Priester in der Fokolar-Bewegung

Impulse zum Priesterjahr

Januar 2010

1. Januar 2010 - Für das Leben der Welt

Mutige Jungfrau,

schenke uns Seelenkraft

und Vertrauen auf Gott,

damit wir alle Hindernisse überwinden,

die sich der Erfüllung

unserer Sendung entgegenstellen.

Lehre uns, die Realitäten der Welt

mit tiefem christlichem

Verantwortungsbewusstsein

zu behandeln, in der frohen Hoffnung

auf die Ankunft des Reiches Gottes,

des neuen Himmels und der neuen Erde.

Die du betend mit den Aposteln

im Coenaculum zusammen warst,

um auf die Ankunft des Pfingstgeistes zu warten,

erflehe, dass er sich erneut

über alle Laien ausgießt,

damit sie ihrer Berufung und Sendung

als Reben des wahren Weinstocks,

die bestellt sind,

für das Leben der Welt reiche Frucht zu tragen,

voll entsprechen.

II. Vatikanisches Konzil

Lumen Gentium, Nr. 32

2. Januar 2010 - Weisheit und Torheit

Ich habe eine Menge Zeit mit Eitelkeiten vertan; meine Jugend widmete ich unnützen Dingen, weil ich mich mit aller Kraft ins Studium einer Weisheit gestürzt habe, die von Gott aus gesehen Torheit ist.

Eines schönen Tages, so scheint es mir heute, bin ich wie aus einem tiefen Schlaf erwacht. Als ich meine Augen auf das wunderbare Licht des Evangeliums richtete, erkannte ich die Nutzlosigkeit der leeren Weisheit der Schulmeister dieser Welt.

Bitterlich weinte ich über mein elendes Leben und formulierte ein Gebet: Ich bat darum, einen Weg zu finden, der mir das innere Leben erschließt.

Basilius

Aus: Epistola 223, 2

3. Januar 2010 - Christus auf dem Antlitz der Kirche

Schon der erste Satz der Konstitution über die Kirche stellt klar, dass das Konzil die Kirche nicht als eine in sich abgeschlossene Realität sieht, sondern dass sie von Christus her kommt: „Christus ist das Licht der Völker. Darum ist es der dringende Wunsch dieser im Heiligen Geist versammelten Heiligen Synode, alle Menschen durch seine Herrlichkeit, die auf dem Antlitz der Kirche wider scheint, zu erleuchten…“ (LG 1).

Auf diesem Hintergrund erkennen wir ein geläufiges Bild in der Vätertheologie, die in der Kirche den Mond sieht, der nicht von sich selbst das Licht hat, sondern das Licht Christi weitergibt, der die Sonne ist. Die Ekklesiologie ist abhängig von der Christologie und dieser zutiefst verbunden. Niemand kann jedoch korrekt von Christus, dem Sohn, sprechen, ohne gleichzeitig vom Vater zu sprechen. Und niemand kann korrekt vom Vater und vom Sohn sprechen, ohne auf den Heiligen Geist zu hören. Darum muss sich eine christologische Vision der Kirche notwendigerweise zu einer trinitarischen Ekklesiologie weiter entwickeln (LG 2 – 4). Wer über die Kirche sprechen will, muss notwendigerweise über Gott sprechen. Nur so ist sein Sprechen korrekt.

Kardinal Joseph Ratzinger

Aus: L’ecclesiologia della Costituzione Lumen gentium, Nuova Umanità 22 (2000/3-4) S. 396

4. Januar 2010 - Eine “neue” pastorale Planung

Wenn wir das Antlitz Christi wirklich betrachtet haben, liebe Brüder und Schwestern, dann muss sich unsere pastorale Planung an dem »neuen Gebot« ausrichten, das er uns gegeben hat: »Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben« (Joh 13, 34). (…)

Die Gemeinschaft ist Frucht und sichtbarer Ausdruck jener Liebe, die aus dem Herzen des ewigen Vaters entspringt und durch den Geist, den uns Jesus schenkt (vgl. Röm 5, 5), in uns ausgegossen wird, um aus uns allen »ein Herz und eine Seele« (Apg 4, 32) zu machen.

Durch die Verwirklichung dieser Liebesgemeinschaft offenbart sich die Kirche als »Sakrament«, das heißt als »Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit« (…)

Wenn die Kirche auf ihrem Weg durch die Zeit auch im neuen Jahrhundert viele Dinge braucht, ohne die Liebe (agape) wäre alles umsonst.

Johannes Paul II.

Aus: Novo millennio ineunte, Nr. 42

5. Januar 2010 - Eine Kirche, die anziehend ist

Die Kirche als „Gemeinschaft der Liebe“ ist dazu berufen, in ihrer Gemeinschaft die Herrlichkeit der Liebe Gottes widerzuspiegeln und so die Menschen und Völker für Christus zu begeistern. (…) Die Kirche wächst nicht durch Proselytenmacherei, sondern vielmehr „durch ‚Anziehung‘: Wie Christus mit der Kraft seiner Liebe ‚alle an sich zieht‘ “.

Die Kirche „wirkt anziehend“, wenn sie in Gemeinschaft lebt, denn die Jünger Jesu werden daran erkannt, ob sie einander lieben, wie er uns geliebt hat (vgl. Röm 12,4–13; Joh 13,34).

Konferenz von Aparecida (2007)

Schlussdokument, Nr. 159

6. Januar 2010 - Ihre Leuchte ist das Lamm

Da entrückte der Engel mich in der Verzückung auf einen großen, hohen Berg und zeigte mir die heilige Stadt Jerusalem, wie sie von Gott her aus dem Himmel herabkam, erfüllt von der Herrlichkeit Gottes.

Sie glänzte wie ein kostbarer Edelstein, wie ein kristallklarer Jaspis.

Die Mauer der Stadt hat zwölf Grundsteine; auf ihnen stehen die zwölf Namen der zwölf Apostel des Lammes.

Einen Tempel sah ich nicht in der Stadt. Denn der Herr, ihr Gott, der Herrscher über die ganze Schöpfung, ist ihr Tempel, er und das Lamm.

Die Stadt braucht weder Sonne noch Mond, die ihr leuchten. Denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie und ihre Leuchte ist das Lamm.

Die Völker werden in diesem Licht einhergehen und die Könige der Erde werden ihre Pracht in die Stadt bringen.

Ihre Tore werden den ganzen Tag nicht geschlossen - Nacht wird es dort nicht mehr geben.

Und man wird die Pracht und die Kostbarkeiten der Völker in die Stadt bringen.

Aber nichts Unreines wird hineinkommen, keiner, der Gräuel verübt und lügt. Nur die, die im Lebensbuch des Lammes eingetragen sind, werden eingelassen.

Offenbarung des Johannes

21, 10-11.14.22-27

7. Januar 2010 - Lebendige Zellen

Heute herrscht - ein schreiender Kontrast (…) in den Straßen und in den Häusern dieser Stadt. Mein Ideal würde ich als Utopie bezeichnen, wenn ich nicht an ihn dächte, der sich auch von einer Welt wie dieser umgeben sah und am Ende seines Lebens davon überwältigt schien, besiegt vom Bösen. (…)

Er sah die Welt, wie ich sie sehe, aber er zweifelte nicht. Unglücklich und traurig über all das, was dem Verderben entgegenging, betrachtete er nachts betend den Himmel über sich und den Himmel in seinem Innern, wo die Dreifaltigkeit wohnte, das wahre Sein, die eigentliche Wirklichkeit; draußen hingegen, auf den Straßen, begegnete ihm nur Nichtiges, Vergängliches.

Ich folge seinem Beispiel (…). Der Blick meiner Augen ist nicht mehr erloschen. Ich schaue vielmehr auf die Welt und die Dinge durch die Pupille, die durchlässig ist für das ganze innere Licht, das in mir ist, wenn ich Gott in mir leben lasse. Dann aber schaue nicht mehr ich, sondern es ist Christus, der in mir schaut. Und er sieht auch heute wieder Blinde, denen er das Augenlicht, Stumme, denen er die Sprache, und Lahme, denen er die Beweglichkeit geben will. Menschen sind wie Blinde, wenn sie nicht fähig sind, Gott in sich und um sich herum wahrzunehmen. Menschen sind wie Taubstumme, wenn sie das Wort Gottes nicht hören, das er in ihnen spricht, und sein Wort den anderen nicht weitergeben, wodurch sie ihnen doch den Zugang zur Wahrheit eröffnen könnten. Menschen sind wie Lahme, wenn sie den göttlichen Willen nicht erkennen, der sie im Innersten ihres Herzens zur ewigen Bewegung drängt: zur ewigen Liebe.

Ich finde in den anderen dasselbe Licht wieder, das auch in mir leuchtet. So finde ich mich neu - im anderen -, nachdem ich in ihm - Liebe ist Leben – “auferweckt” wurde. (…) So weitet sich das Leben Christi in mir auf den anderen aus. Eine Zelle des Leibes Christi wird lebendig, ein Feuerherd Gottes beginnt zu brennen, dazu bestimmt, sich auszubreiten und Licht zu geben.

Chiara Lubich

Aus: Scritti Spirituali/2, Città Nuova, Roma 19972, S. 161

8. Januar 2010 - Den Kreis ausweiten

Der den ersten Schritt machen muss, bin immer ich selbst (…): Da muss ich zuerst einmal so leben, dass andere ihn, seine Liebe, in mir finden und von ihm angezogen werden. Ich muss auf andere so zugehen, dass sie spüren: Ich kenne sie nicht dem Fleische nach (vgl. 2 Kor 5, 16), ich suche in ihnen nicht einen Vorteil, eine Hilfe, eine Ergänzung, ich beurteile sie nicht nach Sympathie oder Abneigung, ich nehme sie an wie den Herrn.

Und weiter müssen sie spüren: ich lebe aus dem Herrn, ich höre mehr auf seine Stimme in mir als auf meine eigenen Ideen oder auf die gängige Meinung. Und für mich heißt das: ich lebe aus seinem Wort, aus seinen Sakramenten, ich höre, was er in den vollmächtigen Zeugen und Boten der Kirche mir zu sagen hat. Und vor allem suche ich ihn dort, wo er mich am meisten geliebt hat, in den Schwierigkeiten und Dunkelheiten, die für mich das „Sakrament“ seiner Kreuzesverlassenheit, seines Sterbens sind. (…)

Und in der Regel werden wir nicht lange warten müssen, bis, oft unerwartet, andere hinzu stoßen, die nicht wir uns ausgesucht haben, bis neue Zellen sich bilden und unser Versammeltsein zu zweit oder zu dritt in seinem Namen sich ausweitet.

Klaus Hemmerle

Aus: Der Himmel ist zwischen uns, Neue Stadt, München 19782, S. 64-65

9. Januar 2010 - Unwiderstehliche Fragen

Die Verkündigung muss vor allem durch ein Zeugnis erfolgen. Das geschieht z. B., wenn ein einzelner Christ oder eine Gruppe von Christen inmitten der menschlichen Gemeinschaft, in der sie leben, ihre Verständnis- und Annahmebereitschaft, ihre Lebens- und Schicksalsgemeinschaft mit den anderen, ihre Solidarität in den Anstrengungen aller für alles, was edel und gut ist, zum Ausdruck bringen. Ferner auch dadurch, dass sie auf ganz einfache und spontane Weise ihren Glauben in Werte bekunden, die über den allgemeingängigen Werten stehen, und ihre Hoffnung in etwas, das man nicht sieht und von dem man nicht einmal zu träumen wagt.

Durch dieses Zeugnis ohne Worte wecken diese Christen in den Herzen derer, die ihr Leben sehen, unwiderstehliche Fragen: Warum sind jene so? Warum leben sie auf diese Weise? Was – oder wer – ist es, das sie beseelt? Warum sind sie mit uns? (…)

Die Fragen nämlich, die vielleicht die ersten sind, die sich viele Nichtchristen stellen, seien es Menschen, denen Christus niemals verkündet worden ist, Getaufte, die nicht praktizieren, Menschen, die zwar in christlichen Ländern, aber keineswegs nach christlichen Grundsätzen leben, oder auch solche, die leidvoll etwas oder jemanden suchen, den sie erahnen, ohne ihn mit einem Namen benennen zu können.

Paul VI.

Aus: Evangelii nuntiandi, Nr.21

10. Januar 2010 - Kleine Gemeinschaften fördern

Bemüht euch daher, (…) in jeder Pfarrei kleine Gruppen oder Hauskreise zu bilden, in denen die Gläubigen Christus und sein Wort verkündigen – Orte, an denen es möglich ist, den Glauben zu erfahren, die Nächstenliebe zu üben, der Hoffnung eine Struktur zu geben.

Wenn die großen Stadtpfarreien so in eine wachsende Zahl kleiner Gemeinschaften unterteilt werden, wird ein größerer Missionsradius ermöglicht, der die Dichte der Bevölkerung sowie ihr oft sehr unterschiedliches soziales und kulturelles Erscheinungsbild in Betracht zieht.

Es wäre wichtig, diese pastorale Methode auch an den Arbeitsplätzen wirksam zur Anwendung zu bringen. Hier muss die Evangelisierung heute in Form einer Pastoral stattfinden, die das Umfeld berücksichtigt, denn aufgrund der hohen sozialen Mobilität verbringt die Bevölkerung einen großen Teil des Tages am Arbeitsplatz.

Benedikt XVI.

Aus: Pastoraltagung der Diözese Rom, 26. Mai 2009

11. Januar 2010 - Jesus auf den Straßen unseres Landes

In meinem Land waren vor der Perestroika (Doi moi) in jeder der beiden Diözesen Langson und Bac Ninh in Nord-Vietnam nur zwei Priester übrig geblieben, und diese durften ihre Wohnung nicht frei verlassen. Kardinal Joseph Trinh Nhu Khue erzählt: „Kleine Gruppen von zwei oder mehreren lebten das Evangelium im Alltäglichen und halfen sich gegenseitig in jeder Weise; und im gegenseitigen Sich-Schenken erlebten sie die Gegenwart dessen, der gesagt hat: ‚Habt Mut: ich habe die Welt besiegt!’ (Joh, 16, 33).“

Vor allem diesen kleinen Gruppen (…) ist es zu verdanken, dass die Kirche in meinem Land überlebt hat. Tatsächlich konnte man diese Gegenwart Christi überall feststellen. Auch unter zwei Christen, die sich auf dem Markt trafen, oder unter zwei Männern, die Seite an Seite im Umerziehungslager arbeiteten. Es war nicht nötig, miteinander zu sprechen, und es bedurfte auch keines besonderen Umfelds. Es genügte, sich „in seinem Namen“ mit anderen Worten: in seiner Liebe, zusammenzufinden, und schon spürte man die Gegenwart des Auferstandenen, die erleuchtet und tröstet. (…)

Gerade, als alles zusammenbrach, begann Jesus wieder, durch die Straßen unseres Landes zu gehen. Er ist aus dem Tabernakel heraus gekommen und ist in den Schulen und in den Fabriken, in den Büros und in den Gefängnissen gegenwärtig geworden.

Kardinal François-Xavier Nguyen Van Thuan

Aus: Hoffnung, die uns trägt: Die Exerzitien des Papstes, Herder, Freiburg, 5. Auflage, 2002, S. 139 f.

12. Januar 2010 - Viele Feuer in der Stadt

Wenn man in einer Stadt an mehreren Stellen Feuer legte, nur ein kleines Feuer, das aber allen Versuchen, es auszulöschen, widerstände, würde in kurzer Zeit die ganze Stadt brennen.

Wenn man in einer Stadt an verschiedensten Stellen das Feuer entzündete, das Jesus auf die Erde gebracht hat, und dieses Feuer widerstände der frostigen Atmosphäre der Welt auf Grund des guten Willens der Bewohner, wäre die Stadt in kurzer Zeit von der Liebe Gottes entflammt.

Das Feuer, das Jesus auf die Erde gebracht hat, ist er selbst, die Liebe: jene Liebe, die nicht nur den Einzelnen mit Gott verbindet, sondern auch die Menschen untereinander. Wo ein solch göttliches Feuer brennt bedeutet das, dass Gott in Menschen, die sich ihm geschenkt haben, fortgesetzt die Führung hat; und - weil sie mit ihm eins sind, sind sie folglich untereinander eins. Zwei oder mehr Menschen, die im Namen Jesu vereint sind, die einander ohne Scheu erklären, dass sie Gott lieben möchten, und deren Ideal die Einheit in Christus ist, bilden eine göttliche Macht in der Welt.

Solche Menschen kann es überall geben, in jeder Stadt, in jeder Familie: Vater und Mutter, Sohn und Vater, Schwiegertochter und Schwiegermutter; in Pfarreien und Vereinen können sie sich finden, in Behörden, Schulen, Betrieben, überall.

Chiara Lubich

Aus: Alle sollen eins sein, München 1999, S. 53 (revidierte Fassung)

13. Januar 2010 - Der Welt den Vater zeigen

Ich weiß, dass du, allmächtiger Gott und Vater, das letzte Ziel meines Lebens bist, weswegen jedes meiner Worte und jedes meiner Gefühle dich ausdrücken möge.

Die Wortgewandtheit, die du mir zum Geschenk gemacht hast, ersehnt keinen anderen Lohn, als in deinem Dienst zu stehen und dich der Welt, die nichts von dir weiß (…) oder dich leugnet, bekannt zu machen und ihr zu zeigen, dass du Vater bist, Vater des eingeborenen [Sohnes] Gottes.

Nichts anderes möchte ich erreichen.

Hilarius von Poitiers

Aus: PL 10, 48

14. Januar 2010 - Menschen zur Verantwortung führen

Es wäre zu einfach, dich mit Menschen zu umgeben, die es gerne gemütlich haben, die am liebsten im Windschatten fahren, sich helfen und unterstützen lassen und die nur empfangen möchten. Du kannst dann zwar den großen Bruder spielen und dich unersetzlich machen.

Deine Aufgabe ist es aber, Menschen zur Verantwortung zu führen, damit sie auf eigenen Beinen stehen und ihres Namens würdig sind.

Es ist sehr schwierig, aber du musst dich dafür entscheiden, den andern aus ihrer Trägheit heraus zu helfen, damit sie ihren eigenen Verstand gebrauchen, sich selbst organisieren und, wenn nötig, sogar gegen deine Ideen opponieren.

Es wird dich glücklich machen zu sehen, wie sie mit dir wachsen.

Kardinal François-Xavier Nguyen Van Thuan

Aus: Spera in Dio!Città Nuova, Roma 2008, S. 42

15. Januar 2010 - Hirten und Gläubige, die aufeinander hören

Die Räume der Gemeinschaft müssen im gesamten Leben jeder Kirche Tag für Tag auf allen Ebenen gepflegt und ausgeweitet werden. Hier muss die Gemeinschaft zum Strahlen kommen in den Beziehungen zwischen Bischöfen, Priestern und Diakonen, zwischen Hirten und dem ganzen Volk Gottes, zwischen Klerus und Ordensleuten, zwischen kirchlichen Vereinigungen und Bewegungen. Zu diesem Zweck muss man die vom Kirchenrecht zur Mitarbeit in der Teilkirche vorgesehenen Organe, wie die Priester- und Pastoralräte, immer besser zur Geltung bringen. (…)

Theologie und Spiritualität der Gemeinschaft bewirken nämlich ein wechselseitiges Zuhören zwischen Hirten und Gläubigen.

Bezeichnend ist, woran der heilige Benedikt den Abt des Klosters erinnert, wenn er ihn auffordert, auch die jüngsten Mitglieder zu befragen: »Der Herr offenbart oft einem Jüngeren, was das Bessere ist«. Und der heilige Paulinus von Nola mahnt: »Wir wollen an den Lippen aller Glaubenden hängen, weil in jedem Gläubigen der Geist Gottes weht«.

Johannes Paul II.

Aus: Novo millennio ineunte, Nr. 45

16. Januar 2010 - Die “Zivilisation” der Gemeinschaft

Die Apostelgeschichte zeigt uns, wie alle entstehenden und sich ausbreitenden christlichen Gemeinschaften, die den Gesetzen eines lebendigen Organismus folgen, auf ein und dieselbe Lebenseinstellung gründen: Das verwirklichte Gebot Jesu ist der eigentliche Existenzgrund der Gemeinschaft. Dieser absolut neue und originelle Aspekt unterscheidet sie von den andern.

Man könnte das gesamte seelsorgerliche Wirken der Apostel auf einen Nenner bringen. Sie arbeiteten dafür, dass alle das Neue Gebot als die Zusammenfassung des Gesetzes und der Propheten leben: „Und dieses Gebot – so schreibt Johannes - haben wir von ihm: Wer Gott liebt, soll auch seinen Bruder lieben“ (1 Joh 4, 21).

Diese Gemeinschaft hatten die Apostel mit Jesus erfahren und so als erste wahrgenommen, dass das Reich Gottes unter ihnen war. Ihre Aufgabe sollte es sein, andere in diese Erfahrung mit hinein zu nehmen und einzubeziehen, gerade weil es um die ursprüngliche „Zivilisation“ geht, an der Gott uns Anteil geben wollte.

Silvano Cola

Aus: Scritti e testimonianze, Gen’s, Grottaferrata 2007, S. 57

17. Januar 2010 - “Rat geben” in der Kirche

Wie Kommunikation in der Urkirche vonstatten ging, können wir den Adjektiven und Adverbien entnehmen, mit denen die unterschiedlichen Arten von Kommunikation bezeichnet wurden. So soll beispielsweise der Austausch der Gaben des Geistes „zum Aufbau der Gemeinde“ (1 Kor 14, 12) erfolgen; prophetisch reden soll „einer nach dem andern. So lernen alle etwas“ (1 Kor 14, 31); alles soll „in Anstand und Ordnung“ geschehen (1 Kor 14, 40) und „in Demut” (Phil 2, 3) in den gegenseitigen Beziehungen; (…)

Man soll zusammenwachsen zu einem Leib, der „zusammengefügt [ist] und gefestigt in jedem einzelnen Gelenk“ (Eph 4, 15). In der Kommunikation, die der Ermahnung oder dem Tadel dient, soll man „im Geist der Sanftmut“ (Gal 6, 1) vorgehen und „freimütig“ (Eph 6, 10) sprechen.

In der Beobachtung dieser und anderer Qualitätsmerkmale der Kommunikation können wir einige Konstante wahrnehmen: die Ordnung, die Milde, die Sorgfalt, die Vorsicht, die Zuvorkommenheit, ein gewisses Organisationstalent, um Verwirrung und Zersplitterung zu vermeiden. (…) Rat geben geschieht im Innern der Kirche. Ziel ist dabei, Ordnung, Einheit, Demut und Milde herzustellen, der Impulsivität vorzubeugen sowie unsachlichen und ungelegenen Einwänden, um Ideen zu sammeln und zu bündeln.

Kardinal Carlo Maria Martini

Aus: Il consigliare nella Chiesa, An den Diözesanpastoralrat, 15. April 1989

18. Januar 2010 - Sich entwaffnen

„Es muss einem gelingen, sich zu entwaffnen. Ich habe diesen Kampf ausgefochten. Über viele Jahre. Es war schrecklich. Aber jetzt bin ich entwaffnet.

Ich fürchte mich vor nichts mehr, denn „die Liebe vertreibt die Angst“. Ich bin entwaffnet: es fehlt mir der Wille, zu siegen, mich auf Kosten der anderen zu rechtfertigen. Ich bin nicht mehr auf der Hut, eifersüchtig an meine Reichtümer geklammert.

Ich empfange und ich teile. Ich beharre nicht besonders auf meinen Vorstellungen, auf meinen Plänen. Wenn mir andere, bessere vorgeschlagen werden, nehme ich sie gern an.(…) Das, was gut, wahr, real ist, wo immer es auch sei, ist für mich das Beste.

Darum habe ich keine Angst mehr. Wenn man nichts mehr besitzt, hat man keine Angst mehr. „Was kann uns trennen von der Liebe Christi?“ (…)

Aber wenn wir uns entwaffnen, wenn wir uns entäußern, wenn wir uns dem Gott-Menschen öffnen, der alles neu macht, dann ist er es, der die schlechte Vergangenheit auslöscht und uns stattdessen eine neue Zeit gibt, in der alles möglich ist.“

Patriarch Athenagoras

Aus: Chiesa ortodossa e futuro ecumenico, Morcelliana, Brescia 1995, S. 209-211

19. Januar 2010 - Die Kraft des Vorbildes

Die Kirche muss an den weltlichen Aufgaben des menschlichen Gemeinschaftslebens teilnehmen, nicht herrschend, sondern helfend und dienend.

Sie muss den Menschen aller Berufe sagen, was ein Leben mit Christus ist, was es heißt, „für andere da zu sein“. Speziell wird unsere Kirche den Lastern der Hybris, der Anbetung der Kraft und des Neides und des Illusionismus als den Wurzeln alles Übels entgegen treten müssen. Sie wird von Maß, Echtheit, Vertrauen, Treue, Stetigkeit, Geduld, Zucht, Demut, Genügsamkeit, Bescheidenheit sprechen müssen.

Sie wird die Bedeutung des menschlichen “Vorbildes” (…) nicht unterschätzen dürfen; nicht durch Begriffe, sondern durch „Vorbild“ bekommt ihr Wort Nachdruck und Kraft.

Dietrich Bonhoeffer

Aus: Widerstand und Ergebung, München 1970, S. 193

20. Januar 2010 - Sich gegenseitig aufbauen

Wir alle sind noch in Entwicklung und darauf angewiesen, dass wir uns gegenseitig aufbauen und weiter helfen. Aber wie oft sind unsere persönlichen Beziehungen überschattet von voreiligen, einseitigen oder übertriebenen Einschätzungen, die einem vernichtenden Urteil gleich kommen. Wir sollten uns jedoch gegenseitig helfen und das Endgericht der Geduld Gottes überlassen. Dass wir von der Liebe Gottes angenommen sind, ist eine der größten Verheißungen im Neuen Testament. Lasst uns deshalb Diener Gottes sein und den Menschen vermitteln, dass sie von Gott angenommen sind.

George Herbert

Aus: Inviti alla Preghiera, Meriden-Stinehour Press, Cincinnati (USA) 1989, S. 23

21. Januar 2010 - Die Seele der ökumenischen Bewegung

Es gibt keinen echten Ökumenismus ohne innere Bekehrung (…). Deshalb müssen wir vom göttlichen Geiste die Gnade aufrichtiger Selbstverleugnung, der Demut und des geduldigen Dienstes sowie der brüderlichen Herzensgüte zueinander erflehen (…).

Auch von den Sünden gegen die Einheit gilt das Zeugnis des heiligen Johannes: "Wenn wir sagen, wir hätten nicht gesündigt. so machen wir ihn zum Lügner, und sein Wort ist nicht in uns" (1 Joh 1,10). In Demut bitten wir also Gott und die (…) Brüder um Verzeihung, wie auch wir unseren Schuldigern vergeben.

Alle Christgläubigen sollen sich bewusst sein, das sie die Einheit der Christen umso besser fördern, ja sogar einüben, je mehr sie nach einem reinen Leben gemäß dem Evangelium streben. (…)

Diese Bekehrung des Herzens und die Heiligkeit des Lebens ist in Verbindung mit dem privaten und öffentlichen Gebet für die Einheit der Christen als die Seele der ganzen ökumenischen Bewegung anzusehen; sie kann mit Recht geistlicher Ökumenismus genannt werden.

II. Vatikanisches Konzil

Aus: Unitatis redintegratio, Nr. 7-8

22. Januar 2010 - Damit die Welt glaube

Die bestehenden Spaltungen zwischen den Christen sind ein Ärgernis für die Welt und ein Hindernis für die Verkündigung des Evangeliums. Am Vorabend seines Leidens und Sterbens betete der Herr, umgeben von den Jüngern, innig darum, daß sie eins sein mögen, damit die Welt glauben könne (vgl. Joh 17,21).

Nur durch die brüderliche Gemeinschaft unter den Christen und durch die gegenseitige Liebe wird die Botschaft von der Liebe Gottes für jeden Mann und jede Frau glaubwürdig werden.

Jeder, der heute einen realistischen Blick auf die christliche Welt wirft, wird die Dringlichkeit dieses Zeugnisses entdecken.

Benedikt XVI.

Aus: Feier der „Göttlichen Liturgie“ zum Andreasfest, 30. November 2006

23. Januar 2010 - Die einen säen, die anderen ernten

Wer drängt die katholischen Priester dazu, sich soweit als möglich mit den Geistlichen anderer Traditionen zusammen zu tun? Das ist Jesus, der Gekreuzigte, der im Schrei seiner Verlassenheit alle Trennungen der Welt, alle Folgen unserer Sünden auf sich nehmen wollte. Seinetwegen suchen wir einander und lieben wir einander, seinetwegen hoffen wir und geben nicht auf, wenn das Ziel allzu hochgesteckt scheint.

Er, der am Wendepunkt der Geschichte jede Trennung der Welt und auch die Spaltung der Christen bezahlt hat, hat noch nicht die Frucht seines grenzenlosen Schmerzes gekostet. So ist er es also, der uns anspornt, zu säen, auch wenn andere ernten werden.

Er ist es, der uns auf das Wohl der Kirche blicken lässt, die nach uns kommt. Er macht uns klar: Wenn es keinen gibt, der anfängt und der durchhält, damit wird es auch niemanden geben, der das Werk zu Ende führen kann.

Chiara Lubich

Aus: Der Priester heute, der Ordensmann heute, hrsg. von Hagemann/Blaumeiser, S. 22

24. Januar 2010 - Frömmigkeit in allen Lebensberufen

Diejenigen, welche bisher das fromme Leben geschildert haben, taten es meistens zur Unterrichtung fast ganz von der Welt zurückgezogener Personen oder haben wenigstens eine Andacht gelehrt, die zu einem solchen abgeschlossenen Leben führt. Meine Absicht aber ist es, nun diejenigen, welche in Städten, auf dem Lande, an Höfen etc. leben, hierin zu unterrichten (…).

Die Biene, sagt Aristoteles, sammelt den Honig aus den Blumen, ohne sie zu beschädigen, sie lässt sie ungeknickt und ganz, wie sie dieselben angetroffen hat. Die Frömmigkeit aber tut noch mehr: nicht nur schadet sie durchaus keinem Lebensberufe, sondern sie schmückt und verschönert vielmehr jeden (…).

Es ist ein Irrtum, ja selbst eine wesentliche Abweichung von der kirchlichen Lehre, das fromme Leben von den fürstlichen Höfen verbannen zu wollen, es zu verbannen aus der Armee, aus der Werkstätte des Handwerkers, vom Hause verheirateter Personen (…). In welchem Stande wir auch seien, wir können und müssen im Ernste nach Frömmigkeit streben.

Franz von Sales

Aus: Philotea, Einführung und Kapitel 3

25. Januar 2010 - Das Gesetz Gottes

Das makellose Gesetz des Herrn besteht in einer Liebe, welche nicht das eigene Interesse verfolgt, sondern das der andern. Es wird Gesetz des Herrn genannt, weil es sein Leben ist und kein Mensch imstande ist, es zu erlangen ohne dessen Gnade (…).

Denn was bewahrt in der höchsten und seligen Dreieinigkeit die höchste und unbeschreibliche Einheit, wenn nicht die Liebe? Es gibt also ein Gesetz und zwar ein Gesetz des Herrn. Es ist die Liebe, welche die Dreifaltigkeit zusammenhält und sie mit einem Band des Friedens verschweißt (…). Sie ist das Wesen Gottes selbst (…).

Sie ist das ewige Gesetz, welches das Universum erschafft und lenkt.

Bernhard von Clairvaux

Aus: De diligendo Deo 12, 35

26. Januar 2010 - Gemeinsame Würde und Tätigkeit

Eines ist also das auserwählte Volk Gottes: "Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe" (Eph 4,5); gemeinsam die Würde der Glieder aus ihrer Wiedergeburt in Christus, gemeinsam die Gnade der Kindschaft, gemeinsam die Berufung zur Vollkommenheit, eines ist das Heil, eine die Hoffnung und ungeteilt die Liebe. Es ist also in Christus und in der Kirche keine Ungleichheit aufgrund von Rasse und Volkszugehörigkeit, sozialer Stellung oder Geschlecht; denn "es gilt nicht mehr Jude und Grieche, nicht Sklave und Freier, nicht Mann und Frau; denn alle seid ihr einer in Christus Jesus" (Gal 3,28 griech.; vgl. Kol 3,11).

Wenn also in der Kirche nicht alle denselben Weg gehen, so sind doch alle zur Heiligkeit berufen und haben den gleichen Glauben erlangt in Gottes Gerechtigkeit (vgl. 2 Petr 1,1). Wenn auch einige nach Gottes Willen als Lehrer, Ausspender der Geheimnisse und Hirten für die anderen bestellt sind, so waltet doch unter allen eine wahre Gleichheit in der allen Gläubigen gemeinsamen Würde und Tätigkeit zum Aufbau des Leibes Christi.

II. Vatikanisches Konzil

Aus: Lumen gentium, Nr. 32

27. Januar 2010 - Dialog zwischen Priestern und Laien

Das Prinzip der Kirche als Gemeinschaft, welches vom II. Vatikanischen Konzil und vielen nachfolgenden Dokumenten der katholischen Lehre bestätigt wurde, entspricht den neuen Herausforderungen und begeistert zu Recht vor allem jüngere Priester. Doch zugleich bringt es nicht wenige Schwierigkeiten mit sich. Es erfordert nicht nur die Einheit mit dem Bischof und den Mitbrüdern, sondern auch mit den Laien. Mit ihnen im Gespräch zu sein beinhaltet für den Priester, vor allem zuhören zu können. Dies fällt ihm aufgrund mangelnder Schulung zum Dialog und aufgrund einer bestimmten Prägung mitunter schwer.

Diesbezüglich könnte ich viele Erfahrungen erzählen. In der Zeit, als mir die Regierung verboten hatte, meinen Priesterberuf auszuüben, schloss ich mich im Untergrund Gruppen an, die von den Laien selbst geführt wurden. Es wäre politisch riskant gewesen, hätte ich die Leitung übernommen. So blieb mir nichts anderes übrig, als den Dialog zu erlernen. Dabei habe ich entdeckt, welche enorme Bedeutung er für den Aufbau einer Gemeinschaft hat.

Kardinal Miloslav Vlk

Aus: Spiritualità del sacerdote diocesano, Gen’s 26 (1996) S. 13

28. Januar 2010 - Das entscheidende Merkmal

Wie heißt jene Kraft, die den Leib der Gemeinde zusammenhalten kann, aber auch die Menschheit, die sich danach sehnt, in Christus geeint zu sein? Wir wissen es alle: es ist die Liebe - dieses außerordentliche Geschenk, diese unbeschreibliche Tugend!

Sie entströmt dem Wesen Gottes; die Liebe ist seine Botschaft an die Menschen, die sich von Geschöpf zu Geschöpf vermittelt. Wie ein königlicher und wohltuender Strom kommt die Güte Gottes zu uns. Gott liebt die Menschen und lädt sie ein, sich, wie aus einem inneren Impuls heraus, auch untereinander zu lieben.

Dies ist das große Gesetz, das die Kirche ausmacht. Und obwohl die Liebe in der Theorie leicht verkündet, wortreich beschrieben und von allen bekräftigt werden kann, ist sie dagegen in der praktischen Umsetzung anspruchsvoll und anstrengend. Und trotzdem ist sie nicht nur immer möglich und anwendbar, sondern zugleich das entscheidende Merkmal, das den Grad des kirchlichen Lebens anzeigt.

Paul VI.

Aus: Alla parrocchia di S. Maria Consolatrice, Insegnamenti/2, Città del Vaticano 1964, S. 1072-1073

29. Januar 2010 - Zusammenarbeit von Priestern und Laien

«Weil verschieden und komplementär, sind alle Dienste und Charismen, jeder seiner Art entsprechend, für das Wachstum der Kirche notwendig» (ChL 27). «Wir alle, Hirten und Gläubige, sind dazu verpflichtet, in gegenseitiger Wertschätzung, Wohlwollen und Bereitschaft zur Mitarbeit zwischen den verschiedenen Formen der Zusammenschlüsse von Laien dauerhafte Bande und geschwisterliche Beziehungen zu fördern und zu nähren» (ChL 31).

Damit diese wünschenswerte Zusammenarbeit zu Stande kommt und dauerhaft bleibt, braucht es Priester und Laien, die auf Christus und nicht auf sich selbst ausgerichtet leben. Sie sind gerufen, das Reich Gottes voran zu bringen und nicht ihre eigenen Interessen oder die ihrer Gruppe. Machtkämpfe sollten ihnen fern sein.

Paulus hatte nur einen Wunsch. Er wollte, dass Christus verkündigt würde (vgl. Phil 1, 15-19). Er untersagte der Gemeinde von Korinth, von der Partei des Paulus, des Apollo, des Kefas oder Christi zu sprechen (vgl. 1 Kor 1, 10-16). Wenn sich die Priester auf Gebet, Bescheidenheit und Handlungsbereitschaft dem Willen Gottes gegenüber einlassen, wird ihnen Jesus selbst nahe bringen, welches die beste Form der Beziehung zu den Laien ist.

Kardinal Francis Arinze

Aus: Riflessioni sul sacerdozio, LEV, Città del Vaticano 2008, S. 94

30. Januar 2010 - Der Geist führt

Wir leben in einer Zeit, in welcher der Geist von verschiedenen Seiten bestimmte Schemata aufzubrechen scheint: in sich geschlossene spirituelle Prägungen, kleine Welten, die zu der geschichtlich gewachsenen existenziellen Wirklichkeit nicht in Beziehung stehen.

In einer Gesellschaft, in der sich die Organismen darin unterscheiden, ihr eigenes persönliches Profil zu suchen und Partikularinteressen zu verfolgen, versucht der Geist, den Menschen zum wahrhaft echten Wert zurückzuführen, dem Gott in Jesus absolute Priorität gegeben hat: dem Wert der Beziehung der Liebe und Gemeinschaft zwischen einzelnen Menschen, unter Ordensgemeinschaften, zwischen Ordenschristen und Diözesanpriestern, zwischen dem „Stand der Vollkommenheit“ und jenem, den Igino Giordani als „Proletariat des Geistes“ bezeichnet hat (…).

Gott ist dreifaltige Gemeinschaft und im Hinblick auf die Menschen, die er ins Leben gerufen hat, verfolgt er kein wichtigeres Ziel, als sie in eine ihm ähnliche Gemeinschaft zu führen.

Silvano Cola

Aus: Scritti e testimonianze, Gen’s, Grottaferrata 2007, S. 56

31. Januar 2010 - Ein Gott der Jugend und Freude

Um Jugendliche vom Weg der Tugend abzuhalten, benutzt der Widersacher vor allem zwei Methoden.

Zum einen lässt er ein Leben im Dienst an Gott als etwas Trostloses erscheinen, das weder Vergnügen noch Freude bereitet. Das stimmt aber nicht, liebe Jugendliche. Ich möchte euch zeigen, dass ein christliches Leben sehr wohl auch heiter und zufrieden stellend sein kann. Dafür lehre ich euch echtes Vergnügen und wahrhafte Freude, denn so könnt ihr mit dem Propheten David sagen: Wir dienen dem Herrn in heiliger Freude, servite Domino in laetitia (…).

Zum andern vermittelt er die Hoffnung auf ein langes Leben, das eine Bekehrung noch im Alter oder im Augenblick des Todes möglich macht (…). Wer aber kann uns mit Sicherheit sagen, dass wir alt werden? Wir müssten einen Pakt mit dem Tod schließen, erst zu erscheinen, wenn wir so weit sind. Aber Leben und Tod liegen in der Hand Gottes. Und sollte euch Gott ein langes Leben gewähren, so glaubt mir: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr (…). Wenn wir jetzt, wo wir noch jung sind, ein gutes Leben führen, werden wir auch im vorgerückten Alter so leben. Unser Tod wird gut sein und damit der Beginn der ewigen Glückseligkeit.

Don Bosco

Aus: Scritti e testimonianze, Gen’s, Grottaferrata 2007, S. 56

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