daneben alles andere.
Es ist wirklich so: kein Leiden und keine Mühe, kein Opfer und nicht einmal der Tod können mir diese innere Freude, ja dieses heitere und unantastbare Glück nehmen, mich als Sohn Gottes fühlen zu dürfen und zu wissen, dass er mich liebt.
Und so verstehe ich nach und nach immer besser, warum Jesus seinen Jüngern wiederholt hat: „Habt keine Angst!“.
Die Liebe hat mich willkommen geheißen,
ich aber habe mich geschämt,
fühlte mich schuldbeladen und staubbedeckt.
Doch die glühende Liebe kam,
als sie mein Zögern sah,
mir noch weiter entgegen
und stellte mir ganz behutsam einige Fragen.
Ob mir etwas fehlte.
Ein Gast, entgegnete ich,
der würdig wäre, hier zu sein.
Die Liebe sagte: Dieser bist du.
Ich, der schlecht Geratene und Undankbare?
Nicht einmal anschauen kann ich dich.
Die Liebe nahm mich an der Hand
und antwortete lächelnd:
Habe nicht ich deine Augen gemacht?
Das stimmt, mein Herr, aber sie gehören nun mir:
Meine Scham erhalte, was sie verdient.
Die Liebe fragte: den Schuldigen kennst du nicht?
Also dann, mein Lieber, möchte ich dir dienen.
Setz dich doch und koste von mir.
So bin ich geblieben und wurde gespeist.
Was ein Gott, so wie wir ihn uns denken, alles tun müsste und könnte, damit hat der Gott Jesu Christi nichts zu tun. Wir müssen uns immer wieder sehr lange und sehr ruhig in das Leben, Sprechen, Handeln, Leiden und Sterben Jesu versenken, um zu erkennen, was Gott verheißt und was er erfüllt.
Gewiss ist, dass wir immer in der Nähe und unter der Gegenwart Gottes leben dürfen und dass dieses Leben für uns ein ganz neues Leben ist; dass es für uns nichts Unmögliches mehr gibt, weil es für Gott nichts Unmögliches gibt; dass keine irdische Macht uns anrühren kann ohne Gottes Willen, und dass Gefahr und Not uns nur näher zu Gott treiben; gewiss ist, dass wir nichts zu beanspruchen haben und doch alles erbitten dürfen; gewiss ist, dass im Leiden unsere Freude, im Sterben unser Leben verborgen ist; gewiss ist, dass wir in dem allem in einer Gemeinschaft stehen, die uns trägt. Zu all dem hat Gott in Jesus Ja und Amen gesagt. Diese Ja und Amen ist der feste Boden, auf dem wir stehen.
Ja, wir alle können heilig sein und wollen daran arbeiten, es zu werden. Die Heiligen waren Sterbliche wie wir. Sie waren schwach und denselben Leidenschaften ausgeliefert. Wir haben aber auch dieselben Hilfen, dieselben Gnaden, dieselben Sakramente….
Wir können heilig sein, weil uns der gute Gott nie die Gnade versagt, es mit seiner Hilfe zu werden. Er ist unser Vater, unser Erlöser und unser Freund. Wie sehr wünscht er sich, dass wir von den bösen Lasten des Lebens erlöst würden! Er möchte uns mit Gütern jeder Art überhäufen, nachdem er uns schon auf dieser Erde umfangreichen Trost und den Vorgeschmack des Himmels hat zuteil werden lassen, wie ich sie euch wünsche.
Die Askese des Christen erfordert Stärke und diese Stärke findet er im Schöpfer. Wir sind das Dunkel, Er ist hellstes Licht. Wir sind die Krankheit, Er die unangreifbare Gesundheit. Wir sind die Dürftigkeit, Er ist der unendliche Reichtum. Wir sind die Schwachheit, Er ist unser Halt, quia tu es, Deus, fortitudo mea (Ps 42,2), denn immer bist Du, mein Gott, unsere Stärke.
Nichts auf dieser Welt kann sich dem erlösenden und nie versiegenden Strom des Blutes Christi widersetzen. Aber menschliche Niedrigkeit kann uns den Blick für die Größe Gottes trüben. Allen Gläubigen und besonders jenen, die das Amt haben, das Volk Gottes geistlich zu leiten - ihm zu dienen -, obliegt deshalb die Verantwortung, die Quellen der Gnade nicht versiegen zu lassen und sich nicht des Kreuzes Christi zu schämen.
Der Gott, von dem die heutige Welt so verzweifelt wenig wissen will, hat mich gerufen. Vielleicht ist es der Mühe wert, wenn wir in dem Zusammenhang kurz die Geschichte unserer persönlichen priesterlichen Berufung uns vergegenwärtigen.
Gott hat mich gerufen, Deo gratias! Das will ich mir sagen, wenn mein Beruf Schwierigkeiten mit sich bringt, wenn ich da und dort schwere Enttäuschungen verkoste und durchlebe.
Ich habe mich nicht selbst gerufen, Gott hat mich gerufen! Es war keine x-beliebige dritte Stimme, die mich gerufen, nein, mein Beruf stammt von Gott! Deo gratias! Dann mögen harte Schwierigkeiten über mich kommen - der Gott, der mich gerufen hat, der wird immer bei mir bleiben. Hat der Heiland nicht auf dem Höhepunkt seines Lebens ein ähnliches Wort ausgesprochen: „Der mich gesandt hat, lässt mich nie allein! Er ist allezeit bei mir, weil ich allezeit tue, was ihm wohlgefällig ist“ (Joh 8,29).
Die Berufung ist ein Ruf Gottes, ein liebevoller Blick Gottes, der in einem bestimmten Moment unseres Lebens seinen Anfang nimmt, weil wir uns dessen bewusst werden, der aber schon immer, schon vor unserer Geburt, auf uns gerichtet ist. Ja, eigentlich war es dieser Blick, der uns ins Leben rief, dass wir diese Berufung, dieses Angebot Gottes für unser Leben auf Erden verwirklichen können (…).
Wer die Berufung (zur Nachfolge Jesu) spürt, empfindet dabei oft Angst und Furcht, manchmal auch Zweifel und Erschrecken. Aber die Entdeckung der eigenen Berufung kann auch Freudiges freisetzen.
Der schönste Moment ist nicht, den Ruf Gottes zu entdecken, sondern auf ihn mit unserem Ja zu antworten, denn dann erfüllt sich in der Seele die Berufung und der eigene Wille bejaht das Wollen Gottes.
Warum zeigt die Kirche solches Interesse für die Berufungen? Sie sieht den außerordentlichen Wert, den jede religiöse Berufung in sich birgt. Wie könnte die Kirche als Mutter und Lehrmeisterin der Gläubigen unberührt bleiben angesichts dieses geistlichen Phänomens, bei dem sich die kostbarste Tugendfähigkeit einer Seele offenbart und der Heilige Geist in wundersamer Art wirkt?
Hierzu passt das Bild der Perle (Mt 13, 46). Jede Berufung für Gott und den Dienst in der Kirche verdient höchste Beachtung von Seiten derer, die den Garten der Seelen pflegen und betrachten, weil sie in expliziter Weise das Reich Gottes in der Welt befördert und zwar in seiner kirchlichen und seiner säkularen Dimension. Sie ist Zeichen der Gegenwärtigkeit der Liebe, die von oben kommt. Sie ist der Anfang eines Gespräches zwischen dem lebendigen Christus und dem Volk – der Familie, der Gemeinde, der Diözese.
Seit Jesus gekommen ist, heißt Rufgeschichte Nachfolgegeschichte. Wir folgen unserem Ruf, indem wir Jesus nachfolgen. Und diese Nachfolge ist zwar ganz und gar die Sache unserer Freiheit, unserer Antwort, aber sie ist dennoch mehr als bloß unsere Tat und unser Vollbringen. Jesu nachfolgen heißt: sich in ihn hineinfallen lassen, sich von ihm tragen lassen, sich ihm anvertrauen.
Wir dürfen in ihm sein und ihn in uns sein lassen. Ruf ist nicht mehr niederdrückende Überforderung, sondern verwandelte, erlöste Unmöglichkeit. Der Weg, sie verwandeln und erlösen zu lassen, ist freilich der Weg der Gemeinschaft mit Jesus, des Vertrauens zu ihm und Lebens mit ihm. Dies heißt in letzter Konsequenz: Weg der Berufung ist Kreuzweg.
Nicht immer sind wir ganz auf der Höhe unserer Berufung; in bestimmten Momenten wird es uns vielleicht nicht gelingen, der Liebe Gottes in ihrer ganzen Größe zu folgen. Das bedeutet aber nicht, dass die Berufung verloren ist. Petrus ist diesbezüglich das anschaulichste Beispiel.
Kein Elend und keine Schwächen sind je groß genug, als dass sie nicht bereut und einen Verzeihung ersehnenden Blick auf Jesus, der vorbei geht, verhindern könnten - wie bei Petrus.
Der Seele wird von neuem die umfängliche Gnade ihrer Berufung geschenkt, sie empfängt die Jüngerschaft Christi.
Frieden inmitten der Brüder und Schwestern -
das wünscht sich Gott,
das gereicht Christus zur Freude.
Darin findet die Heiligung ihre Vervollkommnung,
die Gerechtigkeit ihre Regel,
die Lehre ihre Meisterin.
Die Bräuche erhalten ihren Schutz,
und alle Dinge eine lobenswerte Ordnung.
Als der Pilger dort saß [am Fluss Manresa], begannen die Augen sich einer inneren Schau zu öffnen: nicht dass er eine Vision hätte; dennoch erfasste und verstand er viele Dinge geistlicher Art, aber auch des Glaubens und der Wissenschaft mit einem so großen Licht, dass sie ihm ganz neu erschienen.
Es ist unmöglich alle Einzelheiten zu beschreiben, die er da verstand, wenngleich es viele waren. Man kann nur sagen, dass sein Verstand von einem großen Licht erfasst worden war. Dieses Licht hielt während der ganzen Dauer seines Lebens an, bis zu seinem zweiundsechzigsten Lebensjahr. Und selbst wenn er alle von Gott erhaltenen Hilfen und alle Dinge, die er gelernt hatte, zusammen rechnete, kam es in der Summe nicht dem Licht gleich, das er in jenem einen Augenblick empfangen hatte.