








Eines ist also das auserwählte Volk Gottes (…); gemeinsam die Gnade der Kindschaft, gemeinsam die Berufung zur Vollkommenheit, eines ist das Heil, eine die Hoffnung und ungeteilt die Liebe. Es ist also in Christus und in der Kirche keine Ungleichheit (…)Wenn auch einige nach Gottes Willen als Lehrer, Ausspender der Geheimnisse und Hirten für die anderen bestellt sind, so waltet doch unter allen eine wahre Gleichheit in der allen Gläubigen gemeinsamen Würde und Tätigkeit zum Aufbau des Leibes Christi. (…)
So geben alle in der Verschiedenheit Zeugnis von der wunderbaren Einheit im Leibe Christi (…) dass das neue Gebot der Liebe von allen erfüllt wird. Daher sagt der heilige Augustinus sehr schön: "Wo mich erschreckt, was ich für euch bin, da tröstet mich, was ich mit euch bin. Für euch bin ich Bischof, mit euch bin ich Christ. Jenes bezeichnet das Amt, dieses die Gnade, jenes die Gefahr, dieses das Heil."
Priestertum, Jungfräulichkeit und Ehe sind wie die drei Seiten eines Dreiecks: Zwei Seiten ragen zum Himmel auf, sie sind auf Gott ausgerichtet und treffen sich in ihm; die dritte Seite breitet sich auf der Erde aus; von dieser Seite kommen die Priester und jungfräulichen Menschen und verbinden sie mit dem Himmel. Die beiden ersten Seiten vermitteln die göttlichen Gnaden; die dritte inkarniert die Gnaden in der Menschheit. Gleichzeitig nimmt sie die Anliegen der Menschheit auf, die sie über die beiden andern Seiten zum Himmel leitet. In diesem Dreieck durchdringt das Göttliche das Menschliche und das Menschliche das Göttliche.
Wenn die Liebe die Seiten durchströmt, sind sie drei und eins, sind sie die Brücke, durch die Gott die Inkarnation seines Sohnes bewirkt. In der Mitte steht Maria, die Mutter Christi, des ewigen Priesters, die Jungfräulichkeit und Mutterschaft in sich vereint.
Die Diakone sind Gott geweiht. Sie sind dazu gesandt, der Gemeinschaft der Kirche zu dienen unter der Leitung des Bischofs gemeinsam mit dessen Presbyterium.
Ihren beständigen Maßstab und ihre grundsätzliche Identität finden die Diakone in der Treue zum Evangelium, genauso wie das Volk Gottes, für das sie sich einsetzen. Von den Zeichen des Geistes erleuchtet, leben sie für ihren Auftrag und verwirklichen diesen je nach der geschichtlichen Situation, in der sie leben.
Gerade diese ihre Verfügbarkeit befähigt sie, durch die ihnen verliehene Gnade in besonderer Weise Christus in der Gestalt des Dieners Ausdruck zu geben. Damit erinnern sie auch Priester und Bischöfe an den Dienstcharakter ihres Amtes und beseelen gemeinsam mit ihnen, durch das Wort, die Sakramente und das Zeugnis der Liebe, jene Diakonie, zu der alle Jünger Christi gerufen sind und die einen wesentlichen Teil des geistlichen Auftrags der Kirche ausmacht.
Der junge Mann erwiderte ihm: Alle diese Gebote habe ich befolgt. Was fehlt mir jetzt noch?
Jesus antwortete ihm: Wenn du vollkommen sein willst, geh, verkauf deinen Besitz und gib das Geld den Armen; so wirst du einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach.
Als der junge Mann das hörte, ging er traurig weg; denn er hatte ein großes Vermögen.
Da sagte Jesus zu seinen Jüngern: Amen, das sage ich euch: Ein Reicher wird nur schwer in das Himmelreich kommen.
Da antwortete Petrus: Du weißt, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt. Was werden wir dafür bekommen?
Jesus erwiderte ihnen: Amen, ich sage euch: Wenn die Welt neu geschaffen wird und der Menschensohn sich auf den Thron der Herrlichkeit setzt, werdet ihr, die ihr mir nachgefolgt seid, auf zwölf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten. Und jeder, der um meines Namens willen Häuser oder Brüder, Schwestern, Vater, Mutter, Kinder oder Äcker verlassen hat, wird dafür das Hundertfache erhalten und das ewige Leben gewinnen.
Die Priester sollen alles, was ihnen begegnet, im Licht des Glaubens prüfen, damit sie es richtig gebrauchen lernen, wie es dem Willen Gottes entspricht, und ablehnen, was ihrer Sendung im Weg steht. (…)
Sie dürfen das kirchliche Amt weder als Erwerbsquelle betrachten noch die Einkünfte daraus für die Vermehrung des eigenen Vermögens verwenden. (…)
Sie werden vielmehr zur freiwilligen Armut ermuntert, in der sie Christus sichtbarer ähnlich und zum heiligen Dienst verfügbarer werden.
Denn Christus ist für uns arm geworden, obwohl er reich war, damit wir durch seine Armut reich würden. Und die Apostel haben durch ihr Beispiel bezeugt, dass die unverdienten Gaben Gottes unentgeltlich weitergegeben werden müssen; sie wussten genauso gut Überfluss zu haben wie Not zu ertragen. Aber auch ein gewisser gemeinschaftlicher Gütergebrauch, ähnlich der Gütergemeinschaft, die in der Geschichte der Urkirche so gepriesen wird, kann der Hirtenliebe vorzüglich den Weg ebnen; durch diese Lebensform können die Priester den Geist der Armut, den Christus empfiehlt, in lobenswerter Weise konkret verwirklichen.
Die Gewissheit der Radikalität der Gegenwart Gottes im andern, welche die Gemeinschaft (Austausch) zwischen Personen fördert, zwingt zur Mitteilhabe an den materiellen Gütern.
Die Gütergemeinschaft – aus sozialer Perspektive vielleicht das neueste und bedeutendste Phänomen der ersten christlichen Gemeinschaft – kann nicht optional verstanden werden (…). Sie ist der aussagekräftigste Beweis (…) für die persönliche Antwort auf die Liebe Gottes und folglich für die Liebe zum Nächsten.
Auch dies ist eine Art des Verlierens um zu sein: sich von Idolen verabschieden, um an der Gemeinschaft teilzunehmen. In dem Augenblick, in dem ein Nächster etwas braucht, bin ich, wenn ich es habe und nicht gebe, - so würden es die Kirchenväter nennen – ein Mörder; dem Bedürftigen geben bedeutet, Gott zurückerstatten, was ihm gehört.
Der Ruf Jesu bringt es ganz offensichtlich mit sich, die natürliche Familie zu lassen, als Voraussetzung um zu einer neuen, übernatürlichen Familie gehören zu können. Jesus ist weder gegen die Liebe zu den Eltern noch dagegen, dass wir sie ehren – kein Jota des Gesetzes soll zurück genommen werden -; sein Ruf jedoch verlangt die vollkommene Loslösung von der Familie, um frei zu sein, das Reich Gottes zu verkünden. Genau hier finden wir meines Erachtens implizit die tiefe Verbindung zwischen der priesterlichen Berufung und dem Zölibat; denn es gehört zum Ruf in die Nachfolge Jesu, die Kleinfamilie für die Menschheitsfamilie zu lassen.
So gesehen ist der Zölibat kein Verzicht; wir werden ihn nicht negativ beurteilen, wenn wir uns klar machen, dass der berufene Mensch dazu bestimmt ist, in Jesus „Vater aller Gläubigen“ zu werden, und diese zu Geschwistern der gesamten Menschheitsfamilie zu machen.
Heute habe ich verstanden, dass die ganze Menschheit in Maria zur Blüte gebracht wird.
Maria ist die Blüte der gesamten Menschheit. Sie, die ganz Reine, erblüht auf unreinem Grund.
Die sündenbeladene Menschheit findet zu ihrer wahren Blüte in Maria, in ihrer makellosen Schönheit.
Und wie die rote Blüte der grünen Pflanze mit ihrem Wurzelwerk und dem gedüngten Boden dankbar ist, der ihr zu jener Blüte verhalf, so gibt es Maria, weil wir Sünder Gott genötigt haben, an Maria zu denken.
Wir verdanken ihr unser Heil [Jesus], sie hingegen verdankt uns ihr Leben.
Wie schön sie ist, Maria! Sie ist die Schöpfung, die erblüht, die Schöpfung, die in Schönheit aufgeht. Die ganze Schöpfung in voller Blüte, der Krone eines blühenden Baumes vergleichbar: das ist Maria.
Gott verliebt sich vom Himmel her in diese schönste aller Blumen. Er bestäubt sie mit Heiligem Geist, und Maria schenkt dem Himmel und der Erde die erlesenste Frucht: Jesus.
Wie wohl nie zuvor hängt die Glaubwürdigkeit priesterlichen Dienstes daran, ob der einzelne Priester verwurzelt ist in einer gelebten Einheit, ob er eine Lebensform findet, in welcher priesterlicher Dienst als gemeinsames Zeugnis mit dem Herrn selber als dem einzigen Priester in der Mitte gelingt. Wenn der Priester ein „Spezialist“ ist, dann jener der communio, jener der Einheit; Spiritualität und Lebensform des Priesters sind jene der Einheit. (…)
Solchen Dienst der Einheit und auf Einheit hin kann der Priester aber nicht isoliert tun. Nur wenn er aus der Einheit mit dem Bischof und in der Einheit des Presbyteriums lebt, wird er glaubhaft machen können, dass nicht er es ist, der in ihm wirkt und spricht, sondern der Herr.
Es ist gut, mit der Hilfe Gottes, im Dienst der Einheit zu stehen, in sie verliebt zu sein, ihre Diener und Apostel zu sein, ihre Propheten und Märtyrer. Das bedeutet, dort wo Gott uns hinstellt und wo wir leben und arbeiten
a) nichts sagen und nichts tun, was der Uneinheit Auftrieb gibt, was Streit bringt, Misstrauen bewirkt oder eine kalte Atmosphäre schafft;
b) sich nicht vom ‚Vater der Hinterlist’ mitziehen lassen und seinen Botschaftern, die teilweise tugendhafte Menschen oder gute Freunde sind, die sich ‚der Verfluchte’ zunutze macht;
c) seine Freude daran haben, Streit zu schlichten, die Gemeinschaft zu stützen, andere zu lehren, das Positive der Menschen zu sehen, den Dialog zu fördern.
Es ist gut, sich zu verzehren aus Sehnsucht nach einer Einheit, die die Geschöpfe aller Zeiten und Orte, aller Rassen, aller Parteien und aller Glaubensüberzeugungen einschließt.
Pfarrer Marco, nennen wir ihn mal so, lebt seine priesterlichen Pflichten vorbildlich, angefangen bei seiner zölibatären Ehelosigkeit und seinem Gebetsleben, er ist ein eifriger Priester und überzeugter Verkünder der heiligen Lehre. Aber rede mal mit ihm, wenn es dir gelingt, oder sei ein wenig mit ihm zusammen. Er ist gut und tüchtig „in sich“, aber wenn er dir begegnet, macht er alles kaputt.
Wer weiß, von wie vielen Priestern man mehr oder weniger Ähnliches sagen könnte! In diesen Fällen könnte man sogar ein noch strengeres Urteil fällen: es gibt keine in sich guten Priester, die in den Beziehungen versagen oder Priester, die im inneren privaten Leben weiterkommen und im Leben der sozialen Beziehungen durchfallen (oder zurück gestuft werden). (…)
Beziehungsfähigkeit ist eine konstitutive Dimension des Menschseins, jeder beliebigen Person, und um so mehr derjenigen, die ihr eigenes Leben für die Verkündigung der Erlösung einsetzen. Verkündigung ist Beziehung, Erlösung ist Beziehung, Priestersein ist Beziehung. (…)
Die Beziehung ist nichts Nebensächliches…. sondern sie gehört zur Substanz des Seins und des Menschwerdens. Die gelebte Beziehung macht Menschen gesund, Priester authentisch, Jünger glaubwürdig.
Wir haben uns an eine individualistische Sicht und Ausbildung des Priesterstandes gewöhnt, weil das Presbyterium seit dem 4. Jahrhundert nicht mehr verstanden wurde. (…) Die Ekklesiologie von Communio und Missio legt nahe, über den Priester in anderen Kategorien zu sprechen. Vor allem aber stellt sie das Presbyterium in seiner theologischen und pastoralen Prägnanz neu in den Mittelpunkt.
Die daraus abgeleitete, aber selten übernommene und gelebte Wahrheit ist, dass durch die Spendung des Weihesakramentes das eine Presbyterium gebildet wird (PO 8). Diese Feststellung verlangt nach einer Bekehrung, nach neuen priesterlichen Formen und pastoralen Entscheidungen.
„Kein Priester kann abgesondert und als einzelner seine Sendung hinreichend erfüllen, sondern nur in Zusammenarbeit mit anderen Priestern, unter Führung derer, die die Kirche leiten.“ (PO7)
Der Geist der Bruderliebe verpflichtet die Priester, die Gastfreundschaft zu pflegen, Gutes zu tun und ihre Güter zu teilen, wobei ihre besondere Sorge den kranken, bedrängten, mit Arbeit überlasteten, den einsamen, den aus ihrer Heimat vertriebenen Mitbrüdern gelten soll sowie denen, die Verfolgung leiden. Sie sollen sich auch gern und mit Freude treffen, um sich zu erholen (…).
Damit die Priester darüber hinaus im geistlichen Leben und für die Erweiterung ihrer Kenntnisse aneinander Hilfe haben, damit sie besser in ihrem Dienst zusammenarbeiten können und vor Gefahren geschützt sind, die vielleicht dem Einsamen drohen, soll das gemeinsame Leben oder eine Art der Lebensgemeinschaft unter ihnen gefördert werden. Die Formen können, je nach den persönlichen oder seelsorglichen Erfordernissen, verschieden sein. Beispielsweise ist ein Zusammenwohnen möglich, wo die Umstände es gestatten, oder ein gemeinsamer Tisch oder wenigstens ein häufiges und regelmäßiges Zusammenkommen.
Nie genug kann den Priestern eine gewisse Form des gemeinsamen Lebens empfohlen werden, die das priesterliche Amt stärker mit Frömmigkeit erfüllt; ebenso häufige Zusammenkünfte zu brüderlichem Gedanken- und Erfahrungsaustausch und mitbrüderlicher Ermunterung; und schließlich die Förderung von Vereinigungen, die Anregungen zur priesterlichen Heiligkeit bieten.
Die Priester sollen eifrigst die Mahnung des II. Vatikanischen Konzils erwägen, die sie dazu ermuntert den Gemeinschaftssinn untereinander zu pflegen, damit sie sich voll und ganz für die priesterlichen Mitbrüder verantwortlich fühlen, die von Schwierigkeiten bedrängt werden und deren heiliger Beruf ernstlich gefährdet ist.
Sie sollen eine glühende Liebe zu denen hegen, die mehr Liebe als die andern, mehr Nachsicht, mehr Gebet und mehr verständnisvolle und wirksame Hilfe benötigen und die mit Recht auf die unerschöpfliche Liebe derer bauen, die vor allen andern im wahrsten Sinne ihre Freunde sind und sein müssen.
Untereinander eins sein heißt unter uns das Klima einer Familie schaffen, jener Familie, die ihr Vorbild in der Familie von Nazareth hat. Dort leben jungfräuliche Menschen übernatürlich zusammen und gleichzeitig auf eine nicht natürlicher zu denkende Weise, denn ihr einziger Zusammenhalt ist die menschlich-göttliche Liebe, welche die Erwartungen jeder Form menschlicher Zuneigung erfüllt und übertrifft. (…)
Wenn wir als eine solche Familie leben, wird sich auch das Problem der alt gewordenen Priester lösen lassen. Denn es ist absurd und steht im Widerspruch zum Gebot Jesu, dass Priester, nur weil sie alt oder gebrechlich sind, verlassen sind oder anonym vereinsamen. (…)
Diese Familie ist schön und anziehend, weil in ihr die Harmonie des Einen aufscheint; ihre Türe steht Mitbrüdern und Seminaristen offen, sie ist der Mittelpunkt der Gemeinschaft, denn wo Jesus lebt, spürt man den Generationenunterschied nicht: Jesus ist immer aktuell und modern; er ist der Logos Gottes, der Theologe, die immer neue Weisheit, die derjenige hervorbringt, der auf Erden nach dem Beispiel von Maria lebt.
Ich kenne Pfarrer und Kapläne, die nach Charakter, Bildung und Alter ganz verschieden sind, aber einen wachen Geist besitzen: nach und nach gelang es ihnen, mit gutem Willen Vertrauen zueinander zu fassen, sich in ihrer pastoralen Tätigkeit zu ergänzen und eine solche Liebe und Eintracht auszustrahlen, dass sie die Menschen berührten. Sie gingen sogar so weit, gemeinsam Betrachtung zu machen, sich gegenseitig das Sakrament der Buße zu spenden und die Spendengelder gleichmäßig aufzuteilen. Der Jüngere lernte von der Erfahrung des Älteren, der Ältere förderte die Initiativen des Jüngeren. (…)
Der ältere Priester: erleuchtet, belehrt, schenkt Vertrauen, eröffnet einen heiligen Ort; er nimmt den jüngeren Priester auf und behandelt ihn als Mitarbeiter; er steht ihm liebevoll zur Seite und weist ihn respektvoll zurecht; er schenkt ihm Vertrauen und hat die Absicht, einen zukünftigen Pfarrer, ja vielleicht den eigenen Nachfolger auszubilden; er fördert seine guten Anlagen; vor allem anderen liebt er ihn und verfolgt sein Wohl.
Der jüngere Priester: ist bescheiden, ordnet sich ein, spricht Gutes; ist zupackend, lässt sich führen, stellt sich vor den Seelsorger und sein Wirken; tut das ihm mögliche Gute und bereitet sich auf den zukünftigen Dienst vor.
Es ist wichtig, die Wirklichkeit des Presbyteriums, der Gemeinschaft der Priester um sich zu haben, die helfen und die in der Solidarität des gemeinsamen Glaubens zusammen auf dem Weg sind.
Auch das scheint mir wichtig. Denn wenn die Jugendlichen nur isolierte, traurige, müde Priester sehen, dann denken sie: Wenn das meine Zukunft ist, dann übersteigt das meine Kräfte.
Man muss wirklich diese gelebte Gemeinschaft schaffen, die den Jugendlichen zeigt: Ja, das kann auch für mich eine Zukunft sein, so kann man leben.
Seid einander in brüderlicher Liebe zugetan, übertrefft euch in gegenseitiger Achtung!
Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden!
Seid untereinander eines Sinnes; strebt nicht hoch hinaus, sondern bleibt demütig! Haltet euch nicht selbst für weise!
Vergeltet niemand Böses mit Bösem! Seid allen Menschen gegenüber auf Gutes bedacht!
Die theologische Identität des Priesteramtes: Laut Zweiten Vatikanischen Konzil steht das Amtspriestertum im Dienst des gemeinsamen Priestertums der Gläubigen, und das eine wie das andere nimmt je auf besondere Weise am Priestertum Christi teil. (…)
Das aktuelle gesellschaftlich-kulturelle Umfeld: Der Priester muss sein Umfeld kennen, wenn er in ihm den Samen des Evangeliums säen will, das heißt, wenn er die Botschaft Jesu als einen verständlichen und hoffnungsvollen Aufruf verkünden will (…)
Die existentiellen emotionalen Aspekte, der Zölibat: Ein intensives, auf pastoraler Nächstenliebe gegründetes geistliches Leben, das sich aus der persönlichen Gotteserfahrung und aus der Gemeinschaft mit den Brüdern speist. Ebenso geht es darum, geschwisterliche Beziehungen zum Bischof, zu den anderen Priestern der Diözese und zu den Laien zu pflegen. (…). Der Zölibat verlangt, die eigene Emotionalität und Sexualität in großer Reife anzunehmen und sie in Ernsthaftigkeit und Freude in Gemeinschaft zu leben.
Ich war gerade zehn Jahre glücklich Priester gewesen, als mir das totalitäre Regime meines Landes die Lizenz entzog, meinen Dienst auszuüben. Ich musste mir einen weltlichen Beruf suchen und wurde ständig von der Staatssicherheit überwacht. Sie hatte es darauf abgesehen, mich komplett zu isolieren.
Ich lebte damals schon in enger Gemeinschaft mit andern Priestern. Dies hat mich in jenen Jahren gerettet. Wir trafen uns einmal in der Woche auf die Gefahr hin, entdeckt und bestraft zu werden. Aber für uns war die Gemeinschaft mehr Wert als jedes Risiko. Bei unseren Begegnungen meditierten wir oft das Gebet Jesu um die Einheit (Joh 17). Inspiriert und ermutigt vom Konzil (PO 8) erzählten wir uns die Erfahrungen, die jeder in seiner Situation mit dem Evangelium machte.
Wir überlebten nur, weil wir die Einheit unter uns hatten und folglich Jesus bei uns war. Ich kann nicht genug betonen, wie wichtig diese Erfahrung - sei es unter den dramatischen Umständen, sei es später in allen Momenten meines priesterlichen Lebens - für mich war.
Das Leben in Gemeinschaft betrifft die gesamte Person und unterscheidet sich von der Zugehörigkeit zu einer Gruppe (Sportklub, religiöser oder gesellschaftlicher Verein, Gewerkschaft etc.). Deren Mitglieder verfolgen bestimmte Ziele und handeln in begrenztem Rahmen aus gemeinsamem Interesse (…). Darüber hinaus handelt jeder, was Ideologie, Gefühle und Glauben betrifft, für sich und achtet streng auf die eigene Privatsphäre.
Das Miteinander von Priestern kann genau dieser Gefahr unterliegen: (…) anstatt eine Gemeinschaft zu bilden, in der das Gemeinsame an erster Stelle kommt, leben sie wie eine Gruppe von Einzelgängern, die rein zufällig zusammen sind, um ein gemeinsames Ziel zu verfolgen. Sie haben aber nicht wirklich miteinander zu tun, tauschen sich nicht über andere Aspekte ihres Lebens aus und betonen das eigene Ich zu stark, das den andern unzugänglich bleibt. Es handelt sich dabei um Individualismus, der sich hinter der Maske eines gemeinsamen Lebens versteckt, in dem man sich arrangiert hat, ohne wirklich eine Beziehung zueinander zu haben.
Die Priester sind dazu berufen, offen zu sein zum Dialog mit den andern Priestern, vor allem mit den Einsamen, den Enttäuschten, mit denen, die irgendeine Prüfung durchmachen. Mit jedem müssen sie eine echte Beziehung aufbauen (…). Sie müssen mit ihnen ein Herz und eine Seele werden. All das gereicht der gesamten Diözese zum Vorteil. (…)
Die Einheit unter den Priestern, die Gegenwart Jesu, die Gegenwart des Auferstandenen in ihrer Mitte (…) wird den Gemeinden zugute kommen und auch den Seminaren, den Schulen, den Missionen und allen apostolischen Werken.
Diese Einheit der Priester untereinander ist auch eine Gewähr für die Zukunft der Kirche. Auf wen schauen denn die Jugendlichen, die Gott vielleicht zu der gleichen Aufgabe berufen hat, um sich darüber klar zu werden, wie ihre Zukunft im Dienst an Gott und an den Menschen aussehen wird? Sie sehen in den heutigen Priestern ihr Vorbild, und oft schließen sie sich ihnen als ihrer zukünftigen Familie an.
Schließlich werden sich die Priester, aufgrund der gleichen Gemeinschaft im Priestertum, in besonderer Weise denen gegenüber verpflichtet wissen, die unter irgendwelchen Schwierigkeiten leiden; sie sollen ihnen rechtzeitig ihre Hilfe zukommen lassen, wenn nötig auch durch taktvolle Ermahnung.
Mit brüderlicher Liebe und großer Herzensgüte sollen sie aber denen zur Seite stehen, die in irgendwelchen Punkten versagt haben; für sie müssen sie sich mit inständigem Gebet bei Gott verwenden und sich ihnen gegenüber stets als wahre Brüder und Freunde erweisen.
An Weihnachten ist das Wort Fleisch, ist Gott Mensch geworden. Und das heißt: Gott in meinen Grenzen – in meinen Grenzen Gott. (…) Meine Begrenzungen, mein Scheitern, meine Unsicherheiten sind Gottes Ort in der Welt. Er hat sich alles dessen, er hat alles das angenommen.
Wo ich an meine Grenzen stoße, da stoße ich in der Tat an ihn, da ist Grund nicht zu weniger, sondern zu mehr Hoffnung. Meine Grenzen annehmen heißt ihn annehmen, Gott in meinen Grenzen.
Und zugleich in meinen Grenzen: Gott! Was ich in meinen Grenzen den andern zu geben vermag, ist unendlich viel weniger, als was sie brauchen und was sie beanspruchen. Und doch wohnt in diesen meinen Grenzen und gibt sich in diesem meinem Mich-Geben Gott. Ich werde durch seine Menschwerdung – recht verstanden – „Sakrament“ für ihn, wirksames Zeichen, in dem Er sich mitteilt und hineinreicht in unsere Welt.
Es ist Weihnachten!
Das Wort ist Mensch geworden und hat das Feuer
der Liebe auf die Erde gebracht.
Es ist Weihnachten!
Wie sehr wünschten wir, dass dieser Tag nie endet.
Lass uns verstehen, Herr, wie du auf geistige Weise
immer unter den Menschen präsent sein kannst.
Es ist Weihnachten!
Lass das Feuer deiner Liebe, das du auf die Erde
gebracht hast, in uns brennen, damit wir einander so lieben,
wie du es willst!
Dann wirst du unter uns sein.
Jeden Tag kann – wenn wir einander lieben -
Weihnachten sein.
Wir wissen, dass heute viele sagen: “Jesus, ja, Kirche, nein”. Sie sehen die Verbindung zwischen Jesus und der Kirche nicht; sie werden sich seiner Gegenwart in ihr nicht bewusst. Und doch: Was ist die Kirche, was wollte sie sonst sein, wenn nicht diejenige, die mitten in der Welt das Angesicht des Herrn offenbart?
Da liegt der Gedanke an den Pfarrer von Ars nahe, diesen demütigen und so einfachen Seelsorger. Ein Bauer, der über ihn eine Zeugenaussage machen sollte, sagte: „Ich habe in einem Menschen Gott gesehen“.
Und es kommt einem auch Mutter Teresa von Kalkutta in den Sinn und die unübersehbare Menschenmenge, die am Tag ihres Begräbnisses ihren sterblichen Leib begleitete. Alle – Christen, Hindus und Moslems – haben in ihr die Faszination Jesu gespürt.
Sie sind so wertvoll, diese großen Zeugen der Gegenwart Christi! Und wir müssen dem Herrn für sie danken. Aber in unserer so schwierigen Zeit, die so dringend nach Heil lechzt, wird es höchste Zeit, dass in der gesamten Kirche Christus sichtbar wird, dass sie als Ganze seine Gegenwart ausstrahlt.
Das Priestertum muss die Familie heiligen; die Familie muss für den Bestand des Priestertums sorgen. Beide sind aufeinander bezogen im Guten wie im Bösen: je würdiger das Priestertum, desto erhabener die Familie; je verfallener das Priestertum, desto ungenügender ist der Nachschub aus den Familien.
Wenn der Priester sein Wirken einstellt, werden die Familien durch Ehebruch, Scheidung und Abtreibung auseinander fallen; wenn die Unversehrtheit der Familie aufgegeben wird, wird es keine würdigen Jugendlichen mehr geben, die ins Seminar oder in Ordenshäuser gehen. Entweder sie unterstützen sich gegenseitig oder sie werden miteinander untergehen: zwischen beiden besteht eine menschlich-göttliche Solidarität.
Wenn wir Laien das Priestertum und den Ordensstand wieder so sehen lernen, öffnen wir damit die Fenster unserer Häuser für den innersten Atem der Kirche, für den Geist Gottes. Wir räumen die Barrikaden weg, die den Fluss des moralischen und geistlichen Lebens hemmen und setzen in der Kirche nicht nur Energien am Rande frei, sondern verhelfen ihr zur Ganzheitlichkeit.
Um sich für die Gegenwart Christi als Schlüssel zum Leben des Geheimnisses der Kirche zu öffnen und diese anzunehmen, braucht es unter uns Gläubigen jene gegenseitige Offenheit und Hingabe, welche die Verwirklichung der Verheißung Jesu ermöglicht: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich in ihrer Mitte“ (vgl. Mt 18, 20).
Zu Anfang dieses dritten Jahrtausends wünschen wir uns nichts sehnlicher, als dass sich auf unserem Glaubensweg im geisterfüllten Raum des gegenwärtigen Christus diese Gegenwart immer neu ereigne: Er, der gekreuzigte und auferstandene Herr, entflamme unsere Herzen, öffne unsere Augen, erleuchte unseren Verstand und stärke unseren Willen: „Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast“ (Joh 17, 21).
Wenn wir eins sind, ist Jesus unter uns. Und das ist von Wert.
Es hat mehr Wert als jeder andere Schatz, den unser Herz besitzen kann: mehr als Mutter, Vater, Geschwister und Kinder.
Es ist mehr Wert als unser Zuhause, unsere beruflichen Aufgaben, unser Eigentum; mehr als die Kunstwerke einer großen Stadt wie Rom, mehr als unsere Angelegenheiten, mehr als die Natur um uns herum mit den Blumen und Wiesen, dem Meer und den Sternen: es hat größeren Wert als unsere Seele.
Er ist es, der den Heiligen seine ewigen Wahrheiten eingibt und so Epoche macht in jeder Epoche. Auch jetzt ist seine Stunde: nicht so sehr die Stunde eines Heiligen, sondern die seine; die Stunde von Jesus unter uns, von Jesus, der in uns lebt und – durch die Einheit in der Liebe - seinen Mystischen Leib aufbaut.
Sind die Gläubigen in der Liebe, in der Liebe Christi vereint? Ganz gewiss haben wir hier eine lebendige Gemeinde; hier ist wirklich die Kirche; hier ist jenes göttlich-menschliche Phänomen von Vitalität, das die Gegenwart Christi unter uns immer neu ermöglicht (…).
Wie schön wäre es, wenn an unseren Pfarreien abgelesen werden könnte, was eine christliche Gesellschaft ausmacht! Menschen, die sich vorher nicht kannten, durch Gebräuche, Erziehung und Herkunft unterschiedene Gruppen, kommen in der Kirche zusammen und verstehen und fühlen sich als ein geschwisterlicher Kern. Sie werden Freunde, reichen einander die Hand, sprechen nicht schlecht von ihren Nächsten und versuchen stattdessen, den Kranken beizustehen oder die Arbeitslosen zu unterstützen. Mit einem Wort: Wo eine gute Tat für einen Nächsten zu tun ist, entschließen sie sich mit ganzem Herzen dazu, weil sie sagen: Hier ruft mich Christus.
Wenn in euch eine Sympathie füreinander vibriert, die daher rührt, dass ihr mit aller Großzügigkeit eures Herzens den Wunsch habt, Christus unter euch leben zu lassen, weil ihr euch durch ihn und in ihm vereint wisst, dann erinnert euch doch an das feierliche Wort Christi: „Sie werden erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr einander liebt.“
Ihr fragt mich: “Gibt es Menschen, die so elend sind, dass sie sich die Gegenwart Christi nicht wünschen?“ Ja, wir sind so, solange wir uns gegenseitig bekämpfen.
Jemand könnte ironisch darauf antworten: „Was redest du da? Siehst du nicht, dass wir alle unter demselben Dach und in derselben Kirche sind (…) und dass wir gemeinsam beten (…)! Was soll uns trennen?“
Jetzt und hier trennt uns nichts, aber kaum ist unsere Versammlung beendet, kritisieren wir uns gegenseitig (…). Wir misstrauen uns, haben Angst voreinander, raunen dem Nachbarn etwas ins Ohr und wenn ein Dritter sich dazugesellt, schweigen wir und wechseln das Thema. (…)
“Das tun wir doch nicht, um anderen zu schaden – entgegnet ihr möglicherweise – sondern um sie zu schützen.“ Gerade das schmerzt mich: wir leben wie Brüder und verspüren doch die Notwendigkeit, uns vor dem Unrecht anderer in Acht zu nehmen, und Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen. (…)
„Aber – so wirst du sagen – ich wurde doch beleidigt“. Wenn dich dein Nächster schmäht, bete zu Gott, damit du dich barmherzig erweisen kannst. Er ist dein Bruder, ein Glied deines Leibes; er ist mit dir zum selben Tisch geladen.