Priester in der Fokolar-Bewegung

Impulse zum Priesterjahr

Februar 2010

1. Februar 2010 - Taufe und Glaube verbinden alle

Die gesamte Kirche Gottes ist aufgebaut in unterschiedlichen hierarchischen Stufen, damit die einzelnen Glieder den heiligen Leib in seiner Ganzheit darstellen. Aber „alle – so der Apostel – sind in Christus eins“. Deshalb ist niemand losgelöst von der Aufgabe, die einem andern zufällt, und jedes noch so geringe Glied ist direkt mit dem Haupt verbunden.

Das unteilbare Band, das zwischen uns besteht, und die Würde, die uns allen zukommt, gründen in der Einheit des Glaubens und der Taufe. Denn so drückt es Petrus auf heilige und maßgebliche Weise aus: „Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen, zu einer heiligen Priesterschaft, um durch Jesus Christus geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen.“ Und weiter: „Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde” (1 Petr 2, 5. 9).

Leo der Große

Aus: Omelie 4, 1

2. Februar 2010 - Maria, Hüterin von Freiheit und Gleichheit

Eine Mutter sieht ihre Kinder immer zunächst als Kinder, unabhängig von deren Aufgabe oder Rolle; Maria sieht in den Gliedern des Leibes Christi einfach ihren Sohn, den sie unter dem Kreuz angenommen hat (vgl. Joh 19,26), unabhängig davon, was diese aufgrund ihrer unterschiedlichen Aufgaben für und in der Kirche tun müssen.

Maria hebt das Sein ins Licht, in seiner reinsten Form Aus diesem entwickelt sich dann – in vielfältigen Handlungen – das Tun, das, insofern es ein Sein ist, sich nicht in Handlungen erschöpft noch sich mit ihnen ganz identifizieren lässt.

Sie ist mit dem Vater Hüterin von Freiheit und Gleichheit innerhalb des Volkes Gottes (…). Gleichheit ist nicht Gleichmacherei, denn ihre Quelle entströmt der Dreifaltigkeit, wo jeder der Drei der Eine ist – also den Andern Beiden gleich, aber mit unwiederholbarer eigener Existenz.

Giuseppe Maria Zanghí

Aus: Dio che è Amore, Città Nuova, Roma 20043, S. 139.141

3. Februar 2010 - Sakrament des Ursprungs

Jeder in der Kirche kommt von Jesus Christus her, da in ihn hineingetauft und mit seinem Geist beschenkt. Jeder bringt – wenigstens dann, wenn er das auszeugt, was in ihm grundgelegt ist – Jesus Christus mit, Jesus Christus ein in die kirchliche Gemeinschaft (…). Jeder ist in bestimmter Hinsicht „Ansatzpunkt“ von Kirche (…).

Dies macht indessen die repraesentatio Christi capitis [Vergegenwärtigung Christi als Haupt] für die Einheit der Kirche keineswegs überflüssig (…).

Es gibt eine der Kirche eingestiftete Bevollmächtigung dazu, sie in der Verbindung mit dem Ursprung und in der Einheit als Sakrament dieses Ursprungs zu erhalten.

Klaus Hemmerle

Aus: Zwischen Bistum und Gesamtkirche. Ekklesiologische Vorbemerkungen zu Fragen kirchlicher Strukturen.
In: Internationale Katholische Zeitschrift 1974, Nr. 1, S. 29

4. Februar 2010 - Wenn der Priester Ich sagt, muss er Du sagen

In der Eucharistie ist Christus der ganz und gar für uns Hingegebene. (…) Doch auch dieses sein Geben, die Vollmacht, uns Gott zu geben, will er aus seiner Hand geben und uns anvertrauen, seinen Freunden anvertrauen, den Priestern. Tut ihr für die Kirche, tut ihr für die Gemeinde, was ich getan habe. Ich schenke mich euch, sodass ihr lebendige, fortdauernde Gebärde meines Schenkens seid. Handelt in meiner Person, handelt so, dass ich selber in euch handle. (…)

Dann aber kann der Priester nur Priester sein, wenn er zugleich im Innersten Christi wohnt, wenn er ganz und gar mit seinem Leben und seiner Liebe verbunden ist – und wenn er aus dieser Christusverbindung heraus der Entäußerte, der ganz klein und arm und einfach Gewordene ist.

Wenn der Priester Ich sagt, muss er Du sagen zu Christus, weil Christus selber in ihm Ich sagen will.

Klaus Hemmerle

Aus: Der Priester heute, der Ordensmann heute, hrsg. von Hagemann/Blaumeiser, S. 60

5. Februar 2010 - Schlicht und unbetont

Der Klerus hat das Wort zu predigen, aber die Predigt ist nicht die Gestalt des Wortes Gottes, sondern nur seine Vermittlung. Das Evangelium dient nicht der Verkündigung und ist nicht eine Fundgrube und ein Zitatenschatz für den Kanzelredner, vielmehr hat die Predigt hinführende Funktion zum Evangelium, wie es in sich selbst ist.

Dasselbe gilt vom Katechismus und allen übrigen Notbehelfen christlicher Unterweisung (…).

Dasselbe gilt, auf einer anderen Stufe, auch für die Liturgie im Ganzen und im Einzelnen: so wichtig es ist, dass das Christenvolk in würdiger Weise das Gedenkmal des Leidens Christi feiert, so wesentlich (eben wegen der Wichtigkeit des vorigen) ist es, dass es durch alle Zeremonien hindurch sogleich den Sinn und die Sache finde und im Zeremoniellen, so schön und würdig es sein mag, nirgends den Endzweck sehe. Das Schlichte und Unbetonte verdient hier den Vorzug vor dem Prunkvollen und Schauspielhaften, mag das Volk mehr Mitspieler oder Zuschauer sein.

Hans Urs von Balthasar

Aus: Sponsa Verbi, Einsiedeln 1961, S. 429

6. Februar 2010 - Transparenz für Jesus

Darum sind die Priester aufgerufen, die Gegenwart Christi, des einen Hohenpriesters, dadurch fortzusetzen, dass sie seinen Lebensstil mit ihrem Leben bezeugen und in der ihnen anvertrauten Herde gleichsam an sich selbst transparent werden lassen. (…)

Die Priester sind in der Kirche und für die Kirche eine sakramentale Vergegenwärtigung Jesu Christi, des Hauptes und Hirten; sie verkünden mit Vollmacht sein Wort, sie wiederholen sein vergebendes Wirken und sein umfassendes Heilsangebot, vor allem durch die Taufe, die Buße und die Eucharistie, sie sorgen wie er liebevoll bis zur völligen Selbsthingabe für die Herde, die sie in der Einheit sammeln und durch Christus im Geist zum Vater führen.

Mit einem Wort, die Priester leben und handeln für die Verkündigung des Evangeliums an die Welt und für den Aufbau der Kirche im Namen und in der Person Christi, des Hauptes und Hirten.

Johannes Paul II.

Aus: Pastores dabo vobis, Nr. 15

7. Februar 2010 - Nicht sein und nicht haben

Im Johannes-Evangelium begegnen uns häufig Worte Jesu der Art: „Was ich euch sage, kommt nicht von mir, sondern von meinem Vater…. Die Werke, die ich tue, sind nicht meine, sondern die des Vaters….“.

Jesus scheint seinem Vater gegenüber auf jede Form der Autonomie zu verzichten. Er verliert seine Autonomie und ist doch Jesus, jene menschlich-göttliche Person, die zu einem bestimmten geschichtlichen Zeitpunkt Mensch geworden ist: äußerlich von der Kultur und den Strukturen seiner Zeit geprägt, in Wirklichkeit aber ganz frei, weshalb er fähig wurde, sein Leben hinzugeben und „für die Menschheit“ in den Tod zu gehen.

Und niemand hat eine größere Liebe, ist also der Vollkommenheit Gottes näher, als wer sein Leben für die andern gibt. Das Leben geben setzt voraus, von sich und den Personen losgelöst zu sein, auf seine Güter und die eigenen Ideen zu verzichten, ebenso auf die eigene Kultur und geistliche Prägung sowie auf die eigenen Initiativen: also nach den evangelischen Räten zu leben. (…)

Was ist der Gehorsam anderes als Armut: nicht sein und nicht haben? Was ist der Gehorsam anderes als Keuschheit: also einfach zu sein und ohne Anhänglichkeit an sich selbst, an die andern und die materiellen Dinge?

Silvano Cola

Aus: Scritti e testimonianze, Gen’s, Grottaferrata 2007, S. 75

8. Februar 2010 - Das liebevolle Herz nicht verleugnen

Darum muss die Strenge mit großer Behutsamkeit angewendet werden, wenn es sich darum handelt, bei den Untergebenen eine Sündenwunde durch Strafen zu verbinden; und man muss den Fehlenden gegenüber vom Züchtigungsrecht in einer Weise Gebrauch machen, dass sich dabei ein liebevolles Herz nicht verleugnet.

Es soll so sein, dass das Mitleid den Vorsteher den Untergebenen gegenüber als Mutter, die Strenge aber als Vater erscheinen lässt; dabei ist sorgsam darauf zu schauen, dass die Strenge nicht zur Härte, dass das Mitleid nicht zur Schwäche werde. (…) Strenge und Milde verlieren ihren Wert, sobald die eine ohne die andere angewendet wird.

Gregor der Große

Aus: Pastoralregel 2, 6, In: BKV, München 1933, S. 107 f.

9. Februar 2010 - Die radikale Gemeinschaftsform des Amtes

Das geweihte Amt hat eine radikale "Gemeinschaftsform" und kann nur als "Gemeinschaftswerk" erfüllt werden (…)

Der Dienst der Priester ist vor allem verantwortungsvolle und notwendige Verbundenheit und Mitarbeit am Dienst des Bischofs in der Sorge um die Universalkirche und um die einzelnen Teilkirchen; für den Dienst an ihnen bilden sie zusammen mit dem Bischof ein einziges Presbyterium.

Jeder Priester, ob Welt- oder Ordenspriester, ist mit den anderen Mitgliedern dieses Presbyteriums aufgrund des Weihesakraments durch besondere Bande der apostolischen Liebe, des Dienstes und der Brüderlichkeit verbunden. Denn alle Welt und Ordenspriester haben teil an dem einen Priestertum Christi, des Hauptes und Hirten, "sie arbeiten für das gleiche Anliegen, nämlich für den Aufbau des Leibes Christi, der vielfältige Tätigkeiten und vor allem in der heutigen Zeit Neuanpassungen erfordert" und im Laufe der Jahrhunderte mit immer neuen Charismen bereichert wird.

Johannes Paul II.

Aus: Pastores dabo vobis, Nr. 17

10. Februar 2010 - Kraft aus der Einheit im Presbyterium

Die Einheit der Priester mit den Bischöfen wird in unseren Tagen um so mehr gefordert, als heute aus vielerlei Gründen das Apostolat notwendigerweise nicht nur verschiedene Formen annimmt, sondern auch die Grenzen einer Pfarrei oder einer Diözese überschreitet. Kein Priester kann abgesondert und als einzelner seine Sendung hinreichend erfüllen, sondern nur in Zusammenarbeit mit anderen Priestern, unter Führung derer, die die Kirche leiten. (…).

Die einzelnen Priester sind also mit ihren Mitbrüdern durch das Band der Liebe, des Gebetes und der allseitigen Zusammenarbeit verbunden. So wird jene Einheit sichtbar, durch die nach Christi Willen die Seinen vollkommen eins sein sollten, damit die Welt erkenne, dass der Sohn vom Vater gesandt ist.

II. Vatikanisches Konzil

Aus: Presbyterorum ordinis, Nr. 7-8

11. Februar 2010 - Von Priestern, die die Einheit suchen

ER sagt: „Das Böse in der Welt, ebenso wie das Böse in den Menschen und in den Priestern der Kirche, kommt ausschließlich von der fehlenden Einheit, also davon, dass sie sich von ihrem Zentrum entfernen und sich Illusionen hingeben (…). So entfernen sie sich von ihrer wesentlichen Grundlage und von dem, was eigentlich ihr einziges Zentrum sein sollte: die Einheit!

Die Blume im Knopfloch meiner Kirche ist die Einheit. Jene Einheit, von der viele nichts wissen und die andere gering schätzen, obwohl sie der Widerschein des Göttlichen ist und damit nicht nur eines der Attribute Gottes, sondern vielmehr das Wesen Gottes selbst: das ist die Einheit! (…)

Wenn die Priester also mit ihrem Ziel und ihrer göttlichen Berufung in Übereinstimmung sein wollen, müssen sie sich in der Einheit heiligen. (…).

Ich träume davon, dass die Priester in mir vollkommen eins sind, untereinander und (…) mit meinen Gesandten auf Erden. Einssein im Gehorsam, ja, mehr noch Einssein der Absichten, der Gefühle, der Seelen und der Wünsche: zu meiner Ehre.“

Conchita Cabrera De Armida

Aus: Sacerdoti di Cristo, Città Nuova, Roma 2008, S. 469

12. Februar 2010 - Verbunden wie die Saiten einer Zither

Mehr als jeder andere hat der Bischof die Gnade, die Bedürfnisse der jeweiligen Ortskirche zu verstehen, deren Fundament und Hirte er ist. Wenn der Priester seinen Bischof aufrichtig liebt, sich völlig eins macht mit ihm, sich ihm bereitwillig und gehorsam zur Verfügung stellt, wie Jesus es dem Vater gegenüber getan hat, dann wird ihm klar werden, wir er seinen Auftrag am besten erfüllen und wie er sich zusammen mit dem Bischof für die Bedürfnisse der Diözese einsetzen kann. (…)

Man möge auf die Priester das Lob anwenden können, das Ignatius von Antiochien den Ephesern aussprach: “…denn euer Presbyterium, das seinen Namen mit Recht trägt, das gottwürdige, ist mit dem Bischof so in Harmonie verbunden wie die Saiten einer Zither.”

Chiara Lubich

Aus: Der Priester heute, der Ordensmann heute, hrsg. von Hagemann/Blaumeiser, S. 19

13. Februar 2010 - Wie Vater und Sohn

Der Gehorsam im Binnenraum der Kirche und der kirchlichen Gemeinschaften beinhaltet eine Dimension, die dem Aufbau des einen Leibes dient.

Dem Bischof gehorchen heißt, dem gehorchen, der Werkzeug Gottes für das Heil ist, heißt Gott selbst gehorchen. Ignatius von Antiochien schreibt: „Ich weiß, dass eure heiligen Priester die jugendliche Erscheinung ihres Bischofs nicht ausgenutzt haben, und, weil sie um die Dinge Gottes wissen, sich ihm unterwerfen, oder besser sich in ihm dem Vater Jesu Christi unterwerfen, der der universale Bischof ist.“ (An die Magnesier 3, 1)

Und Hieronymus: „Stell dich unter den Bischof und betrachte ihn als Vater deiner Seele. Die Haltung von Kindern ist die Liebe, Diener dagegen haben Angst.“ (Brief 52, 7)

Silvano Cola

Aus: Scritti e testimonianze, Gen’s, Grottaferrata 2007, S. 87

14. Februar 2010 - Die besondere Sendung des Petrus

»Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!« Auf dieses vom Geist erfüllte Glaubensbekenntnis des Petrus antwortet Jesus: »Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen (…). Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben.«

Dies ist das erste Mal, dass Jesus von der Kirche spricht, deren Sendung in der Verwirklichung des großartigen Planes Gottes besteht, in Christus die ganze Menschheit zu einer einzigen Familie zu versammeln. Die Sendung des Petrus und seiner Nachfolger besteht gerade im Dienst an dieser Einheit der einen Kirche Gottes, die aus Juden und Heiden gebildet ist; sein unverzichtbarer Dienst besteht darin, es Wirklichkeit werden zu lassen, dass sich mit ihr nie nur eine einzige Nation, eine einzige Kultur identifiziert, sondern dass sie die Kirche aller Völker ist, um unter den Menschen (…) den Frieden Gottes, die Einheit all derer gegenwärtig zu machen, die in Christus zu Brüdern und Schwestern geworden sind:

Darin also besteht die besondere Sendung des Papstes, des Bischofs von Rom und Nachfolgers Petri.

Benedikt XVI.

Aus: Angelus, 24. August 2008

15. Februar 2010 - Die gemeinsame Mitte der Amtsträger

Ein Pfarrer, der schlechterdings nur seine Gemeinde sähe, sein priesterliches Wirken nur auf sie hin orientierte, unterböte das Maß seines Dienstes, den er im Presbyterium seines Bistums zu tun hat; ein Bischof, der nur für sein Bistum da wäre und sich nicht zugleich als Bischof der Weltkirche verstünde, unterböte ebenso seinen Dienst.

Der Bezug zum je größeren Ganzen erfordert zweifelsohne den Gehorsam, will sagen die Hinordnung auf die repraesentatio Christi capitiis für die „höhere“ Ebene. Damit allein ist es aber noch nicht getan. Die „je eigene“ Zuständigkeit des Amtsträgers muss eingebracht werden ins Mitsein mit den andern, die den gleichen Dienst tun. (…) Nur so wird deutlich, dass der einzelne Amtsträger sich nicht selbst mit dem caput Christi verwechselt, sondern um die Relativität seiner eigenen Repräsentationsaufgabe weiß.

Dass Christus als caput im Amtsträger handelt, hebt ja nicht auf, dass Christus als caput je über jedem Amtsträger steht: dieses Darübersein aber muss selbst noch Gestalt gewinnen (…), wenn die Amtsträger zwischen sich jenen Raum lassen, in welchem Christus als gemeinsame Mitte aufgeht.

Klaus Hemmerle

Aus: Zwischen Bistum und Gesamtkirche. Ekklesiologische Vorbemerkungen zu Fragen kirchlicher Strukturen.
Internationale Katholische Zeitschrift 1974, Nr. 1, S. 29

16. Februar 2010 - Freiheit von sich selbst

Gehorsam bedeutet, von sich arm zu sein. Man sagt, dies sei das schwerste, denn es ist noch machbar, auf etwas oder auf jemand zu verzichten, der außerhalb von mir ist. Auf sich selbst zu verzichten, scheint beschwerlich zu sein.

Vielleicht liegt es daran, dass wir nicht verstanden haben, wie notwendig und konstruktiv ein solcher Verzicht ist: denn unsere Freiheit wird von nichts so sehr konditioniert wie von der Anhänglichkeit an uns selbst. Es liegt in unserer Natur, dass wir als Geschöpfe dazu neigen, uns den andern gegenüber zu behaupten, während das Gesetz des Lebens gerade darin besteht, sich selbst zurückzunehmen, um dem andern Raum zu geben (…).

Was ist der Gehorsam im Wesentlichen? Er ist absolute Liebe. Wer ganz und gar Liebe ist, (…) folgt nicht mehr seinem Willen, sondern dem des andern. Die Durchsetzung seiner persönlichen Ziele ist ihm weniger wichtig, als die Förderung der Initiativen der andern. Und wenn der Nächste, der in deiner Nähe ist oder mit dir unter einem Dach lebt, ganz zufällig dir gegenüber dasselbe tut, dann lebt in diesem Kreislauf der Liebe die Liebe schlechthin.

Dann tritt nicht mehr deine Initiative oder die des andern zutage, nicht mehr dein Willen oder der des andern, sondern der Wille Gottes.

Silvano Cola

Aus: Scritti e testimonianze, Gen’s, Grottaferrata 2007, S. 74-75

17. Februar 2010 - Wie der Gehorsam sehend macht

Solange du nicht gehorsam bist, wirst du nie sehen können….

Solange du taub bist für die Stimme dessen, der befiehlt, wirst du blind bleiben.

Gehorche also mit ganzem Herzen, dann wird dein Auge die Gabe der Kontemplation erhalten…

Gott verleiht dem Herzen Augen, wenn er dem Gehorsamen das Licht der Kontemplation schenkt.

Antonius von Padua

Aus: Discorsi II

18. Februar 2010 - Vom Reden und Schweigen

Somit bedarf der Ranghöhere zum Reden der demütigen Autorität, der Rangniedrigere der freimütigen Demut. Doch wird unter den Menschen die Ordnung der Rede oft durcheinander gebracht (...): Da redet einer in stolzer Aufgeblasenheit und meint, er spreche in der Vollmacht der Freiheit, ein anderer schweigt in törichter Furcht und glaubt, er schweige aus Demut. (...)

Denn während jener auf die ihm Untergebenen blickt und den, dem alle unterworfen sind, übersieht, wird er überheblich und brüstet sich unter dem Deckmantel der Autorität in Überheblichkeit. Und während dieser fürchtet, die Gunst des Vorgesetzten zu verlieren und dadurch zeitlichen Schaden zu erleiden, schweigt er nicht selten, verheimlicht, was er für richtig erkannt hat, und hält die Furcht, die ihn erfüllt, für Demut. Im Stillen aber verurteilt er den, dem er nichts sagen will, und so geschieht es, das er sich gerade dort für demütig hält, wo er umso überheblicher ist.

Freimut und Überheblichkeit, Demut und Furcht sind daher stets zu unterscheiden, damit sich die Furcht nicht als Demut, die Überheblichkeit nicht als Freimut tarne.

Gregor der Große

Aus: Predigten zu Ezechiel I, IX 1, 9; 12, 13

19. Februar 2010 - Priesterliche Existenz und christliches Leben

Der Hieroglyphe einer priesterlichen Existenz ist alles in allem nicht wesentlich geheimnisvoller und schwerer zu lesen als die des christlichen Lebens überhaupt, das als solches “ein Gestorben-und-Auferstandensein mit Christus”, ein “Nicht-mehr-ich-lebe” ist, eine Existenz aus der Dankbarkeit und dem übernommenen Auftrag, in welchem christlichen Stand der einzelne sich nun befinden mag.

Hans Urs von Balthasar

Aus: Sponsa Verbi, Einsiedeln 1961, S. 431

20. Februar 2010 - Ein Schatz in zerbrechlichen Gefäßen

Wir verkündigen nämlich nicht uns selbst, sondern Jesus Christus als den Herrn, uns aber als eure Knechte um Jesu willen.

Diesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen; so wird deutlich, dass das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt.

Von allen Seiten werden wir in die Enge getrieben und finden doch noch Raum; wir wissen weder aus noch ein und verzweifeln dennoch nicht; wir werden gehetzt und sind doch nicht verlassen; wir werden niedergestreckt und doch nicht vernichtet. Wohin wir auch kommen, immer tragen wir das Todesleiden Jesu an unserem Leib, damit auch das Leben Jesu an unserem Leib sichtbar wird.

Denn immer werden wir, obgleich wir leben, um Jesu willen dem Tod ausgeliefert, damit auch das Leben Jesu an unserem sterblichen Fleisch offenbar wird.

So erweist an uns der Tod, an euch aber das Leben seine Macht.

2 Kor 4, 5.7-12

21. Februar 2010 - Die Absicht Gottes in der Prüfung

Lieber und teurer Freund, während du von Schlägen heimgesucht und mit Hieben der göttlichen Zurechtweisung gezüchtigt wirst, verzweifle nicht in deinem Herzen und lass dir keine Seufzer der Klage entweichen. Die bittere Wehmut umhülle dich nicht ganz und gar, und die Verzagtheit mache dich nicht unruhig.

Auf deinem Antlitz leuchte stets die Gelassenheit und in deinem Herzen die Freude. Auf deinen Lippen sei der Dank.

Loben muss man in der Tat die Führung Gottes, der die Seinen für kurze Zeit hart trifft, um sie der ewigen Pein zu entreißen. Er drückt nieder, wen er erheben, er beschneidet, wen er heilen, er schlägt zu Boden, wen er in die Höhe tragen will.

Petrus Damianus

Aus: Briefe, Buch 8, 6

22. Februar 2010 - Die Krise des Andersseins

Wir Priester, sowohl die jungen als auch die bereits älteren, müssen selbst lernen, dass das Leid, die Krise notwendig sind. Wir müssen dieses Leid ertragen, über das Leid hinausgehen. Nur so wird das Leben reich.

Die Tatsache, dass der Herr auf ewig die Wundmale trägt, hat für mich symbolische Bedeutung. Ausdruck der Grausamkeit des Leidens und des Todes, sind sie jetzt Siegel des Sieges Christi, der ganzen Schönheit seines Sieges und seiner Liebe zu uns.

Sowohl als Priester als auch als Eheleute müssen wir die Notwendigkeit akzeptieren, die Krise des Andersseins des anderen, die Krise, in der ein Zusammenbleiben nicht mehr möglich erscheint, zu ertragen.

Benedikt XVI.

An die Priester der Diözese von Albano, 31. August 2006

23. Februar 2010 - Die Leiden der Kirche mittragen

Das Bild der Kirche, teils strahlend, teils verdunkelt, sollte sich in jedem Christen, in jeder Gruppe von Christen widerspiegeln. Dass bedeutet, sich nicht nur über die immer neuen Aufbrüche zu freuen und sich nicht nur die Freuden und Hoffnungen der Kirche zu Eigen zu machen, sondern auch ihre Schmerzen: das Trauma der getrennten Kirchen, schmerzliche Situationen und Proteste, die Infragestellung von manchem Altbewährten, den Schmerz derer, welche die göttliche Heilsbotschaft nicht annehmen können (…).

Mir kam der Gedanke, dass eigentlich alle Christen die Stigmata tragen müssten, nicht sichtbar, aber geistigerweise. Ich glaubte zu verstehen, dass die Stigmata der Christen unserer Zeit die Wunden der heutigen Kirche sind.

Wenn wir nicht darunter leiden, sind wir wohl noch nicht so von der Liebe Christi durchdrungen, wie Gott es wünscht.

Chiara Lubich

Aus: Alles besiegt die Liebe, München 1998, S. 205 f.

24. Februar 2010 - Der kirchlich gesinnte Mensch

Der kirchlich gesinnte Mensch (…) leidet bewusst unter dem, was den ganzen Leib der Kirche lähmt, beschwert oder verletzt (…). Die inneren Probleme der Kirche schmerzen ihn. Er glaubt an eine Kirche, die in all ihren Gliedern rein ist, geeint, aufmerksam für die Anfragen der Menschen, aktiv in ihrem Zeugnis, brennend in ihrem Durst nach Gerechtigkeit, geistlich in allem, in Distanz zu jedweder Nachgiebigkeit gegenüber der Welt und ihrer Unwahrhaftigkeit (…).

Er läuft keinem utopischen Traum hinterher und macht sich keine übertriebenen Vorwürfe. Er findet sich nicht damit ab, dass die Jünger Christi (…) sich manchmal von den ideologischen Strömungen ihrer Zeit ausbremsen lassen. Er hat einen unmittelbaren Blick für das Gute. Er freut sich daran und bringt es zum Leuchten. Dabei verschließt er nicht die Augen vor dem Elend und dem Versagen, das die einen nicht wahrhaben wollen und über das sich die andern ärgern (…).

Er weiß, es braucht Erneuerung, wenn unselige Neuerungen verhindert werden sollen. Er weiß auch, dass der Elan zur Reform zur Natur der Kirche gehört (…). Bevor er den Elan bei andern kritisiert, sucht er diesen in eine gute Richtung zu lenken.

Henri De Lubac

Aus: Méditation sur l’Eglise, Paris 1968, S. 205-206

25. Februar 2010 - Antwort der Liebe auf die Gewalt

Das Böse, jede Form von Egoismus und Hass bekämpfen und sich selbst entsagen, um in Gott zu leben, das ist der asketische Weg, den jeder Jünger Jesu zu gehen berufen ist – mit Demut und Geduld, mit Großmut und Beharrlichkeit. (…).

Wir könnten sagen, dass diese innere Haltung uns hilft, auch besser deutlich zu machen, was die christliche Antwort auf die Gewalt sein muss, die den Frieden in der Welt bedroht. Sicher nicht Rache, Hass, ebenso wenig Flucht in einen falschen Spiritualismus.

Die Antwort dessen, der Christus nachfolgt, ist vielmehr, den Weg zu gehen, den er gewählt hat, als er angesichts der Übel seiner Zeit und aller Zeiten entschlossen das Kreuz auf sich nahm und den längsten, aber wirksamsten Weg der Liebe ging.

Benedikt XVI.

Aus: Ansprache am Aschermittwoch, 1. März 2006

26. Februar 2010 - Die große Liebe des Priesters

Der gekreuzigte Jesus muss das große Ideal des Priesters sein. Ihm ähnlich zu werden, innerlich und äußerlich, muss sein einziges Bestreben auf Erden sein.

Der gekreuzigte Jesus: für den Priester ist er das Buch, die Meditation, das Beispiel, das Ideal und die Liebe schlechthin. Denn es ist der Wahnsinn des Kreuzes, der in der Seele die göttliche Liebe entzündet (…).

Der ans Kreuz genagelte Christus, der auf dem Altar und vor allem in seinem Herzen Gekreuzigte mit seinen unglaublichen mystischen und zugleich realen Schmerzen: das ist der kostbare Talisman des heiligmäßigen Priesters.

Conchita Cabrera De Armida

Aus: Sacerdoti di Cristo, Città Nuova, Roma 2008, S. 369

27. Februar 2010 - Erfolg oder Niederlage: alles ist Gnade

Warum fühlst du dich entmutigt, obwohl du für Gott arbeitest? Wenn es schwierig wird, solltest du dich glücklich schätzen wie Johannes und Petrus, als sie dem Hohen Rat ausgeliefert wurden: „Sie aber gingen weg vom Hohen Rat und freuten sich, dass sie gewürdigt worden waren, für seinen Namen Schmach zu erleiden.“ (Apg 5, 41) oder wie Paulus „Trotz all unserer Not bin ich von Trost erfüllt und ströme über von Freude" (2 Kor 2, 3).

Danke Gott für alle Erfolge und danke ihm auf gleiche Weise und mit frohem Herzen für die Niederlagen. Gott erforscht, ob du für ihn arbeitest oder nach deinem eigenen Willen handelst.

Es ist schwieriger in der Niederlage froh und mutig zu sein als in guten Zeiten. Wenigen gelingt es, und sie sind Helden zu nennen. Du kannst sie an einer Hand zählen.

Kardinal Francois Xavier Nguyen Van Thuan

Aus: Il cammino della speranza, Città Nuova, Roma 2004, S. 105-106

28. Februar 2010 - Nimm alles, wie es kommen mag

Mein Sohn, wenn du dem Herrn dienen willst,

dann mach dich auf Prüfung gefasst.

Sei tapfer und stark,

zur Zeit der Heimsuchung überstürze nichts!

Hänge am Herrn und weiche nicht ab,

damit du am Ende erhöht wirst.

Nimm alles an, was über dich kommen mag,

halt aus in vielfacher Bedrängnis!

Denn im Feuer wird das Gold geprüft

und jeder, der Gott gefällt,

im Schmelzofen der Bedrängnis.

Vertrau auf Gott, er wird dir helfen,

hoffe auf ihn, er wird deine Wege ebnen.

Ihr, die ihr den Herrn fürchtet,

hofft auf sein Erbarmen, weicht nicht ab,

damit ihr nicht zu Fall kommt.

Ihr, die ihr den Herrn fürchtet,

vertraut auf ihn

und er wird euch den Lohn nicht vorenthalten.

Ihr, die ihr den Herrn fürchtet,

hofft auf Heil, auf immer währende Freude

und auf Erbarmen!

Jesus Sirach 2, 1-9


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Impressum · Webmaster · Letzte Aktualisierung: 26. Februar 2010